GRIP 71

07.07.2025

Talentförderung auf schwankendem Boden

Die Förderung für den Nachwuchsfilm im neuen Filmfördergesetz (FFG) weckt Hoffnungen. Ein Workshop beim 5. Kongress Zukunft Deutscher Film im Rahmen des LICHTER Filmfests versuchte eine Standortbeschreibung.

Von Harald Zander

Zehn Jahre hat Laura Laabs an ihrem Spielfilm „Rote Sterne überm Feld“ gearbeitet, der dieses Jahr den Max-Ophüls-Preis der Filmkritik erhielt. Der größte Wunsch der Regisseurin: Die Fertigstellung des nächsten Films möge nicht wieder zehn Jahre beanspruchen. Dass junge Talente für den ersten oder zweiten Film sehr lange brauchen, ist im deutschen Film leider keine Ausnahme. Wie die zukünftige Talentförderung im neuen FFG aussehen soll, war daher Thema eines Workshops beim LICHTER Filmfest. In vielem waren sich die Teilnehmenden sofort einig. Sie forderten mehr Planungssicherheit, mehr Nachhaltigkeit in der Filmproduktion und eine Entbürokratisierung und Beschleunigung der Prozesse. Das tut den Filmen gut, das tut der Branche gut.
Und da gibt es im neuen Filmfördergesetz (FFG) durchaus positive Ansätze. Die Bundesförderung des Talentfilms liegt jetzt beim im Wiesbaden ansässigen Kuratorium junger deutscher Film. Unterstützt werden erste und zweite Filme von Hochschulabsolventen oder Quereinsteigern ohne Altersbeschränkung.
Alfred Holighaus, Geschäftsführer des Kuratoriums, wies jedoch darauf hin, dass nach dem Aus der Ampelkoalition nicht nur die Finanzierung der Talentförderung ungewiss sei, sondern auch die Zukunft der bisherigen Pläne. Dies würde maßgeblich vom politischen Willen der neuen Koalition abhängen.

Sieben Millionen Euro unter Vorbehalt
Auf dem Papier des Haushaltsbeschlusses steht eine Verzehnfachung des Kuratoriums-Budgets auf jetzt sieben Millionen Euro. Neue Richtlinien sind auf der Website veröffentlicht. Doch alles unter Vorbehalt. Dennoch werden bereits Vorbereitungen für die erste Jury getroffen, um bei Bewilligung des Etats noch in diesem Jahr eine reguläre, umfassende Fördersitzung – von der Drehbuchentwicklung bis zur Produktion – durchführen zu können. Neu sind die Beträge. Filme bis zu einem Budget von zwei Millionen Euro können mit maximal 500.000 Euro unterstützt werden, in Ausnahmefällen bis zu einer Million. Obwohl derzeit noch keine Produktionen gefördert werden können, gibt es immerhin eine Stoffentwicklungsinitiative, bei der auf einfachem Wege Anträge gestellt werden können. Eine Idee auf drei bis vier Seiten reicht aus, um eine Förderung von bis zu 25.000 Euro zu beantragen. Für junge Filmemacher* innen ein enorm wichtiger Einstieg und Vertrauensvorschuss. Doch wo gibt es aktuell Produktionsförderung für den Nachwuchs, solange das Kuratorium noch in der Warteschleife steht? Es gibt die jurybasierte kulturelle Filmförderung des Bundes, jetzt neu unter dem Dach der FFA. Doch hier befindet man sich in Konkurrenz mit etablierten Filmemacher*innen. Um Projekte schneller zu finanzieren, wäre es gut, wenn man weniger Anträge stellen müsste. Das geht am besten mit jeweils höheren Förderbeträgen. Hier gibt es ein gutes Modell bei Hessen Film & Medien. Die „Fifty-Fifty“- Vereinbarung mit dem ZDF/Das Kleine Fernsehspiel fördert junge Talente in und aus Hessen mit jeweils der Hälfte des Budgets. Leider stehen dafür insgesamt nur eine Million Euro zur Verfügung.

Der Marathon-Mensch
Generell gilt, etablierte Filmemacher*innen kommen leichter an Fördergelder und können so ihre Originalität bewahren. Junge Talente müssen lange darum kämpfen, ihre Budgets reduzieren, Selbstausbeutung betreiben und haben deshalb kaum Chancen, ihren eigenen Stil zu entwickeln. Gleichzeitig sind die durchschnittlichen Herstellungskosten für einen Film gestiegen, insbesondere für Löhne und das ökologisch nachhaltige Produzieren. Allerdings wurden diese höheren Kosten bislang nicht durch mehr Fördergelder ausgeglichen.
Das Fazit der Veranstaltung: Wenn man sich eine lebendige Filmkultur wünscht, dann müssen die Akteure gemeinsam dafür kämpfen, dass die entsprechenden Gelder bereitgestellt werden. Dass das Filmemachen weiterhin sehr viel Zeit beansprucht, damit müssen sich junge Filmschaffende wohl oder übel arrangieren, oder wie ein Teilnehmer es formulierte: „Man muss ein Marathon-Mensch sein.“

Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)

Schlagworte: Festival, Filmförderung, Filmpolitik, TV/Rundfunk, Institution, Nachwuchs

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