Filmland Hessen 2 / 2013

11/1/2013

Du sollst dir ein Bildnis machen

Erstmals fand in Frankfurt die „Biennale des bewegten Bildes" statt

Von Daniel Güthert

Der Anspruch war gewaltig. Nicht weniger als die Eroberung eines Kontinents, eines ganzen Kosmos war das Ziel. Fünf Tage komplett im Zeichen der digitalen Bilderwelt - in ihrer ganzen Buntheit, Faszination, Vielfalt und Innovationskraft. Nichts, möchte man meinen, was es nicht gegeben hätte bei dem Festival „Biennale des bewegten Bildes B3", das am 30.Oktober erstmals in Frankfurt und Rhein-Main an den Start gegangen ist und unter dem Motto „Expanded Narration - Das neue Erzählen" stand. Die Idee war zu zeigen, wie sich unter dem Einfluss medialer Gestaltungsmuster neue erzählerische Prinzipien und ästhetische Kategorien herausbilden. 

Der Boom und die Allgegenwärtigkeit des bewegten Bildes lieferten, programmatisch gesehen, den Ausgangspunkt für das Festivalkonzept, wie Bernd Kracke, Biennale-Leiter und Präsident der Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) erklärte. Aufgeboten wurde ein Mammutpensum. Weit mehr als 100 Einzelveranstaltungen, verteilt auf 25 Aufführungsorte (Kinos, Galerien, Museen, Hochschulen, Kirchen), vermochten eindrucksvoll zu veranschaulichen, welchen bahnbrechenden Siegeszug das Bewegtbild angetreten hat, das längst über Film, Fernsehen oder Internet hinausreicht bis hin zu Kunst, Design, Werbung und Kommunikation, von Games- sowie App-Anwendungen ganz zu schweigen. 

So konnte, wer wollte, auf den Spuren Rainer Werner Fassbinders wandeln (die Ausstellung im Filmmuseum läuft noch bis Juni 2014) oder im Museum für Kommunikation die Eigenart von Handyfilmen bestaunen. Oder man ließ sich im Atelier Frankfurt auf die multimediale Installation des Iren Richard Mosse („The Enclave") ein. In einer Kirche hatte man die Chance, in die Welt von 360-Grad-Kuppelfilmen einzutauchen. Von Rhianna Pratchett, der Starautorin der Gamesbranche, konnten die Besucher Einzelheiten zum Storytelling von Video-Spielen erfahren. Auch eine amüsante Kino-App („Cinemacity") wurde vorgestellt und vieles mehr. 

Darüber hinaus suchte die Biennale den Dialog mit dem Nachwuchs, mit Studierenden und Schülern in der Reihe „Campus". Pitchings, Workshops, Meisterklassen, Vorträge standen auf dem Programm, unter anderem mit dem amerikanischen Theaterguru Robert Wilson. Den Höhepunkt bildete schließlich die Vergabe des Biennale-Ehrenpreises an die große Performance- Künstlerin Laurie Anderson, die für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wurde. 

Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)

Schlagworte: Festival, Filmkultur, Webformat, Nachwuchs, Auszeichnung

Artikel im PDF aufrufen