GRIP 71

07.07.2025

In Memoriam: Wolf Lindner

Von Dieter Brockmeyer

„Filmemacher und Kinogründer auf Naxos“, so stand es in der Traueranzeige, mit der sich langjährige Weggefährten von Wolf Lindner verabschiedeten. Mit Naxos ist nicht die griechische Insel, sondern natürlich das Kino in den alten Naxoshallen neben dem Theater Willy Praml gemeint.
„Es ist rund 20 Jahre her, dass Wolf eine Initiative startete, dienstags in der Naxoshalle eine Art Werkstattkino zu veranstalten. Das Filmbüro war gern dabei, wir brachten Leinwand und Projektionsanlage vorbei und halfen bei Aufbau und Vorführung. Im Vordergrund stand die Auseinandersetzung mit den Themen unserer Zeit, das kritische Gespräch nach dem Film, das diesem an Länge oft gleichkam. 

Wolf Lindner, Bild Heike Rösch
Wolf Lindner, Bild Heike Rösch

Das war und ist bis heute etwas Besonderes in der Frankfurter und hessischen Kinolandschaft. Mit seiner unermüdlichen Energie hat Wolf viele angesteckt und gezeigt, was möglich ist, wenn man an eine gute Idee glaubt“, erinnert sich Erwin Heberling, Geschäftsführer des Film- und Kinobüros Hessen.
Wolf Lindner, geboren 1946, gehörte der Reportageklasse des ersten Jahrgangs der 1967 eröffneten Filmhochschule München an. Lange arbeitete Lindner als freier Autor für den Hessischen Rundfunk, um dann, kurz nach der Wende, in die Berliner ZDF-Redaktion von „Kennzeichen D“ zu wechseln. Nachdem die Sendung 2001 abgesetzt wurde, ging er zurück nach Frankfurt und arbeitete in der ZDF-Zentrale auf dem Mainzer Lerchenberg. Nach seiner Pensionierung wendete er sich nicht nur dem Kino, sondern auch einer frühen Leidenschaft zu, der Gestalttherapie. Spät machte er noch eine Ausbildung und praktizierte anschließend selbst. Diese Leidenschaft schlug sich auch in seiner Arbeit als Filmemacher nieder. „An der Grenze, Lore Perls und die Gestalttherapie“ war der Titel seiner heute weitgehend vergessenen Dokumentation über die Mutter dieser Behandlungsform. Der Film war 2005 im Naxos-Kino zu sehen.
Auch später fanden gelegentlich ältere Werke von ihm in das Kinoprogramm, etwa „Die Schneeberger Krankheit“ über die Lungenkrebserkrankungen infolge des Uranabbaus im Erzgebirge. „Rentner hin, Zusatzausbildung zum Gestalttherapeuten her“, schrieb Stephan Loichinger 2019 in einem Porträt in der Frankfurter Rundschau, Lindner „blieb ein politischer Mensch“. Recht hat er. Solche Menschen hinterlassen ihre Spuren in der Gesellschaft. „Sein“ Kino und seine Vision leben weiter, und deshalb werden wir Wolf Lindner auch nicht vergessen.

Kategorie: Nachruf

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