GRIP 54
01.05.2016
Von Drehgenehmigungen, Verkehrsabsperrungen und anderen Hürden
Die Beratungsstelle Film beim Presse- und Informationsamt Frankfurt
Von Andrea Wenzek
Eine attraktive Darstellerin steht erwartungsvoll auf Frankfurts berühmtester Fußgängerbrücke. In der Anschlusseinstellung steht ihr Angebeteter auf der anderen Seite und strebt ihr lächelnd entgegen. Solche und ähnliche Sequenzen kommen uns doch irgendwie bekannt vor, oder? „Der Eiserne Steg und das Mainufer sind sehr beliebt, aber auch belebt“ kommentiert Beate Collin von der Beratungsstelle Film der Stadt Frankfurt das Interesse von Filmproduzenten, genau hier drehen zu wollen. Es gab Zeiten, da tat sich das Ordnungsamt schwer, an stark frequentierten Orten Drehgenehmigungen zu erteilen. Man war die Beschwerdebriefe der Bürger leid. Seitdem das Presse- und Informationsamt (PIA) der Stadt 2007 die Beratungsstelle Film eingerichtet hat, ist die Lage wesentlich entspannter. Das ist das Ergebnis Beate Collins kontinuierlicher Vermittlungsarbeit zwischen Produzenten und den zuständigen Behörden: „Ich hatte vorgeschlagen, am Set regelmäßige Pausen zu machen, damit die Fußgänger zwischendurch den Steg nutzen können. Und es sollten Schutzmaßnahmen eingehalten werden, das heißt, man durfte nicht mit dem Kamerawagen herumfahren.“ Die Idee kam beim Ordnungsamt gut an. Für Matthias Schweighöfers „What a Man“ konnte Collin dem Grünflächenamt mit denselben Auflagen sogar einen Dreh im Chinesischen Garten abringen.
Die Servicestelle für Filmschaffende hat das Ziel, Frankfurt am Main als Schauplatz für Film- und Fernsehproduktionen attraktiver zu machen. Warum sie im PIA angesiedelt ist, hat laut Amtsleiter Nicolaus Münster mit Image-Arbeit zu tun: „Ein hier gedrehter Film gibt der Stadt einfach ein gutes Image.“ Die Beratungsstelle Film vermittelt nicht nur zwischen Filmschaffenden und der städtischen Verwaltung. Sie unterstützt auch die Arbeit von Filmproduktionen, wenn es zum Beispiel um Drehorte in städtischen Liegenschaften geht, so auch geschehen bei Filmen wie „Alles ist Liebe” von Markus Groller und bei Guilio Ricciarellis Drama über die Vorgeschichte der Ausschwitz-Prozesse „Im Labyrinth des Schweigens“. Dank des Einsatzes von Oberbürgermeister Peter Feldmann für Ricciarellis Film gelang es, Dreharbeiten im Höchster Bolongaro-Palast und im Römer durchzuführen. „Nur im Gerichtsgebäude konnten keine stattfinden.“ räumt Collin ein.
Die Beratungsstelle hat partiell die gleichen Aufgaben wie die seit 2001 tätige Film Commission Hessen. Beide kooperieren eng miteinander. „Nur haben wir Frankfurt als Drehplatz im Focus“, erläutert PIA-Leiter Münster und erzählt von den Anfängen der Beratungsstelle: „Während der WM 2006 hatte die FIFA das PIA beauftragt, internationalen TV-Teams in Frankfurt zu helfen. Frau Collin begleitete die Teams. Danach wurde deutlich, dass Frankfurt als Drehort eine wichtigere Rolle als bisher spielen sollte, und daraus hatte sich die Stabsstelle entwickelt.“ Die Kooperation zwischen PIA und der Film Commission fing gleich danach an: „Ich hatte 2007 begonnen, Locations der Stadt zu sammeln, zu fotografieren und sie mit den Ansprechpartnern der Behörden in die Datenbank der Film Commission einzugeben“ berichtet Beate Collin. Heute organisieren beide Institutionen gemeinsam etwa Location Touren und den jährlichen „Runden Tisch“, an dem Vertreter der zuständigen Ämter, das Servicecenter Veranstaltungen und eine Auswahl von Filmschaffenden teilnehmen. Dort geht es nicht nur um Verkehrsabsperrungen, sondern auch, so Nikolaus Münster, um einen Rückblick auf die Zusammenarbeit: „Wo haben Abläufe gut funktioniert, was kann man besser machen?“
„Die Stadt Frankfurt sollte mehr in die Kommunikation investieren“, unterstreicht Münster, „personell sind wir zu knapp aufgestellt. Zum Beispiel haben wir nur anderthalb besetzte Redakteursstellen im Bereich Bewegtbild.“ Dazu gehören unter anderem Stadtteilfilme, die Kurzfilmreihe „FRANKFURT-insights - die 1000 Wunder Frankfurts“ und das fortlaufend aktualisierte Archiv mit Luft- und Straßenaufnahmen Frankfurts, die auch Filmschaffenden zur Verfügung stehen.
Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)
Schlagworte: Filmpolitik, Dreharbeiten, Filmproduktion, Spielfilm, Imagefilm
