GRIP 27
8/1/2002
Bewegliche Institution
Ein Porträt der Firma MBF
Von Ralph Förg
Unverkennbar und nicht wegzudenken aus dem Straßenbild der Rhein-Main-Region die Lastwagen mit dem leuchtenden Firmen Logo der MBF. Der Eingeweihte weiß: hier wird gedreht. „Ein Fall für Zwei“. Eine neue Serie. Vielleicht auch ein Tatort. Denn die MBF (Mobiler Bühnen- und Filmlichtverleih) hat sich einen Namen gemacht als Provider für Filmtechnik, Kamera, Bühne, Licht mit hohem technischen Standard und professionellen Mitarbeitern für alle Aufgaben, die im Film- und Medienbereich anfallen.
Gegründet wurde die heutige Gesellschaft schon vor 20 Jahren. Die fünf Gesellschafter, Hans Hager, Uwe Heller, Peter Matthäi, Michael Schäfer, Peter Schulz, hatten sich damals als Beleuchter, Elektriker und Kameraassistent auf dem Set des Kinofilms „Kassensturz“ kennengelernt. Im Dezember 1982 beschloss man mit dem ersten Auftrag für das kleine Fernsehspiel im ZDF „Der fliegende Robert“ und teils eigenem, teils privat geliehenem Geld (wer gibt schon „Jungunternehmern“ Geld?), sich Lkw und Lichtequipment zuzulegen und die eigene Firma zu starten. Firmensitz war zunächst der Schreibtisch eines Gesellschafters. Bald darauf wurde mit anderen Frankfurter Filmern ein Hinterhofgelände in Bockenheim bezogen. Hier wurden die ersten Produktionen ausgerüstet, Kabel geschraubt und mit dem ersten Geld gleich wieder neues Material gekauft.
Und was zunächst keiner vermutete: das Telefon klingelte und zu der noch jungen Filmszene kamen die ersten Videoproduktionen und die Werbung als Kunden dazu. Bald schon wurden die Räumlichkeiten zu eng, und gemeinsam mit dem Filmbauhaus bezog man 1987 im beschaulichen Frankfurter Stadtteil Griesheim neue Räume. Die Auftragslage: hervorragend, die Szene: im Trend. So wuchs bis Anfang der 90er Jahre mit dem Aufschwung des Spielfilms, des Werbefilms und der Industriefilmproduktion die Firma MBF heran. Schon 1988 gründete man zusätzlich zu den angestammten Bereichen Licht und Bühne, in denen man sich zunehmend spezialisiert hatte, eine eigene Kameraabteilung. Zunächst mit Videokameras – Betacam war gerade neu – erschloß man sich einen neuen Markt. Zug um Zug kamen mit 16 und 35 mm auch die Filmkameras dazu.
Oft wurden mehrere Serien gleichzeitig ausgerüstet. - „Diese Drombuschs“ „Lauter nette Nachbarn“, „Ein Fall für Zwei“, „Schwarz greift ein“, „Die Kommissarin“, „Faust“, um nur einige zu nennen - und unzählige Fernsehspiele lösten sich ab. Nebenbei wurden noch kurzfristig angesetzte Werbeproduktionen mit immer aufwendigerem Equipment bedient.
Auch der Personalbedarf wuchs. Einen Ausbildungsberuf „Oberbeleuchter“, „Beleuchter“ oder „Dollyfahrer“ gab es nicht. Aus der beiläufigen Einführung technisch versierter Freunde und Bekannte, zu heute hochspezialisierten Fachkräften, entwickelte sich ein klar strukturierter Ausbildungsplan für Praktikanten. Inzwischen ist dies für viele der Einstieg in die Filmszene. Bis zu 50 freie Mitarbeiter in den Bereichen Beleuchtung, Bühne, Video- und Kameraassistenten sind in den Hochzeiten mit MBF Material unterwegs. Mit dem Gesellschafter Uwe Heller als Elektro- und Beleuchtungsmeister ist aber auch die Voraussetzung für eine klassische Lehre gegeben. Gerade hat wieder ein Auszubildender seine Lehre als Veranstaltungstechniker abgeschlossen..
Neben immer mehr Material und Personal wurden an die Verwaltung respektive Logistik immer größere Ansprüche gestellt. Drei der Gesellschafter und 17 weitere Angestellte sind inzwischen ständig im Haus MBF beschäftigt. Das dabei kein Elfenbeinturm mit klassischer Hierarchiestruktur entstand, war den 5 Gesellschaftern wichtig. Die langen Jahre am Set haben geprägt, Teamstruktur und der Wunsch möglichst nah am Kunden zu sein, stehen im Vordergrund. Auf die Qualität, Teamgeist und Motivation der Mitarbeiter ist MBF daher auch besonders stolz. Natürlich haben auch die vielen freien Mitarbeiter nicht unwesentlich zum Erfolg des Unternehmens beigetragen: „Die Beleuchter und Kameraassistenten am Set wissen natürlich am besten wo Probleme auftreten können und deren Wünsche und Erfahrungen sind für uns sowohl Meßlatte wie Kapital. Der Test von Neugeräten, Detailverbesserungen und die Entwicklung eigener Produkte gehören genauso zu unserem Service am Kunden, wie Wartung und Pflege der Geräte. Wir möchten immer und überall unsere Kunden zufriedenstellen und genau das richtige Equipment in der genau gewünschten Anzahl zur Verfügung stellen“, legt Gesellschafter und Geschäftsführer Peter Matthäi dar.
