Filmland Hessen 2 / 2013

11/1/2013

Filmkultur lebendig halten

Deutsches Filminstitut - DIF erhält Kinorechte an Klassikern aus dem Kirch-Erbe

Von Daniel Güthert

Einen Coup möchte die Direktorin des Deutschen Filminstituts Claudia Dillmann den unlängst erfolgten Vertragsabschluss mit der Kineos GmbH nicht nennen - eher einen Glücksfall. Durch die Vereinbarung mit Kineos, einer der Auffanggesellschaften für die in Insolvenz geratene Kirch-Gruppe, sind dem DIF die exklusiven Kinorechte für die deutschsprachigen Länder - außer Österreich - an knapp 4.500 Filmtitel aus dem ehemaligen Kirch-Filmstock zugefallen, einer Filmlibrary, die Leo Kirch nach dem Kriege aufgebaut hat und die jede Menge Juwelen der Filmhistorie enthält. 

Alle Regiegrößen des klassischen Hollywood-Studiobetriebs sind darin vertreten: Howard Hawks mit „Leoparden küßt man nicht" (1938), Alfred Hitchcock mit „Foreign Correspondent" (1940), Fred Zinnemann („High Noon") bis hin zu Orson Welles mit seinem legendären „Citizen Kane" (1941). Auch Meisterwerke des italienischen Neorealismus etwa finden sich darunter wie beispielsweise „Rom, offene Stadt" von Roberto Rossellini (1945) oder Federico Fellinis „La Strada" (1954) mit der unvergesslichen Giulietta Masina. Und nicht zuletzt sichert das Abkommen dem DIF den Zugriff auf unzählige Klassiker der deutschen Filmgeschichte wie dem damaligen Skandalfilm „Die Sünderin" (1950) mit Hildegard Knef (Regie: Willi Forst) oder das noch heute bis ins Mark erschütternde Kriegsdrama „Die Brücke"(1959) von Bernard Wicki. 

Für Claudia Dillmann ist diese Kooperationsvereinbarung, die auch die sukzessive Digitalisierung dieser unschätzbaren Kinopretiosen mit einschließt, „ein kaum zu ermessener Schritt, das Filmerbe in seiner ganzen Breite für die Leinwand lebendig zu halten". Damit kann das DIF, das seinen Sitz in Frankfurt und Wiesbaden hat, seine herausragende Stellung als nationales Filmgedächtnis ausbauen, um den ihm zugeschriebenen Kulturauftrag, Filmhistorie zu bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, auch künftig zu erfüllen. Dabei treibt die DIF-Direktorin vor allem die Sorge um die künftigen Abspielmöglichkeiten um. Die Frage der Digitalisierung wird eine der zentralen Herausforderungen sein, will man auch morgen noch die Schlüsselwerke der Filmkunst auf der Leinwand sehen. 

Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)

Schlagworte: Institution, Filmkultur, Filmtheorie/Filmwissenschaft, Filmwirtschaft, Spielfilm, Verleih

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