GRIP 27

8/1/2002

Filme für Europa – Förderungen und Kooperationen

Beim Mai Jour fixe im Filmhaus stellten Experten Perspektiven des europäischen Filmes vor

Von Corinna Appel

Bereits seit einiger Zeit wird intensiv nach Mitteln und Wegen gesucht, die Chancen des europäischen Kinofilms am heimischen Markt zu verbessern und den Export anzukurbeln. Gleichzeitig hat sich bereits ein europäischer TV-Filmmarkt entwickelt, auf dem unterschiedliche Genres, fiktionale Programme und Dokumentarfilme gut akzeptiert werden. Die audiovisuelle Industrie ist - neben ihrer kulturellen Relevanz - ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Europa. Das bestätigte uneingeschränkt die auch die Fachrunde, die im Filmhaus Frankfurt über Rechte, Förderungen und Kooperationen des europäischen Filmes diskutierte.

Interessant hörten sich die Informationen von Cornelia Hammelmann (Media Desk, Hamburg) an: Das neue Programm der europäischen Union, Media III (2001-2005) fördert verstärkt im audiovisuellen Bereich und macht dafür 400 Millionen Euro locker. Das sind immerhin 30 Prozent mehr als beim Vorgängerprogramm Media II. Und die Gelder müssen nicht zurück gezahlt werden, wie Hammelmann betonte. Aber noch etwas ist beachtlich: MEDIA greift bereits im Vorfeld der Produktion ein, indem es die Fortbildung von Fachkräften sowie die Entwicklung von Projekten mit finanziert. Außerdem unterstütze das Programm den Vertrieb und die Promotion von europäischen Werken. 50 Millionen Euro entfallen auf die Weiterbildung. Das restliche Geld kann für alle Bereiche filmischen Schaffens beantragt werden. Für einen Dokumentarfilm können bis zu 30.000 Euro fließen, für einen Spielfilm bis zu 50.000 Euro. Es werden allerdings höchstens 50 Prozent der Gesamtsumme aus dem Fördertopf finanziert. Ein Wermutstropfen: die Anfänger unter den Autoren und Produzenten bekommen kein Geld. Man muss also zunächst etwas vorweisen können, bevor man hier anklopfen darf.

„Der europäische Anteil an Filmen ist wieder ansteigend“, stellte Cornelia Hammelmann fest. Trotz der Präsenz des amerikanischen Films sehe die Zukunftsperspektive für Europa recht gut aus – besonders für Dokumentationen und so genannte „leichte Inhalte“. Dem stimmten Kristina Hollstein (ZDF Enterprises) und Donald Jenichen vom ZDF zu. Gerade im Dokumentarbereich werde oft international koproduziert. Vor allem mit den britischen Channel 4 und Channel 5 sowie dem History Channel, Arts & Entertainment und dem Discovery Channel arbeite das ZDF regelmäßig zusammen, wie Hollstein ausführte. In diesem Zusammenhang falle auf, so Jenichen, dass deutsche Produzenten sich selten um internationale Partner bemühten, was beispielsweise in Frankreich gang und gäbe sei. Die Koproduktionen mit den ausländischen Sendern umfasse sogar die gemeinsame Abstimmung bei Exposé, Treatment oder Drehbuch – setze also schon in einer sehr frühen Phase der Herstellung ein. Daran schließe sich eine intensive konzeptionelle Phase an.

Aufwendig und teuer werden solche Produktionen, da mit unterschiedlichen Sendefassungen – abhängig von den jeweiligen Programmfenstern der Sender - gearbeitet werde. In Deutschland haben Dokumentarfilme üblicherweise eine Länge von 30 oder 45 Minuten. Im Ausland sind es vielfach 52 Minuten plus X. Hinzu kommen Übersetzungen sowie unterschiedliche Bildangebote.

Bei den Produktionen orientiert sich das ZDF an dem, was international funktioniert. Immerhin will der Sender möglichst sicher gehen, dass die Investitionen wieder zurückfließen und dazu gehören Filme ohne länderspezifische Inhalte. Eigenwillige Arbeiten, die etwa in der Reihe „Das kleine Fernsehspiel“ entstehen, seien hierfür weniger geeignet.

Jenichen bekräftigte, dass im Dokumentarbereich gerade die Themen interessant seien, die quasi vor der Haustür lägen. So sind derzeit im Naturfilmbereich 13 Halbstünder für insgesamt 18 Millionen Mark in Arbeit. Über die Buch- und Videoverwertung sowie das Merchandising hofft man, das Geld wieder herein zu holen. Ein Buchverlag steigt bei diesem Projekt mit ein.

Festgestellt wurde einhellig, dass die Filmindustrie in Deutschland und Europa das Marketing vernachlässige, wenn man den Vergleich mit Amerika heranzieht: denn dort fließen sage und schreibe über 50 Prozent eines Filmbudgets in die anschließende Vermarktung. Hier hat nun auch das MEDIA-Programm reagiert. Der Topf für den Vertrieb ist inzwischen größer als der Förderanteil für die Entwicklung von Projekten.

In Europa werden jährlich etwa 400 Filme produziert, so Hammelmann, „aber es gibt aufgrund des schlechten Marketings keine angemessene gegenseitige Kenntnisnahme, der europäische Film wird in den eigenen Ländern zur wenig beachtet“. Dies sei in den USA undenkbar. Hier laufen auf den Sendern zu 98 Prozent einheimische Filme.

Eine Vorgabe, wie Moderator Dieter Brockmeyer (Medienfachjournalist, Frankfurt) am Schluss der Runde befand, die eine beachtliche Meßlatte für den europäischen Film darstelle und wohl sobald denn doch nicht zu erreichen sei.

In Kasten darunter:
Nähere Informationen: Media Desk Hamburg, Telefon: (040) 390 6585, www.mediadesk.de.

Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)

Schlagworte: Filmhaus Frankfurt, Filmpolitik, Filmkultur, Institution

Artikel im PDF aufrufen