GRIP 54
5/1/2016
Für die meisten Vorstellungen hieß es: „Ausverkauft!“
Rückschau auf die 9. LICHTER Filmtage in Frankfurt
Von Philipp Mehler
Sie haben es mal wieder geschafft. Allen Finanzierungsproblemen zum Trotz hat das Team um die beiden Festivalleiter Gregor Maria Schubert und Johanna Süß nun zum bereits neunten Mal Frankfurt und Umgebung zum Leuchten gebracht. An sechs prallgefüllten Tagen feierte das Lichter Filmfest Frankfurt, das diesmal sein Festivalzentrum im Mousonturm hatte, den regionalen und internationalen Film. Im Vordergrund dabei das internationale Programm, das dieses Jahr dem Thema "Grenzen" gewidmet war und viele ausverkaufte Vorstellungen erlebte.
Erstmals wurde der International Feature Award vergeben, und zwar auf Wunsch der Jury gleich an zwei Filme: An die Dokumentation "Les Sauteurs" der Regisseure Abou Bakar Sidibé, Estephan Wagner und Moritz Seibert, der hautnah die Flucht seiner Protagonisten aus Marokko hin ins spanische Mellila erzählt. Und an den Langfilm "Masaan", Debütfilm des indischen Regisseurs Neeraj Ghaywan, der ein Portrait der jungen indischen Generation und deren Zerrissenheit zwischen Tradition und Moderne zeichnet.
Der Preis für die beste regionale Produktion wurde der Frankfurter Filmemacherin Sung-Hyung Cho zugesprochen für ihre Dokumentation "Meine Brüder und Schwestern im Norden", ein Nordkorea-Porträt, das, wie die Regisseurin bei der Aufführung bekannte, von Berlin und anderen großen Festivals zuvor abgelehnt worden war. Behutsam unter den Augen der nordkoreanischen Behörden gedreht, ermöglicht der Film einen Einblick in den Alltag eines zerrissenen Landes, immer wieder überraschend und ohne dem Zuschauer eine Meinung aufzuzwingen. Der Preis für den besten regionalen Kurzfilm ging an Florian Grolig mit "In the Distance".
Auch die Zuschauer hatten mitzuentscheiden und kürten den Debütfilm "Auf einer Skala von 1-10" der Darmstädterin Katharina Uhland mit dem Publikumspreis. Und der New Yorker Videokünstler James N. Kienitz Wilkins gewann den Lichter Art Award mit seiner Arbeit "B-Roll with Andre". Und als wäre das nicht schon genug, gab es ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Panels und Diskussionen zum Thema "Grenzen", Live-Musik-Begleitungen zu Stummfilmklassikern, ein Theaterstück und den Branchentag, der - seit Jahren unterstützt durch die Wirtschaftsförderung Frankfurt - dieses Mal mit dem Crew United-Netzwerk kooperierte und mit Beratungs- und Informationsveranstaltungen großen Anklang bei der hessischen Filmszene fand.
Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)
Schlagworte: Festival, Auszeichnung, Filmkultur
