GRIP 54

01.05.2016

Ein Strukturwandel als Zeichen des Aufbruchs

Mit dem Personalwechsel in Vorstand und Leitung verfolgt das Film- und Kinobüro neue Ziele

Von Johanna Süß

Ende 2015 entschied sich der Sprecher des Film- und Kinobüros Hessen (FKBH), der Frankfurter Filmproduzent Daniel Zuta, sein Amt im Verband niederzulegen. Der in Frankfurt ansässige Produzent international erfolgreicher Filme und Mitgründer des Filmhauses Frankfurt gehörte über sechs Jahre dem Vorstand an und war in dieser Zeit maßgeblich an der Restrukturierung der hessischen Förderlandschaft beteiligt, die mit der jüngst vollzogenen Gründung der Hessen Film und Medien GmbH vorerst ihren Abschluss fand. Nach mehr als dreißig Jahren Filmpolitik in verschiedensten Funktionen war es Zutas Wunsch, sich künftig wieder vollständig auf seine Arbeit als Produzent zu konzentrieren.

Mit seinem Nachfolger Martin Urban, Producer bei Black Pearl Film und Programmmacher beim Pupille Kino an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, haben sich die Mitglieder des Film- und Kinobüros für eine deutliche Verjüngung des Vorstands entschieden. Eingeleitet wurde dieser Prozess bereits im Vorjahr durch die Wahl von Holger Ziegler (Filmtheater Valentin), Stefan Huber (liberation-movies) und Johanna Süß (LICHTER Filmfest) als Neumitglieder im Vorstand des Film- und Kinobüros. Als Dienstältester ist Klaus-Peter Roth dem Gremium erhalten geblieben, der wie kein zweiter die Historie und die Strukturen des Interessenverbands kennt.

Als ältester und größter Verein zur Förderung der Filmkultur in Hessen engagiert sich das Film- und Kinobüro Hessen seit über dreißig Jahren für die filmkulturelle Entwicklung und für die Pflege des filmkulturellen Erbes. Durch den Zusammenschluss aus Filmemachern, Kinos und Festivals hat sich das FKBH im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte zum Zentrum für die Vernetzung und den Dialog hessischer Film- und Kinomacher entwickelt. Daraus sind erfolgreiche Projekte wie der Kino-Sommer Hessen, die Unterstützung hessischer Kinos bei Digitalisierungsmaßnahmen und zahlreiche Filmabspielringe entstanden.

Bis Anfang 2016 unterhielt das FKBH die Geschäftsstelle der kulturellen Filmförderung des Landes Hessen (HFF-Land) und der Hessischen Rundfunk Filmförderung (HFF-hr). Aus den gewachsenen Netzwerkstrukturen sind Synergien entstanden, die essentiell für die erfolgreiche und vertrauensvolle Planung, Organisation und Abwicklung aller Projekte des FKBH sind. Gleichermaßen bündelt das FKBH wertvolle und produktive Impulse seiner Mitglieder, die das FKBH zur Weiterentwicklung der hessischen Filmkultur in die richtigen Kanäle leitet.

In Zukunft jedoch soll auch die Filmszene wieder stärker in den Fokus des FKBH rücken. In Arbeitsgruppen haben Mitglieder, Vorstand und Geschäftsstelle beschlossen, die Einrichtung einem Reformprozess zu unterziehen, der das Fortbestehen des Film- und Kinobüros dauerhaft gewährleisten soll. Im Kern wird die vorrangige Zielsetzung, der Erhalt einer filmkulturellen Vielfalt, insbesondere auch im ländlichen Raum, sein. Filmproduktionsprozesse und die Filmförderung insgesamt sollen gestärkt und weiterentwickelt werden, wozu der Ausbau von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen als auch die Beratung zu zusätzlichen Finanzierungsinstrumenten gehört. Intensiviert werden soll zudem die Kooperation zwischen der Branche und den Hochschulen als auch anderen anderen Kulturträgern. Und nicht zuletzt gilt es, die Medienkompetenz und gesellschaftliche Partizipation zu fördern.

Um diesen Reformprozess als zentrale Aufgabe voranzubringen, konnte das Filmbüro Christoph Oliver Strunck in leitender Funktion gewinnen. Er ist seit 15 Jahren als Autor, Regisseur und Filmproduzent tätig und hat sich in etlichen ehrenamtlichen Funktionen der Initiative Hessen Film einen Namen gemacht. Als Geschäftsführer bleibt Erwin Heberling weiterhin im Amt.

Das Reformkonzept und die damit verbundene Personaländerung wurden vom Vorstand initiiert und von den Vereinsmitgliedern, unter anderem in der jährlichen Mitgliederversammlung, einhellig begrüßt. Mit der Reform reagiert das FKBH auf die aktuellen Veränderungen in Hessen. Es geht darum, die bestmöglichen Angebote für die hessische Film- und Kinoszene, insbesondere für junge Talente und den Nachwuchs, zu erarbeiten und gemeinsam auf den Weg zu bringen. Das FKBH engagiert sich deshalb um den Fortbestand ihrer institutionellen Förderung über das Jahr 2017 hinaus.

Es ist der Wunsch des FKBH, an den formulierten Zielen gemeinsam mit den hessischen Initiativen und Verbänden, dem HMWK und nicht zuletzt mit der HessenFilm und Medien GmbH zu arbeiten. Die Vertreter des FKBH freuen sich auf einen konstruktiven und kontinuierlichen Dialog.

* Die Autorin ist Mitglied im Vorstand des Hessischen Film- und Kinobüros

Kategorie: Gastbeitrag (ehemals Selbstdarstellungen von institutioneneigenen Mitarbeitern / ab GRIP 63)

Schlagworte: Filmkultur, Institution, Kino, Filmpolitik, Filmförderung

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