GRIP 71
07.07.2025
Ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Frankfurt
Das Türkische Filmfestival Frankfurt/M. International feierte im Juni sein 25-jähriges Bestehen. Es versteht sich nicht nur als Ort der filmischen Begegnung, sondern auch als eine kulturelle Brücke zwischen der Türkei, Deutschland und der Welt. Ganz neu ist das Projekt „Cultural Transnational Cinema Perspectives“.
Von Claudia Prinz
Im April 2000 nannte sich das Festival noch „Türkische Filmtage Frankfurt“, lediglich acht türkische Filme kamen damals auf die Leinwand. Bereits 2001 erweiterte sich das Programm um deutsche Produktionen von Filmemacher*innen mit migrantischer Biografie. Seitdem sind Programm, geladene Gäste und Publikum stetig gewachsen. Und das Festival ist mittlerweile auch im Umland mit Spielstätten etwa in Offenbach und Wiesbaden präsent. Einer der Gründe für das rege Publikumsinteresse ist sicherlich auch, dass die zahlreichen Einwohner*innen im Rhein-Main-Gebiet mit türkischgeprägter Migrationsgeschichte die türkischsprachigen Filme mit Gästen im Kinosaal erleben können.
Kulturelle Vielfalt und sozialer Anspruch
Seit seiner Gründung basiert das Programm auf drei Säulen: Werke aus der Türkei, „deutsch-türkisches“ Filmschaffen sowie europäische Filmkunst. Wettbewerbe gehören ebenfalls dazu; es werden Preise für Spielfilme, Dokumentarfilme und Kurzfilme vergeben. Neben dem kulturellen verfolgt das Festival auch einen sozialen Anspruch: Es zeigt Filme an Schulen oder in Altenheimen und plant Besuche in Justizvollzugsanstalten.
Seit einigen Jahren gibt es auch ein deutsch-türkisches Produktionsleute- Treffen. Dieses Jahr tauschten sich knapp 25 Personen aus Hessen und der Türkei im Haus am Dom inklusive eines gemeinsamen Mittagessens aus und signalisierten sich gegenseitig Interesse an internationalen Projekten. Während die Hessen Film & Medien Fördermöglichkeiten für Koproduktionen vorstellte, bot sich das Filmhaus als Schnittstelle zur Initiative Hessen Film an. Auch stellt das Filmhaus auf seiner Website offizielle Informationen zur Abwicklung von Dreharbeiten in Frankfurt in englischer Sprache zur Verfügung.
Festivalleiter Hüseyin Sıtkı betont: „Es ist eine Herausforderung, kulturelle Vielfalt ohne Klischees zu präsentieren – eine Aufgabe, für die schon vor Jahrzehnten mehr als klassische Vereinsarbeit nötig war. Filme spielen hierbei eine besondere Rolle durch ihre Fähigkeit, Geschichten erlebbar zu machen. Was als idealistische Idee begann, ist heute ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Frankfurt geworden. Das Festival fördert nicht nur türkische Filmkunst in Hessen, sondern trägt auch zum gesellschaftlichen Dialog und zum interkulturellen Austausch bei“. Hüseyin Sıtkı erhielt für sein Engagement 2016 das Bundesverdienstkreuz.
Neu in diesem Jahr: Das Erasmus-Projekt
Das Projekt „Cultural Transnational Cinema Perspectives“ ist ein von Erasmus+ gefördertes Entwicklungsprogramm für die Filmbildungsarbeit, das während des Festivals im Filmhaus Frankfurt stattfand. Ziel war, die reiche Geschichte und das kulturelle Potenzial des türkisch-deutschen Kinos zu reflektieren und neue Perspektiven in die europäische Jugendbildungsarbeit einzubringen. Es sollte Raum für interkulturellen Dialog schaffen sowie kreative Kooperationen und nachhaltige Netzwerke durch die Kraft des Films anregen.
Vom 12. bis 18. Juni 2025 trafen sich hierzu 25 Teilnehmende zwischen 18 und 65 Jahren, die vorher von den jeweiligen Koordinator* innen ausgesucht wurden. Auf deutscher Seite übernahm Hüseyin Sıtkı die Organisation des Projekts, von türkischer Seite wurde es von der erfahrenen Wissenschaftlerin und Jugendarbeiterin Büşra Ayaz koordiniert.
Das Teilnehmendenprofil beschränkte sich nicht nur auf Fachleute; auch junge Kinointeressierte, Amateurfilmer* innen, Jugendarbeiter*innen und Kulturschaffende waren beteiligt, wodurch eine interdisziplinäre Lern- und Kooperationsumgebung entstand. Das Projekt beschäftigte sich mit Narrativen zu den Themen Migration, Identität sowie kulturelle Repräsentation und deren Umsetzung in Filmsprache. In diesem Kontext wurde Kino nicht nur als Kunstform, sondern auch als Medium für gesellschaftlichen Dialog, Jugendengagement und kulturelle Konvergenz behandelt. Büşra Ayaz zog ein positives Resümee: „Für die Teilnehmenden war diese Erfahrung mehr als nur eine Trainingswoche; sie markierte den Beginn dauerhafter Beziehungen, die zu zukünftigen Koproduktionen, kreativen Initiativen und internationalen Kulturprojekten führen könnten.“
Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)
