GRIP 65
21.07.2022
Unabhängig und umtriebig – 25 Jahre U5 Filmproduktion in Frankfurt
Ursprünglich waren es fünf Gründungsmitglieder, daher rührt die „5“ im Firmennamen: Norbert Walter und Eberhard Schäfer als Produzenten sowie die Autoren und Regisseure Rolf Silber, Rudolf Bergmann und Christos Yiannopoulos als der kreative Pool. Zum 25. Geburtstag der U5 Filmproduktion blicken zwei der Gründer zurück.
Von Birgit Schweitzer
Wie eine alte Rockband bezeichnet Rolf Silber die Freundschaft und langjährige ungewöhnlich gute Zusammenarbeit der Gründungsmitglieder der U5 Filmproduktion. Norbert Walter und Eberhard Schäfer gingen schon zusammen zur Schule. Schäfer arbeitete als Sozialarbeiter und war Wirt der Licher Kinokneipe. Norbert Walter ist eigentlich Lehrer; beide sind zufällig beim Film gelandet. Rolf Silber studierte „zu Dinosaurierzeiten“, wie er es nennt, von 1976 bis 1980 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin. Die drei arbeiteten lange Jahre in der Firma Frankfurter Filmproduktion zusammen, doch dann landete Silber 1996 mit seinem Kinofilm „Echte Kerle“ einen Kassenschlager, der eine Million Besucher*innen ins Kino lockte.
Autonomie mit Pragmatismus
Sie sahen 1997 eine gute Chance, ihre eigene Firma U5 zu gründen, weil viel in Bewegung war. „Doch das Bedürfnis der Autonomie im Rahmen des Möglichen stand im Vordergrund“, meint Silber. „Wir sind aus der 68er-Generation. Dieser Spirit ist uns geblieben“, erzählt Schäfer. „Das U steht für unabhängig, umtriebig und unter 50“, erklärt Schäfer. Unabhängig beziehe sich darauf, dass sie keine Teilhaber und keine große Firma im Hintergrund hatten. „Wir waren die ältesten Jungproduzenten“, scherzt Schäfer. Damals waren sie Mitte 40. „Unsere Ehefrauen waren nicht begeistert, dass wir unsere guten Positionen aufgaben. Wir hatten Familie, deshalb mussten Filme umgesetzt werden und das ging am Besten im Fernsehen.“ Wer sich in der Filmbranche behaupten will, muss auch pragmatisch sein. Hinzu kam, dass Frankfurt und Hessen nicht zu den leuchtenden Filmschauplätzen der Republik gehörten. Vor allem weil der ortsansässige hr im Spielfilmbereich keine Auftragsproduktionen herausgab. „Wir sind überzeugte Hessen“, begründet Silber ihr Bleiben, „wir mögen Frankfurt wirklich gern.“ So wurde die U5 zu einer der Firmen, die bis heute dafür sorgt, dass Filmschaffende hier Arbeit im Spielfilmbereich finden. In der Zeit der Geschäftsführung von Norbert Walter und Eberhard Schäfer entstanden 80 Filme, Serienfolgen und Reihen bis sie den Stab ab 2021 an Katrin Haase und Oliver Arnold abgaben. „Norbert und ich stehen noch mit Rat und Tat zur Verfügung und arbeiten als freie Produzenten mit der U5 und für die U5“, sagt Eberhard Schäfer.
Der allererste Film, den die U5 Filmproduktion 1998 realisierte, war der Thriller „Der Kuss des Killers“ für RTL mit Sandra Speichert, Henry Hübchen und Oliver Korittke aus der Feder von Christos Yiannopoulos. Dieser und Rudolf Bergmann sind übrigens frühzeitig ausgeschieden, denn es hatte sich nicht bewahrheitet, dass pro Jahr ein Projekt für jeden Teilhaber realisiert werden konnte. Außerdem empfanden die Kreativen Auflagen wie Gesellschafterversammlungen als Belastung. Sie haben sich für eine freie Mitarbeit entschieden und von der Nähe zur U5 profitiert, die ihr Ohr an den Redaktionen hatte. Ideen für Filme haben die Produzenten mit Autor*innen zusammen entwickelt und trafen oft den Nerv bei den Spielfilmredaktionen. Die ersten 15 Filme waren gleichmäßig verteilt auf die Sender ARD, ZDF, RTL, SAT1 und Pro7.
Konkurrenz um Auftragsproduktionen
Ob es schwere Zeiten gab, beantwortet Schäfer mit: „Immer!“ Es sei stets ein Kampf, sich bundesweit gegen die Konkurrenten für Auftragsproduktionen durchzusetzen. „Mal macht man fünf Filme im Jahr, manchmal nur einen.“ Ein solches Jahr sei das Jahr 2016 gewesen, hier konnte die U5 nur einen Film produzieren, was die laufenden Kosten nicht deckte. Heute entwickeln sie 15 bis 20 Drehbücher und eines wird realisiert. „Frustration der Autoren muss man aushalten können, sonst ist man im Filmgeschäft falsch“, meint Schäfer. „Durch diese Nacht“ ist ein Film von Rolf Silber, der Schäfer in besonderer Erinnerung geblieben ist. Silber verarbeitet darin seine eigenen Erfahrungen: Der Protagonist kämpft sich nach einer Hirnblutung zurück ins Leben. „Dass ich mich so gut davon erholt habe, verdanke ich guten Therapeuten und meiner Ehefrau“, sagt er rückblickend. Zur Gründung der U5 im Herbst 1997 sei er wieder „einigermaßen bei Groschen“ gewesen. Rolf Silber schreibt tendenziell lieber Komödien mit Tiefgang à la Billy Wilder. Dazu gehört „Männer ticken, Frauen anders“ (2011, ZDF), die 2012 mit dem Jupiter-Award als Bester Fernsehfilm ausgezeichnet wurde. Es geht darin um Karrierestreben und die Erkenntnis, dass Geld und Erfolg nicht alles sind – auch ein Thema der U5 Gesellschafter. Sie wollten die Möglichkeit zur Selbstentfaltung und befreit neue Wege gehen. „Bei uns kam das Geld immer beim Film an. Wir waren nah am Film und die Filmemacher nah an uns. Das macht die U5 aus“, so Rolf Silber.
Kategorie: Firmenportrait (GRIP FACE)
Schlagworte: Filmproduktion, TV/Rundfunk, Spielfilm, Drehbuch, Filmwirtschaft
