GRIP 54
01.05.2016
Zukunftssicherung von Harmonie und Cinema
Christopher Bausch ist neuer Betreiber der beiden Frankfurter Arthouse Kinos
Von Daniel Güthert
"Wir freuen uns, im Sinne der Filmkultur eine hervorragende Lösung für die langfristige Zukunftssicherung der Traditionskinos Cinema und Harmonie gefunden zu haben." Was Harald Vogel und Christopher Bausch da Anfang des Jahres in ihrer Presseerklärung bejubelten, war nichts anderes als der Eigentümerwechsel bei den beiden bekannten Independent-Kinos am Frankfurter Roßmarkt und in Sachsenhausen. Ein Wechsel, der ohne Aufhebens, nachgerade geräuschlos erfolgt ist. Keine Selbstverständlichkeit, schon gar nicht in Frankfurt, wo Filmtheater zu einer bedrohten Spezies gehören. Zumal in Citylage.
Wir erinnern uns. Von den Innenstadtkinos gab zuletzt eines nach dem anderen auf. Erst das Olympia, dann das Royal (beide 2003), wenig später die Zeilkinos und das IMAX (2004), und schließlich 2010 der Turmpalast. Und auch für das Cinema war 2004 das Aus gekommen. Mehr als zwölf Monate stand es leer, bevor sich Harald Vogel anschickte, das Haus als neues Arthouse-Domizil aufzumöbeln. "Ich will nur solche Filme zeigen, die ich mir auch angucken würde." Qualität war für ihn stets eine Frage des cineastischen Anspruchs. Und das Publikum dankte es ihm. Das Cinema ebenso wie die Harmonie, die er zuvor – im September 2000 – übernommen hatte, konnten sich über die Jahre als Hochburgen der Filmkunst etablieren.
Zum 1. Januar sind nun die Filmtheaterbetriebe an den beiden Lichtspielhäusern mit insgesamt fünf Leinwänden und etwa 700 Plätzen (400 im Cinema, 300 in der Harmonie) an Christopher Bausch verkauft worden. Bausch und Vogel kannten sich sich seit langem als Kollegen vergleichbarer Spielstätten. Bausch betreibt in Aschaffenburg das Programmkino Casino und ist mehrfach in der Vergabekommission für den hessischen Kinopreis gewesen. Insofern seien die Verkaufsgespräche, wie Bausch sagt, auch sehr entspannt verlaufen zwischen Vogel und ihm.
Mit dem Casino hatte sich der in Kronberg geborene und in Aschaffenburg aufgewachsene Bausch 2004 den Traum vom eigenen Kino erfüllt. Aus einer ehemaligen, heruntergekommenen Spielhalle am Bahnhof hat er ein renommiertes Haus mit drei Leinwänden und 270 Plätzen geschaffen, das seither alljährlich sowohl auf die BKM-Prämie als auch auf den Bayerischen Kinopreis abonniert ist. Mehr noch - 2015 ist dem 37Jährigen das Kunststück gelungen, den bayerischen Hauptkinopreis nach 2009 bereits zum zweiten Mal zu gewinnen.
Großes schwebt Bausch unterdessen auch für die neuen Standorte in Frankfurt vor. Rund 200.000 Euro will er demnächst investieren, um als erstes das Cinema auszubauen. Das Foyer soll auf das Doppelte erweitert werden, was voraussichtlich für Juni, wenn die Fußball-EM läuft, eine zweiwöchige Schließung mit sich bringen wird. Dazu will er die schwierige Eingangspassage neugestalten und modernisieren, um für mehr Gastlichkeit und Komfort zu sorgen und um für Premierenabende künftig ein gehobeneres Ambiente bieten zu können. "Denn Kino ist mehr als nur Film", so seine Überzeugung.
Auch programmlich will Bausch neue Wege beschreiten, nicht auf einen Schlag, aber behutsam. Er will, wie er es ausdrückt, das Profil schärfen. Vor allem die Harmonie will er als junges, modernes Arthouse-Kino positionieren, das sich mehr noch kantigen, gewagten, mitunter auch experimentellen Produktionen zuwenden darf. Das Cinema dagegen soll in erster Linie weiter als gediegenes, ansprechendes Premierenkino für Filmkunst verstanden werden, das sich allerdings Schritt für Schritt auch solchen Titeln öffnen soll, die nicht nur das Wohlfühl-Kino der Best-Ager-Generation bedienen wie etwa die Bille August-Familienschlacht "Silent Heart", die im März auf die Leinwand kam.
Und er möchte mehr als bisher die Zusammenarbeit mit anderen Kultureinrichtungen in der Stadt pflegen. Das schlösse mit ein, auch fallweise wieder Werbespots zu zeigen, soweit sie sich auf kulturelle oder kulturnahe Institutionen beziehen. Auf kommerzielle Werbung allerdings will er genauso wie sein Vorgänger uneingeschränkt verzichten.
So scheint es, ist die Zukunft der beiden beliebten Frankfurter Kinoadressen durch die jüngst vollzogene Nachfolgeregelung bis auf weiteres gesichert. Zumal die Verträge mit den Eigentümern der jeweiligen Liegenschaft bis 2025 und 2026 laufen. Lange genug, wie Bausch sagt, um wirtschaftlich vernünftig agieren zu können. Mit rund 80.000 Besuchern kalkuliert Bausch in Aschaffenburg. Ähnliche Größenordnungen legt er auch für die Frankfurter Standorte zugrunde. Dass er sie erreicht, müsste in einer Metrople wir Frankfurt zu erwarten sein.
Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)
Schlagworte: Kino, Filmkultur, Filmwirtschaft, Auszeichnung
