GRIP 42

5/1/2010

„Frankfurt vereint viele Attribute“

Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) zur Gründung des Kreativzentrums "MainRaum" in Frankfurt

Von Dieter Brockmeyer

GRIP: Was erwarten Sie als Wirtschaftsdezernent von solchen Einrichtungen wie dem gerade eröffneten Gründerzentrum „MainRaum“? Reicht eine Etage, um wirklich dem Bedarf gerecht zu werden?

Markus Frank: Unser Ziel ist es, die Stadt Frankfurt am Main noch stärker als Kreativstandort zu positionieren. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist das neue Gründerhaus „MainRaum" im Ostend. Bislang gab es so etwas überhaupt noch nicht, da ist doch eine ganze Etage mit 18 Büroräumen auf 560 Quadratmeter ein sehr guter Anfang. Ob die Räumlichkeiten für den tatsächlichen Bedarf in der Praxis ausreichen, wird die Entwicklung zeigen. Die Nachfrage von Unternehmensgründern aus der Kreativwirtschaft ist im Vorfeld zumindest groß, aber es müssen auch überzeugende Konzepte vorgestellt werden, um ein Büro zu bekommen.

GRIP: Welchen Stellenwert geben Sie der Kreativwirtschaft in Frankfurt und welche Perspektive sehen Sie?

Frank: Bei der Kreativwirtschaft reden wir von über 9.500 Unternehmen allein in Frankfurt am Beispiel des Jahres 2008. Die Kreativwirtschaft erwirtschaftet etwa vier Milliarden Euro Umsatz. 60.000 Menschen arbeiten in dieser Branche. Aus unserem Kreativitätsbericht 2008 geht hervor, dass über die Hälfte der Unternehmen erst seit dem Jahr 2000 gegründet wurde. Daraus ergibt sich ein deutliches Potential, das noch ausbaufähig ist. Ein wirtschaftspolitischer Schwerpunkt der Stadt und der Wirtschaftsförderung liegt deshalb auf der Betreuung und Förderung der Kreativwirtschaft. Mutige und kreative Köpfe finden bei Bedarf versierte Ansprechpartner bei unserer Wirtschaftförderung und können nach Prüfung der Konzepte ihre Ideen auf dem Kreativmarkt umsetzen.

GRIP: Welche Möglichkeiten zu einer aktiven Förderung stehen einer Kommune wie Frankfurt überhaupt für das Kreativitätscluster zur Verfügung?

Frank: Wer ein Unternehmen gründen will, braucht auf dem Weg zum Erfolg nicht nur ein gutes Konzept, Mut und Engagement. Auf der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten für gute Geschäftsideen müssen Existenzgründer häufig bei vielen Banken vorstellig werden – ein Prozess, den wir abkürzen möchten. Deshalb wird es künftig eine zentrale Stelle geben, zu der die Gründer gehen können. Diese überprüft den Kreditantrag, das Konzept und den Businessplan. Sechs Gründerbanken haben ihre Beteiligung an dem Frankfurter Gründerfonds signalisiert. Zusammen mit einem ergänzenden Konzept zu bestehenden Bundes- und Landesförderprogrammen soll damit der Zugang zur Finanzierung von Kreditsummen zwischen 2.500 und 50.000 Euro dann für Erstgründungen in Frankfurt erleichtert werden. Außerdem steht die Wirtschaftsförderung Frankfurt als eine Art „Wegweiser“ für Gründer und junge Unternehmen zur Verfügung. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten Einstiegsberatungen und helfen als Netzwerk-Kontaktleitstelle den Ratsuchenden weiter. Dazu gehören auch die Gründungsberatung und mögliche Gründungsfinanzierung.

GRIP: Welche weiteren Maßnahmen der Förderung dürfen wir noch für die Zukunft erwarten?

Frank: Für Gründer im zweiten oder dritten Jahr werden wir spezielle Beratungsangebote entwickeln. Ziel ist, dass innerhalb dieses Zeitrahmens aus den jungen Unternehmen eine Marke mit hohem Wiedererkennungswert wird. Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zahlt sich dafür ein von Anfang an überzeugendes Firmenkonzept auch ökonomisch erfolgreich aus. Netzwerke spielen selbstverständlich ebenfalls ein wichtige Rolle.

GRIP: Wo sehen Sie Frankfurt im Wettbewerb mit anderen Kreativstandorten in Deutschland und Europa?

Frank: Frankfurt vereint viele Attribute. Unsere Stadt ist multikultureller Messestandort, ist Bankenstadt, Sportstadt, Stadt der Kulturbranche und touristischer Anziehungspunkt für internationale Gäste. Allein das sind wichtige Beispiele aus der sich bietenden Branchenvielfalt. Denken Sie außerdem an die guten infrastrukturellen Angebote: von den hervorragenden Verkehrsanbindungen bis hin zu schnellen Datenleitungen. Das alles zusammen macht die Mainmetropole für Unternehmensansiedlungen, aber auch für Arbeitskräfte besonders attraktiv. Das gilt für kreative Menschen aus allen Branchen.

Kategorie: Interview

Schlagworte: Politiker*in, Filmpolitik, Wirtschaftsförderung, Filmwirtschaft

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