GRIP 42

5/1/2010

Auf Wissen und Kreativität bauen

Um im Wettbewerb der Metropolregionen zu bestehen, sind beständige Anstrengungen nötig

Von Reinhard Fröhlich

Wissen und Kreativität sind für moderne Standorte zweifelsfrei die wesentlichen Wachstumstreiber. Ohne diese beiden Faktoren gerät die Wirtschaft schnell ins Stocken. Die Kreativwirtschaft in Frankfurt und Rhein-Main erzielt jährlich Umsätze in Höhe von rund 16 Milliarden Euro. Grob beziffert, sind 40.000 IHK-Mitgliedsunternehmen der Kreativbranche in der Region Arbeitgeber für 85.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Rechnet man die freien Mitarbeiter hinzu, fällt die Zahl der insgesamt im Kreativsektor Tätigen mit rund 180.000 Beschäftigten um einiges höher aus. Mit Blick auf diese Daten wird schnell klar: Die Metropolregion Frankfurt-Rhein-Main hat viel Potenzial und kreative Kräfte aufzuweisen, die die Region und ihre Wirtschaft stärken.

Zahlreiche Events und Netzwerkveranstaltungen wie der ADC-Gipfel im Mai und der von der IHK Frankfurt unterstützte Medienmittwoch tragen dazu bei, dass die Branche Kontakte knüpft und Erfahrungen austauscht. Internationale Messen wie die Frankfurter Buchmesse, die Musikmesse oder die Weltleitmesse Light + Building zeugen von der Innovationskraft und der Dynamik des hiesigen Medienstandorts. Doch nicht nur die Branchenexperten, die die Region anzieht, profitieren von der kreativen Vielfalt. Auch die Region selbst zieht einen bedeutenden Gewinn aus ihrem kreativen Milieu und dem damit verbundenen guten Image, das wesentlich zur weiteren Profilierung des Standorts beiträgt.

Um das Wachstumspotential der Kreativbranche in den kommenden Jahren weiterhin auszubauen, sind moderne Strategien und Konzepte notwendig, die das Image von Frankfurt-Rhein-Main als Standort für kreative Köpfe noch weiter verbessern. Hier sind Wirtschaft und Politik gemeinsam gefordert, Handlungsfelder pragmatisch und unbürokratisch anzugehen, um einen größt- und schnellstmöglichen Branchen-Effekt zu erzielen. Zahlreiche Akteure, darunter die Stadt Frankfurt, haben sich diesem Vorsatz verschrieben. Das Gründerhaus Kreativwirtschaft „Main-Raum“, das seit Anfang 2010 jungen Unternehmern und Gründern aus den Bereichen Games, Film, Musik sowie Design ein Schaffenszentrum zu guten Konditionen bietet, ist ein wichtiger Schritt, die Kräfte der Branche zu bündeln und jungen Existenzgründern eine tragfähige Basis in die Selbstständigkeit zu verschaffen.

Da keiner die Branchenbedürfnisse besser kennt als die Kreativen selbst, haben die Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main und das IHK-Forum Rhein-Main im vergangenen Jahr eine zweitägige Zukunftsklausur durchgeführt. Im Zentrum der Fachtagung mit 40 Experten stand die Erarbeitung von Strategien zur Mobilisierung der bereits vorhandenen kreativen Kräfte und zur Entwicklung von Potentialen, um in Frankfurt-Rhein-Main eine internationale Anziehungskraft für Kreative zu entfalten. Will Frankfurt-Rhein-Main künftig in der ersten Liga der Kreativstandorte mitspielen, so ist eine noch intensivere Förderung und Finanzierung kreativer Ideen notwendig. Aber auch in den Bereichen Vernetzung und Bildung besteht Handlungsbedarf, um die Attraktivität der Region im Wettbewerb der Metropolen um die kreativen Köpfe zu erhöhen.

* Reinhard Fröhlich ist Referent der Industrie- und Handelskammer Frankfurt (IHK)

Kategorie: Gastbeitrag (ehemals Selbstdarstellungen von institutioneneigenen Mitarbeitern / ab GRIP 63)

Schlagworte: Wirtschaftsförderung, Filmwirtschaft, Institution

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