GRIP 65
21.07.2022
HessenFilm setzt neue Akzente
Nachdem alle vormals durch die WI-Bank Hessen vergebenen und mit ein Prozent verzinsten Bürgschaftsmittel ab 2022 in Haushaltsmittel des Landes umgewandelt wurden, gelten für die Hessische Filmförderung fortan auch neue Richtlinien. Künftig wird ein Schwerpunkt auf die Entwicklung qualitativer Stoffe gelegt. Auch der Nachwuchs rückt noch weiter in den Fokus.
Von Bernd Jetschin
Als dieses Frühjahr die hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Angela Dorn bei der Vorstellung des neuen Förderkonzepts davon sprach: „Wir wollen die progressivste Filmförderung in Deutschland sein“, mag das für manche nach ein wenig Eigenlob geklungen haben. Doch das Land und die Geschäftsführung der HessenFilm und Medien GmbH (HFM) haben die Corona-Zeit tatsächlich zu intensiven Strategiegesprächen genutzt. Es sei eine noch flexiblere und an die Bedürfnisse des regionalen Filmschaffens angepasste Förderung zu installieren.
Schnellere Entscheidungen
Ein starker Akzent liege künftig auf dem Standort, auf mehr Flexibilität bei den Förderentscheidungen, um junge Talente aus der Region sowie vielversprechende Projekte zu fördern wie auch die ansässigen Produktionsfirmen zu unterstützen, so die Ministerin. Generell heißt die Ausrichtung, mehr Zeit und Geld in gute Geschichten zu investieren. Nun können Projekte aus der Region bereits ab der ersten Idee eine Treatmentförderung erhalten. Und dies ganz unbürokratisch. Die Entscheidung trifft – soweit sie nicht im Rahmen der neuen Setzkastenförderung erfolgt – die Geschäftsführung der HFM, die die Ausarbeitung einer solchen Idee zum Treatment mit einem Zuschuss von bis zu 10.000 Euro fördern kann. „Wir wollen mehr in die Entwicklung der Stoffe investieren. Deshalb haben wir auch ein neues Modell der Treatmentförderung konzipiert, das von der Idee bis zur Produktionsvorbereitung reicht und nach dem Setzkastenprinzip vergeben werden kann“, erklärt die Geschäftsführerin der HFM Anna Schoeppe bei der Pressekonferenz. Wie in einem Baukasten könnten jetzt mehrere Förderarten wie Treatment-, Drehbuchförderung und Produktionsvorbereitung gleichzeitig beantragt werden und dazu bedarf es nur einer Entscheidung der Jury. Die Setzkastenförderung wird als bedingt rückzahlbares Darlehen mit bis zu maximal 80.000 Euro vergeben. Dies entspreche deutlich mehr der Arbeitsrealität an einem Filmprojekt, bei dem oft viele Arbeitsschritte parallel liefen, erklärte Schoeppe.
Gesenkte Regionaleffekte und Nachhaltigkeit
Innovativ war die HessenFilm bislang auch schon mit ihrer Talentpaketförderung für junge aufstrebende Firmen am Standort. Diese Idee ist erweitert worden. Denn jetzt können auch etablierte Filmproduktionsfirmen in Hessen sogenannte Paketförderung für die Entwicklung von drei bis fünf Spielfilm-, Medien-, oder Serienprojekten beantragen, die als bedingt rückzahlbares Darlehen mit bis zu maximal 150.000 Euro gewährt wird. „Filmschaffende und insbesondere der filmische Nachwuchs sollen mehr Flexibilität für die Entwicklung ihrer Geschichten erhalten“, sagt Schoppe: „So können sie in Genres oder Formate eintauchen und besser auf einen sich rasch ändernden Markt reagieren.“
Zur Standortstärkung gehört auch, dass künftig bei größeren Produktionen über 1,5 Mio. Euro Budget der Hesseneffekt auf 125 Prozent gesenkt wird, der bisher bei 150 Prozent gelegen hat: „Wir vereinfachen dadurch den Produzenten die Finanzierung und wollen mit dieser Maßnahme auch erreichen, dass der Fördertourismus abgebaut werden kann und mehr in Hessen gedreht wird.
Neu sind die „Erfolgsdarlehen“ für Produktionsfirmen, die ihr Darlehen zu einem Teil getilgt haben. Diese Beträge können binnen drei Jahren nach der ersten zurückgezahlten Rate wieder in die nächsten Projekte zurückfließen, das heißt sowohl für die Entwick-lung als auch für die Produktion selbst genutzt werden.
Geförderte Produktionen müssen künftig ökologische Mindeststandards einhalten. Da folgt HFM dem eingeläuteten Nachhaltig-keits-Trend der anderen Länderförderungen und der FFA. Was die soziale Nachhaltigkeit anbelangt hinsichtlich fairer Arbeitsbedingungen in der Filmproduktion, sind die neuen Richtlinien unverbindlicher formuliert als bisher. Das zarte Pflänzchen Produktionswachstum in Hessen soll sorgsam zum Aufblühen gebracht werden. Gute Arbeitsbedingungen sind allerdings ein nicht zu unterschätzender Faktor, dem Nachwuchsmangel bei den Filmschaffenden zu begegnen.
Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)
Schlagworte: Filmförderung, Nachwuchs, Spielfilm, Drehbuch, Ökologie
