GRIP 54
5/1/2016
Präzision in Bildern
Ein Porträt der Frankfurter Postproduktionsfirma MAPP
Von Alex Scherer
Kein mit unzähligen Rechner-Suites vollgestopftes, riesiges Loft, vielmehr eine Kreativoase erwartet den Besucher in den Räumlichkeiten am Oeder Weg 34 in Frankfurt, wenn er die Firma "Medienarbeit für Produktion und Projekte" - kurz MAPP - ansteuert. Auf rund 100 Quadratmetern vereint, bietet das Studio alles, was eine hochwertige Postproduktion braucht - und das in einem ausgewählt angenehmen Ambiente, das sich auf den Begriff Komfortzone bringen läßt.
Gegründet wurde MAPP 2011 von der Medienunternehmerin Irene Trampler, eine Pionierin und engagierte Netzwerkerin der Frankfurter Kreativbranche, Mitinitiatorin des Edit-Filmmakers Festivals und engagierte Mitstreiterin in diversen Projekten der Film- und Medienwirtschaft seit über 20 Jahren.
1990 kam die gebürtige Niedersächsin nach Stationen in Süddeutschland aus München nach Frankfurt und wurde Studioleiterin bei Herold & Besser. Hier bewies die gelernte Schaufenstergestalterin und studierte Medienwissenschaftlerin bereits früh ihre Managerqualitäten. Schließlich wechselte sie zur TVT; zuerst ins Studiomanagement für den Standort Frankfurt, später in die Geschäftsführung. Und 2001 entschied sie sich für den Schritt in die Selbständigkeit. Im Verbund mit drei Partnern eröffnete Trampler noch im selben Jahr die Manufaktur, eine schon bald führende Adresse für digitale Bildbearbeitung in der Mainmetrople
Nach 10 Jahren war die Ära Manufaktur abgeschlossen, der Betrieb wurde aufgelöst. Trampler geht mit der Gründung von MAPP, die sie als alleinige Inhaberin und Chefin betreibt, noch mal neue Wege. Dahinter steht die bewußte Strategie, mit einem kleineren Unternehmen flexibler, kundenspezifischer und kosteneffizienter auftreten zu können. So besteht das MAPP Team heute hauptsächlich aus freien Mitarbeitern.
Aber immer hervorragende Fachleute an sich zu binden fällt der überzeugten Netzwerkerin nicht schwer, zumal sie auf ihren Stationen, sowohl bei TVT als auch in ihrer Manufaktur, jede Menge Talente getroffen und ausgebildet hat. Eine Erfahrung, auf die Trampler sichtbar stolz ist. Und nicht zuletzt komme es darauf an, nicht nur ein Gespür für Trends, sondern vor allem für die richtigen Mitarbeiter zu haben. "Ich denke, ich bin eine ganz gute Menschenfischerin", bilanziert sie ihren Erfolg. Ein Augenzwinkern nicht verbergend. So versteht sie ihren Studiobetrieb heute als eine Art ''Kreativzelle'', die je nach Bedarf und Auftragslage aktiviert und erweitert werden kann.
Die bisherigen Projekte, die die junge Firma realisiert hat seither, sprechen für sich. Dazu gehört als eines der Kerngeschäfte die Produktion von "Dailies" und "Visual Effects" für TV und Kino. So entstand beispielsweise für "Männerhort" (Regie Franziska Meyer Price) das Titeldesign oder für ''Lauf Junge Lauf'' (Pepe Danquart) das digitale Gewitter und jede Menge Matte-Paintings. Gegenwärtig arbeitet MAPP an der Postproduktion der Honecker-Satire ''Vorwärts Immer'' (Franziska Meletzky), ein Kinofilm, der von der Hessischen Filmförderung Hessen Invest 2015 mit 600.000 Euro bezuschusst ist und der unter anderem auch hier in Rhein-Main gedreht wurde. Für Herbst ist der Kinostart angekündigt.
Ein weiteres Aufgabenfeld sind Bearbeitungen der derzeit immer stärker in den Markt drängenden 360 Grad-Filme. Hier hat MAPP erst jüngst die Postproduktion für einen Schulungsfilm der Lufthansa und einen Beitrag für die ITB, die Internationale Tourismusbörse in Berlin, geliefert.
Eine dritte Sparte bildet schließlich die Postproduktion für Dokumentarfilme und dokumentarische Features. Aktuell wird der zweite Teil einer ARD-Reportage im Auftrag des Hessischen Rundfunks mit einem sehr aufwendigem Design-Konzept fertiggestellt. Gern würde Trampler noch mehr im Bereich Dokumentarfilm arbeiten, denn das Genre entspricht in vielem ihrer Firmenphilosophie. Projekte sehr persönlich und zu interessanten Konditionen zu begleiten, das ist Teil ihres Selbstverständnisses.
Grundsätzlich haben sich die wirtschaftlichen Verhältnisse der letzten Jahre allerdings gewandelt, so Tramplers Einschätzung. Aus vollen Etats zu schöpfen wie in den 90ern funktioniere nicht mehr; das Suchen nach neuen Nischen sei noch wichtiger denn je. ''Man muss heute wissen, wo man seine Antworten her bekommt und das möglichst schnell''. Der augenblickliche Trend geht dahin, dass Postproduktionshäuser verstärkt auch in die Contententwicklung und -produktion einsteigen. Darauf will Trampler reagieren. "Die Redaktion und Abwicklung von Dreharbeiten ist deshalb auch fest angedacht bei uns." Mit den richtigen Kooperationspartnern könnte das eine klare Perspektive für MAPP sein.
Kategorie: Firmenportrait (GRIP FACE)
Schlagworte: Filmproduktion, Postproduktion, TV/Rundfunk, Imagefilm, Dreharbeiten
