GRIP 71
07.07.2025
Editorial
Von Felix Fischl / Filmhaus Frankfurt
Liebe Leser*innen,
in dieser Ausgabe verabschieden wir uns mit einem Porträt von einem unserer Gründungsmitglieder, Thomas Mank. Anlässlich dieses Textes über den im Januar verstorbenen Filmemacher und Gestalter sowie sein Wirken vor und nach der Filmhaus-Gründung 1989 drängt sich die Frage auf, was sich seither am Standort Hessen getan hat. Mitte der 1980er Jahre, also vor 40 Jahren, wurde die hessische Filmförderung unter Ägide des Filmbüros Hessen ins Leben gerufen. Was ist also aus den beruflichen Entwicklungschancen und Hoffnungen der Weggefährt*innen von damals geworden?
Zweifelsohne hat man sich fortbewegt: das Förderbudget ist von damals 1,1 Millionen DM auf heute knapp über 10 Millionen Euro gestiegen; verschiedene, durchaus innovative Fördertöpfe wurden eingeführt und die verhassten Bürgschaftsmittel abgeschafft. Doch beunruhigender sind diejenigen Dinge, welche uns auch heute noch beschäftigen und behindern: der im Vergleich zu anderen Bundesländern viel zu geringe Förderetat, der nicht nur zur Realisierung einiger der vielen Stoffe in den vielen Schubladen befähigen sollte, sondern den Förderempfänger*innen auch eine berufliche Perspektive geben müsste. Damals wie heute fordert man mehr finanziellen Einsatz der Politik für die Filmbranche, um nicht nur einem Bruchteil der Antragsteller*innen eine Chance zu geben. Immer noch braucht es nachhaltige Investitionen in den Standort, um dem berechtigten Anspruch der künstlerisch-kreativen Klientel auf berufliche Weiterentwicklung hier vor Ort gerecht zu werden. Diese maßgeblichen Faktoren für den Wegzug von Talenten oder deren Abkehr von der Branche sind seither, so muss man konstatieren, nahezu unverändert.
Das Filmhaus Frankfurt als „Anziehungspunkt hessischer Filmkultur“ erhielt schon kurz nach seiner Gründung institutionelle Förderung der Stadt. Mit einer Summe von 300.000 DM und 1,5 Stellen in den ersten Jahren konnte der Verein Grundlagen legen, die nicht zuletzt mit der GRIP und dem Seminarprogramm heute noch existieren. Dass die Förderung sich in all den Jahren nur geringfügig erhöht hat und der gestiegenen Verantwortung des Vereins sicherlich nicht mehr gerecht wird, gilt es zu ändern. Der Antrag auf dauerhafte Erhöhung der institutionellen Mittel liegt bei den politischen Verantwortlichen zum wiederholten Mal auf dem Tisch. Sie würde, wie es die Satzung verspricht, nicht dem Verein, sondern allgemein dem regionalen Filmschaffen zugute kommen. Und sie kann helfen, der Verwirklichung einer weiteren Idee aus Gründungstagen näher zu kommen: der Filmstadt Frankfurt.
Eine anregende Lektüre wünscht
Ihr
Felix Fischl
Herausgeber und Geschäftsführer Filmhaus Frankfurt
Kategorie: Editorial
Schlagworte: Filmhaus Frankfurt, GRIP, Filmförderung, Filmkultur, Filmemacher*in
