GRIP 54
01.05.2016
Wo die freien Frauen wohnen
Die Frankfurter Filmemacherin Uschi Madeisky erhält den Elisabeth Selbert-Preis
Von Daniel Güthert
Eine ganz besondere Ehrung ist der Frankfurter Filmemacherin und Produzentin Uschi Madeisky Ende vergangenen Jahres zuteil geworden. Für ihr vier Jahrzehnte umspannendes, engagiertes Filmschaffen ist ihr der Elisabeth-Selbert-Preis 2015 des Landes Hessen verliehen worden, mit dem alle zwei Jahre Persönlichkeiten gewürdigt werden, die sich in herausragender Weise um die Gleichstellung von Männern und Frauen in der Gesellschaft einsetzen und womit der Namensgeberin gedacht werden soll, die als eine der vier "Mütter des Grundgesetzes" und Verfechterin der Gleichberechtigung von Männern und Frauen in die Geschichte eingegangen ist.
In ihren mit einer visionären Kraft beseelten Filmen, so die Jury, habe die Preisträgerin nicht nur unseren Blick auf ferne Kontinente gelenkt, sondern uns Beispiele geliefert von Gesellschaftsformen, in denen "ein friedliches und partnerschaftliches Miteinander von Frauen und Männern im Zeichen von Toleranz und gegenseitigem Respekt" gelebt wird. In mehr als einem halben Dutzend Dokumentionen hat die studierte Soziologin und Pädagogin matriachalisch geprägte Kulturen rund um den Globus erkundet - in Indien, Ozenanien, Eritrea und zuletzt in China, wo sie in Co-Regie mit Daniela Parr und Dgmar Margotsdotter ihren jüngsten Film "Wo die freien Frauen wohnen" (2014) gedreht hat – das faszinierende Porträt der Mosuo-Frauen am südchinesischen Lugu-See.
Noch während ihres Studiums gründete Madeisky 1974 zusammen mit dem Regisseur Klaus Werner die Colorama-Filmproduktion mit Sitz in Frankfurt. Fortan entsteht eine Fülle progressiver Erziehungsfilme, die sehr erfolgreich in den damaligen ZDF-Reihen "Schüler-Express" und "Kinder – Kinder" zu bester Sendezeit liefen. Ein weiteres Hauptthema, dem sich das Duo in seiner Arbeit verschrieb, waren Reportagen zu alternativer Medizin und Naturheilkunde, was in jenen politisch bewegten Tagen auf breite Resonanz stieß. Und 1981 verhalfen sie Hilmar Hoffmann zu einem Leinwandauftritt in ihrem Spielfilm "Kleiner Mann, was tun?", worin der legendäre Frankfurter Kulturpapst einen verständnisvoll-gütigen Amtsleiter verkörpert, der sich gegen die Ausweisung einer türkischen Familie aus Deutschland verwendet. Ein Thema, dem sich Madeisky wiederholt in ihren Filmbeiträgen zugewandt hat.
Mit dem Selbert-Preis wird die 66-Jährige aber nicht für ihr filmisches Oeuvre gewürdigt, sondern auch für ihr langjähriges soziales und filmpolitisches Engagement. Gut drei Jahrzehnte gehörte sie dem Vorstand des Hessischen Film- und Kinobüros an, stritt für den Ausbau der alternativen Kino- und Festivalszene und beteiligte sich an verschiedensten politischen Initiativen, wie etwa als Gründungsmitglied an der Stiftung Maecenia e.V., die für die Förderung von Frauen in Kultur und Wissenschaft eintritt. So ist Madeisky in Anerkennung ihres gesellschaftlichen Einsatzes auch von der Stadt Frankfurt ausgezeichnet worden – 2002 mit dem Tony-Sender-Preis.
Neben Uschi Madeisky hat die Landesregierung den mit 10.000 Euro dotierten Elisabeth-Selbert-Preis ex aequo auch den Filmemacherinnen des Fernsehfilms "Sternstunde ihres Lebens" (Erica von Moeller, Ulla Ziemann, Juliane Thevissen) zuerkannt. In der ARD-Produktion ist der Lebensweg der Juristin und Politikerin Elisabeth Selbert nachgezeichnet, vor allem ihr Einsatz darum, den Gleichstellungsgrundsatz ins Grundgesetz aufzunehmen, was sie 1948 schließlich auch erreicht hat.
Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)
Schlagworte: Dokumentarfilm, Filmemacher*in, Auszeichnung
