GRIP 42

5/1/2010

Damit das Kino noch eine Zukunft hat

Die aktuellen Herausforderungen erfordern neue Wege der Förderung

Von Erwin Heberling

„Die eigentliche Rechtfertigung, dass es überhaupt noch Kinos gibt, ist, dass wir immer weniger öffentliche Räume haben, in denen sich Leute treffen, wo es Gemeinschaftserlebnisse gibt und man sich austauscht," wie es Altmeister Volker Schlöndorff beim Bundeskongress der Kommunalen Kinos 2008 formulierte.

Schlöndorff, der damit eine generelle gesellschaftliche Entwicklung anspricht, plädiert für eine Neupositionierung des Kinos und seiner sozialen wie kulturellen Bedeutung und stößt in der engagierten Kinoszene damit auf offene Ohren. Beim Kino der Zukunft geht es um mehr als nur um technische Fragen wie die anstehende Umrüstung auf digitale Projektion, auch wenn dieses Thema zurecht derzeit ganz oben auf der aktuellen politischen Agenda steht. Programmkinos und kommunale Filmtheater, aber auch die kleineren Betriebe vor allem auf dem Lande benötigen Fördermodelle, die speziell auf ihre Belange abgestimmt sind, damit im Zuge der Digitalisierung am Schluß nicht nur die finanzstarken Kinobetreiber übrigbleiben.

Das Film- und Kinobüro Hessen hat auf diese Herausforderungen reagiert und schon vor zwei Jahren zusammen mit seinen Kinomitgliedern ein zukunftsweisendes „Acht-Punkte-Programm" beschlossen, das sich an die Landespolitik richtet und für neue Schwerpunkte bei der Kinoförderung in Hessen plädiert. Allen Punkten gemein ist die Überzeugung, dass sich die Kinos zu lebendigen, vielseitigen Kulturorten weiterentwickeln müssen, in denen statt eines vorgefertigten, austauschbaren Wochenprogramms die Handschrift der Kinomacher mit einem klaren kulturellen Profil zu erkennen ist. Um diesen Weg zu beschreiten, sind professionelle Beratungen einzelner Kinos und darauf aufbauende Maßnahmen für ein zeitgemäßes Marketing dringend erforderlich. Die Filmförderung in Berlin-Bandenburg hat es vorgemacht und im August 2009 ein Förderprogramm für innovative Marketingmaßnahmen aufgelegt.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Erweiterung der Hessischen Kinopreise, um auch die engagierten Kinos auf dem Lande zu würdigen und zu fördern. Solche Preiskonzeptionen sind in anderen Bundesländern längst Realität wie auch Förderprogramme zur erwähnten Digitalisierung, die nur dann flächendeckend vonstatten gehen kann, wenn sich auch die Länder in nennenswertem Maße an der Finanzierung beteiligen.

* Erwin Heberling ist Leiter des Film- und Kinobüros Hessen

Kategorie: Gastbeitrag (ehemals Selbstdarstellungen von institutioneneigenen Mitarbeitern / ab GRIP 63)

Schlagworte: Kulturförderung, Kino, Filmkultur, Institution

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