GRIP 27
8/1/2002
Loch im Topf
Verunsicherung in der Hessischen Filmförderung: Durch die zeitweilige Hauhaltssperre sind monatelang keine Fördermittel ausgezahlt worden.
Von Daniel Güthert
"Der August-Termin steht auf alle Fälle!" Allen, die verunsichert bei Maria Wismeth, der Geschäftsführerin der Hessischen Filmförderung anrufen, macht sie Mut. MIt Macht - zumindest verbal - stemmt sie sich gegen die Unruhe, die durch die Haushaltssperre der hessischen Landesregierung unlängst ausgelöst worden ist. Zumindest rät sie, neue Projekte in jedem Fall für den Einreichtermin im August vorzulegen. Aber mehr als gute Worte hat sie der Filmszene, die seit Monaten auf die Auszahlung der von der Hessischen Filmförderung zugesagten Gelder wartet, letztendlich denn doch nicht zu bieten. "Ich weiß selbst auch nicht, wie es weitergeht. Man muß abwarten."
Auch Anfragen beim Ministerium für Wissenschaft und Kunst bringen hierzu nicht viel mehr Klarheit. so ist Ende Juli von der Sprecherin des Hauses, Frau Maske-Demand, kaum mehr zu erfahren, als "daß sich die Ministerin mit Nachdruck dafür einsetzt, den Kulturbetrieb und vor allem die Filmförderung von Kürzungen zu verschonen". Insofern halte Frau Maske-Demand die Sorgen der Filmbranche in dem Zusammenhang für völlig unnötig. Gleichwohl können aber keine Mittelfreigaben erfolgen, solange nicht das Sparvolumen der Haushalte im einzelnen von den Fachleuten errechnet sei. Und dies könne noch einige Zeit in Anspruch nehmen: "Frühestens Mitte August, eher Ende August rechne ich da mit Entscheidungen."
Also dürfen sich derweil die Filmemacher, Autoren, und Festivalleiter weiter in Geduld üben und hoffen, daß die Mittelzusagen, die sie im April seitens der Hessischen Filmförderung bekommen haben, auch durch einen ministeriellen Bewilligungsbescheid bestätigt werden. Denn erst durch diesen Bescheid ist die Mittelzusage rechtsverbindlich und damit auch zahlungswirksam. So sind von den 500.000 Euro, die in der März-Sitzung jüriert worden sind, lediglich 150.000 Euro tatsächlich bewilligt und ausgezahlt worden. Der Rest ist aufgrund der Haushaltssperre seither zurückgehalten worden. Mit fatalen Folgen für die Betroffenen. "Wir schlittern derzeit an der Insolvenz entlang", so die nüchterne Bilanz - Mitte Juli - von Thomas Draschan, dem Geschäftsführer des Film- und Kinobüros Hessen. "Seit Monaten warten wir auf die zugesagten Projektgelder. Aus diesen Zuwendungen müssen wir schließlich nicht nur die Projekte, sondern auch das Büro und die Mitarbeiter finanzieren." Betroffen seien gerade auch Kulturaufgaben, die ohnehin wirtschaftlich einen schweren Stand hätten wie das Kinderkino. Seit April stehen 25.000 Euro für den Abspielring des Kinderkinos aus. "Die Arbeit kann unter den gegenwärtigen Umständen nicht fortgesetzt werden."
Entsetzt über die Entwicklung ist auch Klaus Gietinger, renommierter Frankfurter Regisseur und Autor. Ihm ist im April eine Drehbuchförderung zugesagt worden. Seitdem ist er am Schreiben und hat andere Projekte deswegen zurückgestellt. Doppelt ärgerlich sei dabei auch die Informationspolitik der Hessischen Filmförderung. Denn nicht nur, daß die Mittel nicht ausgezahlt werden, es werden die Betroffenen noch nicht einmal offiziell über die Haushaltslage in Kenntnis gesetzt. "Ich habe von der Haushaltssperre erst Anfang Juli aus der Zeitung erfahren." Ansonsten sei er regelmäßig vertröstet worden - ohne nähere Angaben. Daran hat auch sein Protestschreiben an die Ministerin Ruth Wagner vom 8. Juli nichts geändert. Eine offizielle Antwort ist ihm auch in den Wochen darauf nicht zugegangen.
Sicherlich tragen derlei Umstände nicht zur Planungssicherheit bei - egal ob sich um Projektförderungen, Drehbuch- oder Abspielmaßnahmen handelt. "Wie sollen wir drei Wochen vor Beginn unseres Festivals vernünftig arbeiten können, wenn nicht klar ist, ob und wann wir unsere eigentlich bewilligten Gelder bekommen?" 30.000 Euro erwartet Andreas Heidenreich, Leiter des Openair-Filmfests in Weiterstadt, das seit 26 Jahren im August den Cineasten und Filmfreunden interessante neue Werke unterschiedlicher Genres und Kulturkreise jenseits des Mainstreams vorstellt. So bleibt ihm vorerst nichts anderes übrig, als Zahlungsverpflichtungen soweit wie möglich hinauszuschieben. Dabei hilft, wie Heidenreich sagt, die teils langjährige, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit vielen Firmen und Partnern.
Mit finanziellen Einschnitten rechne er im Grunde zwar nicht, aber das Verfahren an sich sei schon ziemlich fragwürdig. "Was nützen die Zusagen, wenn sie keine Rechtsverbindlichkeit einschließen?" Mehrfach sei vom Filmbüro Hessen in der Vergangenheit gefordert worden, Festivals in einem Zwei-Jahre-Rhythmus zu jürieren, so daß die Mittel rechtzeitig abgerufen werden könnten. "Wie müssen doch mindestens ein halbes Jahr im voraus Programme und Werbematerialien produzieren und vieles mehr. Solche Modalitäten müßte doch auch haushaltstechnisch zu regeln sein." Zunächst aber wird hier wie dort von den Machern improvisiert werden müssen. Mehr ist angesichts der Lage nicht möglich. Denn Genaueres weiß niemand. Insoweit deckt sich darin die Auskunft des Ministeriums mit der des Hessischen Filmbüros: "Wir prüfen. Mehr kann ich dazu im Moment nicht sagen, " so Sprecherin Maske-Demand. Nicht eben viel, wenn man, wie die Betroffenen, auf zugesagte Mittel wartet. Aber vielleicht veranlaßt diese Erfahrung die Hessische Filmförderung, Verfahrensabläufe in diesem Punkt einmal grundlegend zu überdenken.
* Kurz vor Redaktionsschluss stand fest: Die Gelder werden ausbezahlt.
Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)
Schlagworte: Filmförderung, Filmpolitik, Kulturförderung, Institution
