GRIP 54
5/1/2016
Wie kann ich meinen Film in Rheinland-Pfalz finanzieren?
Fördermöglichkeiten und Beratung durch das Film & Medienforum in Mainz
Von Andrea Wenzek
Rheinland-Pfalz und Hessen haben vieles gemeinsam: den Rhein, den Wein und keinen Platz auf der Deutschlandkarte von Focus Germany, der Dachorganisation von sieben deutschen Filmförderungseinrichtungen. Für die Hessen Film und Medien GmbH gilt bislang das Ausschlusskriterium, nicht auf die zu verzinsenden Darlehen im Filmfinanzierungsfonds verzichten zu können. Rheinland-Pfalz dagegen ist das einzige Bundesland, in der es überhaupt keine institutionalisierte Filmförderung gibt. Nachdem eine Initiative von Film- und Medienschaffenden mit ihrer Petition „Mainzer Manifest für eine Film- und Medienförderung für Rheinland-Pfalz“ Druck auf die Landesregierung ausgeübt hatte, stellt das Wirtschaftsministerium seit August 2014 Projektmittel zur Verfügung, um das Film- & Medienforum Rheinland-Pfalz unter der fachlichen Leitung von Nadine Mannweiler aufzubauen. Es soll helfen, die Rahmenbedingungen der regionalen Medienkultur und -wirtschaft strukturell zu verbessern und Filmschaffende bei der Finanzierung ihrer Filmprojekte zu beraten.
„Ich habe bei null angefangen“, erzählt Nadine Mannweiler, „ein Jahr lang habe ich Filmschaffende, die in Rheinland Pfalz ihren Wohnsitz haben, ausfindig gemacht. Gerade bin ich dabei, durchs Land zu reisen, um Drehorte für eine Datenbank zu erfassen.“ Aus den Erhebungen soll ein „Production & Location Guide“ entstehen. Es geht also um die Vernetzung und die Sichtbarmachung der rheinland-pfälzischen Filmbranche. Nadine Mannweiler berät auch Filmschaffende in Sachen Filmfinanzierung. Fördermittel stehen schon seit längerem zur Verfügung, deren Existenz wurde im Kulturförderdschungel des Landes für manche jedoch erst durch die Öffentlichkeitsarbeit des Film & Medienforums sichtbar.
Die Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur fördert Kunst- und Kulturprojekte jeglicher Art, dazu gehört auch der Film. Als eigene Kategorie taucht der Film in den Förderrichtlinien allerdings erst seit 2015 auf. Die Mittel stehen dabei für verschiedene Projekte zur Verfügung: für die Herstellung von Dokumentar- und Kurzfilmen, für die Entwicklung von Drehbüchern sowie von Konzepten und Dokumentationen zum rheinland-pfälzischen audiovisuellen Erbe. Es gibt kein gesondertes Budget für die Kategorie Film, das heißt er konkurriert mit den anderen Künsten. Allerdings beträgt die Förderhöhe 50 bis 80 Prozent der im Kostenplan aufgeführten und beantragten Gelder inklusive der Eigenmittel des Antragstellers. Nachträglich beantragte Mittel können jedoch nicht berücksichtigt werden. Also kann bei größeren Filmprojekten die Fördersumme der Stiftung recht üppig ausfallen. So geschehen bei der Restaurierung und Digitalisierung der „Heimat-Trilogie“ von Edgar Reitz. Auch Simone Wendels Dokumentation „Kings of Kallstadt“ und Barbara Trottnows „Eduard Zuckmayer – ein Musiker in der Türkei“ finanzierten sich primär aus den Geldern der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur.
Die Film und Mediennachwuchsförderung Rheinland Pfalz, mit rund 100.000 Euro jährlich vom Bildungsministerium ausgestattet, richtet sich an Studierende der gestalterisch, künstlerisch und medienpraktisch ausgerichteten Studiengänge der Uni Mainz sowie der Hochschulen Mainz und Trier. Gefördert werden Abschlussfilme und herausragende Studienarbeiten in Form von Stipendien. Die Höhe liegt zwischen 500 und 3.000 Euro, in Ausnahmefällen bis zu 5.000 Euro. Insbesondere die Filme von Michael Schwarz, ehemaliger Student der Filmklasse Harald Schleichers an der der Kunsthochschule Mainz, sind bundesweit in Erscheinung getreten, zuletzt „Der Champion von Palästina“ (2015).
Jetzt stellt sich die Frage, ob das Film & Medienforum in Mainz der Grundstein für eine kommende institutionalisierte Filmförderung in Rheinland Pfalz sein könnte. „Wir leisten die Aufbauarbeit, die rheinland-pfälzische Filmbranche zu vernetzen“, so Nadine Mannweiler. „Es ist dann an ihr, von der Politik verstärkt eine institutionalisierte Filmförderung zu fordern. Wir unterstützen sie dabei gerne."
Kategorie: Hintergrundbericht (GRIP FORUM)
Schlagworte: Filmförderung, Wirtschaftsförderung, Kulturförderung, Nachwuchs, Filmpolitik
