GRIP 71
07.07.2025
Im Kollektiv bis zum Goldenen Jubiläum
Das 50-jährige Bestehen des Filmforums Höchst ist ein kulturelles Statement: Es ist das einzig verbliebene stadteigene Kommunale Kino in Frankfurt, unter dem Dach der Volkshochschule (VHS). Dessen Leiterin Sabine Imhof und ihr Vorgänger Klaus-Peter Roth blicken auf die Filmarbeit im Kollektiv, gestern wie heute. Demnach ist eine langfristige, auch personelle Absicherung des Kinos in dem sonst kinofreien Höchst heute bitter nötig.
Von Tharaka Sriram
Im heutigen Höchster Bildungs- und Kulturzentrum startete das Filmforum 1975 seinen Betrieb, hervorgegangen aus dem VHSFilmstudio. Ein ehrenamtliches Filmkollektiv, typisch für die Filmclubund kommunale Kinobewegung der 1970er Jahre, zeichnete damals verantwortlich. Dank der Kommunalisierung der VHS wurde das Filmforum ebenfalls 1975 städtisch. Die Zeiten waren auch im kommenden Jahrzehnt hochpolitisch. „Keine Startbahn West – Eine Region wehrt sich“ (1982), realisiert von einem Kollektiv um Thomas Frickel, kam natürlich auch in Höchst auf die Leinwand. Darin der Wahlspruch „Recht muss nicht immer richtig sein“, der ist in der heutigen Zeit genauso relevant wie damals.
Die Welt zuhause auf 115 Kinoplätzen
Erst ab 1987 konnte das Kino ein Wochenprogramm zeigen, dank des Umzugs in die heutigen Räume. Und Roth erhielt eine Festanstellung als Kinoleiter. In seiner Ägide erlangte das Filmforum mit Länder- und Kulturraum Festivals auch internationales Renommee: Seit 1996 holt Cuba im Film Weltstars nach Frankfurt, so wie Humberto Solás mit seinem Film „Lucía“. Auch das Festival Africa Alive etablierte sich im selben Jahr in Höchst und in der neueren Zeit sind die Kurdischen Filmtage sowie das Iranische Filmfest dazugekommen. Das vielfältige Programm des Filmforums wird seit 1989 regelmäßig mit dem Hessischen Kinopreis und auf Bundesebene mit dem Kinopreis des Kinematheksverbundes honoriert.
Eine wichtige Quelle der Programmarbeit lässt sich auch mit dem gelebten Gedanken der Gemeinschaft, den Klaus-Peter Roth vorangetrieben hat, verknüpfen: „Das geschieht durch den Ausbau von Netzwerken mit Filmschaffenden und anderen Kinos wie dem Rüsselsheimer Kurzfilmfestival, dem Kino 8 1/2 in Saarbrücken, dem Kino 3001 in Hamburg oder dem Mal Seh‘n Kino in Frankfurt. Und das gelte auch für den Betrieb vor Ort: „Alle machen alles: Kasse, Vorführen, Programm“, erzählt Roth. „Freundschaften und Verantwortlichkeiten werden so gelernt und kennengelernt.“
Zwischen Digitalität und Daseinsfrage
2012 war das Filmforum Vorreiter der Digitalisierung in der deutschen Kinolandschaft. Doch bis heute gibt es in Höchst noch die Möglichkeit, analoge Filme zu zeigen. Sabine Imhof übernahm die Leitung des Filmforums 2021. Um den Kinobetrieb während der Coronapandemie aufrechtzuerhalten, baute sie mithilfe der Cinemalovers Plattform eine Online-Community mit vielen solidarischen Abonnenten auf. Imhof wünscht sich festangestellte Unterstützung für ihr Kino. „Der kollektive Gedanke von vor 50 Jahren ist heute nicht mehr so umsetzbar“, sagt sie. Als einzige Festangestellte kämpfe sie für das Kino in einer städtischen Struktur, die das kollektive Kinoleben nicht widerspiegelt. Die Arbeit des Teams sei zwar zentral, aber die VHS-Struktur erlaube keine volle Einbindung der Honorarkräfte.
Zwischen Streaming-Boom und begrenzter Förderung bedeute Kinoarbeit laut Imhof heute: „Wie erreichen wir die Menschen? Durch Vermitteln, Erklären, Einladen.“ Der Bereich Filmbildung solle ausgebaut werden, auch um Kinder und Jugendliche zu erreichen. Imhof möchte das Kino stärker als sozialen Raum etablieren. Ein gelungenes Beispiel sei die Kooperation mit einer Tanzschule verknüpft mit einem Tango-Film. Imhof plant zudem das gemeinsame Anschauen von Serien wie etwa „Heimat“ von Edgar Reitz mit anschließendem Austausch.
Sie meint auch, dass das „kulturelle Dreieck“ in Höchst mit Bar, Theater und Kino im Hause durch eine produktive Zusammenarbeit mehr Menschen für Kultur begeistern könnte. Und weitere Räumlichkeiten werden hoffentlich durch den Ausbau des Bolongaropalastes zur Verfügung stehen, um dort etwa Filmbildungsworkshops anzubieten.
Das Jubiläumsprogramm startet am 21. November 2025 mit dem Stummfilm „Der Mann mit der Kamera“ und Live-Musik, gefolgt von einer Reihe mit 50 Lieblingsfilmen der Mitglieder des Fördervereins Aufblende e.V.. Im Dezember 2025 kommen Highlights wie die „Rocky Horror Picture Show“. Nach einem halben Jahrhundert Filmkultur in Höchst wünscht sich Sabine Imhof vor allem strukturelle Sicherheit und eine langfristige Absicherung durch Kulturpolitik und Gesellschaft.
Bereits zum 40-jährigen Jubiläum berichtete GRIP über das Filmforum Höchst
Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)