Schon früh setzte man auf Computer. Die Entwicklung einer eigenen Software für das Verleihwesen mit einer schwäbischen Software – Schmiede war wiederum ein Novum in der Branche. „Wir können jederzeit sagen wo unser Material war, gerade ist, bzw. in der Zukunft sein wird und welches wir noch zur Verfügung haben.“ stellt Peter Matthäi stolz fest. Dies gilt nicht nur für Frankfurt, sondern bundesweit. Inzwischen wird das Programm auch bei anderen großen Verleihhäusern eingesetzt.
Mit all den Veränderungen wuchs auch der Raumbedarf, so dass man einen neuen Firmensitz, verkehrsgünstig und zentral gelegen, wählte. Die Westerbacher Straße in Ffm-Rödelheim wurde zum neuen Hauptquartier und bietet bis heute der Crew, dem umfangreich gewordenen Equipment und dem bereits erwähnten Fuhrpark aus Lastwagen und mobilen Stromaggregaten genügend Raum. Vorläufig. Denn gerade wurde erst wieder die Kameraabteilung um neue Test- und Lagerräume erweitert.
Längst hat die Firma MBF Filialen in weiteren Bundesländern gegründet. Einerseits weil Partnerfirmen in Hamburg, Berlin oder Leipzig produzieren und die persönlich-fachlichen Leistungen von MBF auch dort in Anspruch nehmen wollen. Andererseits aber auch, weil das Auftragsvolumen des Rhein-Main-Gebietes und der auftraggebenden Filmproduktionen im Kino und TV-Bereich sich aus den Filmförderungen der Nachbarländer speist. Ein gravierender Standortnachteil im heimatlichen Hessen, der doppelt ärgerlich ist, weil doppelt wirksam. Auswärtige Produktionsfirmen, die in Hessen drehen, müssen oft genug Gerät und Personal außerhalb Hessens buchen und verrechnen, wenn sie Förderungen anderer Bundesländer in Anspruch nehmen wollen. Bekanntlich gehört Hessen nicht zu den Hochburgen filmwirtschaftlicher Förderpolitik. Die kulturelle Filmförderung in Hessen wiederum und auch die unendlich lange vermisste, mittlerweile angelaufene wirtschaftliche Förderung, schaffen es nach wie vor nicht, ein Auftragsvolumen für heimische Produktion zu generieren, das MBF als Dienstleister in Stand setzen würde, die Firmengeschäfte optimal im Fluß zu halten. Dies merkt nicht nur MBF allein. Produktionsfirmen, aber auch technisches und künstlerisches Potential wanderten die letzten Jahre mehr und mehr ab. Und so passierte es nur allzu oft, dass studentische Projekte – von MBF unterstützt – bei erfolgreichem Start in andere Gefilde abwanderten und fortan andere Dienstleister nutzen mussten, um in den Genuss der großen Länderförderungen zu kommen. Andere Bundesländer hatten längst nachgerüstet und damit weiteres Potential entzogen, als endlich auch Hessen, wenn auch zögerlich, reagierte.
Trotzdem und entgegen der mängelbehafteten hessischen Förderung staatlicherseits trägt MBF seit Jahren erheblich dazu bei, die Szene und die Branche des Rhein-Main-Gebietes zusammenzubringen und zusammen zu halten. Kaum ein Filmfestival, das sich nicht der Unterstützung erfreute, kaum ein Jungfilmer oder eine Jungfilmerin, die nicht durch MBF gefeatured wären, kaum ein Nachwuchsprojekt, dem technische Hilfeleistung oder professioneller Rat vorenthalten worden wäre. Es gehört zur Firmenphilosophie, den Nachwuchs innerhalb der eigenen Abteilungen durch solide Ausbildung über das Normalmass hinaus zu professionalisieren. Es gehört aber auch dazu, der Szene insgesamt Unterstützung zu gewähren. Mag darin der Grund liegen, weshalb so viele junge Menschen mit Freude hand anlegen oder dabei zuschauen, wenn wieder einer der bekannten MBF-Laster in den Strassen Frankfurts verkündet: hier wird gedreht.
Besuchen sie MBF in der Westerbachstraße oder die Homepage!
www.mbf.de
Kategorie: Firmenportrait (GRIP FACE)
Schlagworte: Filmtechnik, TV/Rundfunk, Dreharbeiten
