GRIP 65

21.07.2022

Futter gibt’s

Das Film- und Kinobüro Hessen (FKBH) feiert ein rundes Jubiläum. 1982 gründeten Filmschaffende und Akteur*innen der regionalen Filmkultur den gemeinnützigen Verein. Ein Rückblick auf 40 Jahre umtriebige und wegweisende Netzwerkarbeit.

Von Birgit Schweitzer

Eine der Mitstreiterinnen der frühen Jahre ist Dagmar Kamlah. Die Cutterin und Filmemacherin war damals 27 Jahre alt und hatte gerade ihr Studium abgeschlossen. „Es war eine spannende Zeit in den 1980ern in Frankfurt. Es herrschte viel Aufbruchsstimmung“, sagt sie über die Anfangsjahre. Zusammen mit der Filmemacherin Lilo Mangelsdorff brachte sie die „Zwischenschnitte“ heraus, gewissermaßen die Vorläuferzeitschrift der GRIP. Sie entstand aus einem Vereinsrundbrief des Filmbüros. Rund zehn Nummern der handgeklebten, fotokopierten und von A3 auf A4 gefalteten Zeitschrift wurden damals herausgegeben und boten den hessischen Filmschaffenden nun ein öffentliches Forum. Die Schlagzeile der Ausgabe Nr. 5, erschienen im Dezember 1985, lautet „Futter gibt’s“ und bezieht sich auf die ersten Termine der auf Druck des Filmbüros endlich eingerichteten Hessischen Filmförderung. Die Headline der Ausgabe Nr. 6 vom Februar 1986 „Mag nicht jeder jedes …“ spiele dagegen auf Animositäten innerhalb des Vereins an, verrät Kamlah. Sie erinnert sich an drei „Fraktionen“: Die Dokumentarfilmer, die Spielfilmer – unter anderem Rolf Silber sei dabei gewesen – und die Fraktion, die filmkulturelle Veranstaltungen organisierte und die Filmszene journalistisch begleiten wollte. „Die Politik und das Institutionelle wurden den Männern überlassen“, erzählt sie.

1. Frankfurter Filmschau im Harmonie Kino
1. Frankfurter Filmschau im Harmonie Kino

Drei Wünsche
Nachdem sich 1985 die Hessische Filmförderung etabliert hatte, stellte das Filmbüro zwei weitere wichtige Forderungen auf: Ein Frankfurter Filmhaus und ein regelmäßig stattfindendes Festival. Dank des hartnäckigen Engagements des Filmbüros gingen auch diese Wünsche in Erfüllung: Von 1985 bis 2005 richtete es die Frankfurter Filmschau aus, eine Werkschau der hessischen Filmszene, die bis zum Jahr 2000 von Eva Heldmann geleitet wurde. Des Weiteren konnte mithilfe einer städtischen Förderung der 1989 gegründete Verein Filmhaus Frankfurt wenig später regelmäßig Seminare für Filmschaffende anbieten, wenn auch nicht wie angedacht in einem selbst verwalteten Gebäude.
Nachdem die Hessische Filmförderung 1997 neu strukturiert und erweitert wurde, gab sich das Filmbüro 2000 einen neuen Namen: Hessisches Film- und Kinobüro (FKBH). „Um die Jahrtausendwende rückte das Thema Kino stärker in den Fokus, denn in dieser Zeit sind die Multiplexe aus dem Boden geschossen“, erläutert Erwin Heberling, jetziger Geschäftsführer des Film- und Kinobüros, der seit dieser Zeit mit an Bord ist. „Es ging dringend darum, die Kinovielfalt in Hessen zu erhalten, vor allem in Orten unter 50.000 Einwohnern, was bis heute ein Anliegen des Vereins ist.“
Heute tritt das FKBH mit fünf festangestellten Mitarbeiter*innen und drei bis vier temporär Beschäftigten hauptsächlich als filmkulturelles Zentrum für Netzwerk- und Projektarbeit in Erscheinung. Finanziert wird es durch eine institutionelle Förderung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst sowie durch Projektförderungen der HessenFilm und Medien GmbH.

Nicht nur Kino
Das größte und stetig wachsende Netzwerkprojekt mit hessischen Kinos und Kommunen ist das SommerWanderKino, die Fortsetzung des Kino Sommer Hessen. 2021 umfasste es mehr als 500 Veranstaltungen. Die Abspielringe Filmkunst und Kinderkino sind ein weiteres Angebot des Hauses. „Wir organisieren ein Filmprogramm, das von Kino zu Kino wandert, ein Angebot ohne finanzielles Risiko für die Kinos“, berichtet Heberling. Des Weiteren werden hessische Filme mit Filmgesprächen auf Tournee geschickt, die „hessen film tour“. Ganzjährig läuft das Vorfilmprojekt „kurz & hessisch“. Angegliedert an das FKBH ist außerdem der Verbund hessischer Filmfestivals. Darüber hinaus steht aktuell auch Nachhaltigkeit im Fokus. Die Organisation des Preises für nachhaltiges Kino, der vom Land Hessen ausgelobt wird, liegt in Händen des FKBH.
„Wir werden oft auf das Kino reduziert“, bedauert Heberling, „aber es geht uns um den gesamten Standort, um das Filmgeschehen in Hessen. Wir verstehen uns auch als Verein, an den sich die Filmemacher jederzeit wenden können. Die finanzielle Seite ist das eine, die andere Seite ist, die strukturellen Voraussetzungen für junge Filmschaffende in Hessen zu schaffen.“ So seien das immer noch ausstehende Frankfurter Festivalzentrum und eine Filmhochschule Themen für die Zukunft, so Heberling.

Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)

Schlagworte: Institution, Filmkultur, Kino, Filmförderung, Festival, Filmhaus Frankfurt

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