GRIP 54

01.05.2016

Die Hessische Filmförderung in neuem Gewand

Welche Veränderungen hält das neue GmbH-Modell für die Branche bereit?

Von Daniel Güthert

Die Jahre der Ungewissheit sind vorüber. Zumindest weiß die heimische Film- und Kinoszene nun, woran sie ist. Die Film- und Medienförderung in Hessen wird künftig von einer GmbH durchdekliniert, an deren Spitze der erfahrene Film- und Fernsehproduzent Hans-Joachim Mendig berufen worden ist. Jemand, der im Mediengeschäft als bestens vernetzt gilt und der mittels seines hohen Standings dem Standort zu neuen, nachhaltigen Impulsen verhelfen soll.

Seit Jahr und Tag hatte die heimische Branche das Nebeneinander unübersichtlicher Strukturen beklagt, wodurch Abläufe kompliziert worden seien und die Außendarstellung des Landes gelitten habe. Das Ziel war, im Dialog mit der Politik entsprechende Veränderungen zu erreichen. Das betraf die Neugliederung, aber auch strukturelle Änderungen für das Wirtschaftsprogramm Hessen Invest – Stichwort Bankbürgschaften, Stichwort Verzinsung, Stichwort Focus Germany. Und nicht zuletzt hatte sich die Branche auch eine Anhebung der Mittel erhofft, die im übrigen, was den Bereich kultureller Projekte anbelangt, nicht um einen einzigen Cent erhöht worden sind in den letzten 15 Jahren.

Untern Strich muss man nun feststellen, dass der Neubeginn eher unspektakulär vonstatten ging. Die gesellschaftsrechtliche Gründung der GmbH ist erfolgt, für die das Land den Hessischen Rundfunk (hr) als Mitgesellschafter mit einem Minianteil von 10 Prozent gewinnen konnte. Und schließlich hat man mit Mendig auch den Geschäftsführer benannt. Ansonsten aber alles beim Alten. Der Konjunkturtopf in Höhe von 5 Millionen Euro wird weiter als Bankenprodukt (WiBank) gehandhabt, die Verzinsung des Darlehens auf sieben Jahre ist ebenfalls nicht vom Tisch. Sie ist lediglich von zwei auf ein Prozent abgesenkt. Die Verbesserung der finanziellen Ausstattung – Fehlanzeige. Und ob die Anerkennung und Aufnahme in den Dachverband der deutschen Länderförderungen Focus Germany gelingt, wird man sehen. Dem Vernehmen nach führt Mendig bereits intensive Gespräche mit der Verbandsführung.

Auch beim Personal, was man grundsätzlich begrüßen kann, sind nennenswerten Änderungen nicht zu registrieren. Die drei Förderreferentinnen der WiBank als auch die Mitarbeiterinnen der bisherigen Kulturförderungen von Land und hr auf dem Bertramshof machen weiter wie gehabt. Die GmbH wird ihre Belegschaft darüber hinaus jedoch aufstocken. Personaleinsparungen als Folge der Verschlankung? Ebenfalls Fehlanzeige. Die bisherigen Verwaltungskosten für Wibank und Kulturförderung, die sich in der Vergangenheit bereits auf 700.000 Euro beliefen, werden laut neuem Geschäftsführer höher liegen. Er spricht von 800.000 Euro.

Und kaum Neues schließlich in punkto Richtlinien oder programmatischer Justierung. Die scharfe Trennlinie zwischen kommerzieller und kultureller Ausrichtung ist unverändert. Was Hessen Invest war, ist jetzt in den neuen Statuten der "Filmfinanzierungsfonds" – mit demselben Budget wie bisher (5 Millionen Euro), derselben Abwicklung (WiBank), denselben Erfordernissen beim Hesseneffekt und der eigenen Jury. Und was bisherige kulturelle Förderung von Land und hr war, nennt sich jetzt gemäß Ziffer A der Richtlinien Zuschussfinanzierung und soll Projekte bis maximal 300.000 Euro Herstellungskosten bedienen, unabhängig vom Genre. Dieser Bereich verfügte bis dato über 1,7 Millionen Euro (920.000 Land und 750.000 Euro hr) und wird auch in Zukunft exakt diesen Betrag verwalten.

Neu ist allenfalls, dass TV-Produktionen ausdrücklich als förderungswürdig jetzt mit im Maßnahmenkatalog aufgenommen sind, soweit es sich um "kulturell bedeutende, qualitativ hochwertige Fernseharbeiten" handelt. 700.000 Euro sollen dafür jährlich bereit gestellt werden, die, so ist das Verständnis der Gesellschafter, gekoppelt sein sollen an die bisherige Einlage des hr, den berühmten Kabelgroschen in Höhe von 750.000 Euro pro Jahr.

Zu guter Letzt sticht eine andere Neuerung ins Auge. Die Nachwuchsförderung soll erklärtermaßen verstärkt werden und das vor allem auch durch die Einrichtung eines Slate Funding. Von 200.000 Euro ist die Rede, die dafür im Gesamtbudget vorgesehen werden sollen.

Die Förderkriterien ansonsten unterscheiden sich nicht fundamental von den bisherigen Bestimmungen. In zwei Punkten sind sie allerdings verschärft worden. Der sogenannte Hesseneffekt von 100 Prozent, der für die wirtschaftlichen Förderzusagen gilt, ist ab sofort ist auch für die kulturelle Projekte in der genannten Größenordnung verbindlich vorgeschrieben. Und zweitens müssen Antragsteller für Produktionsförderung neuerdings einen Gewerbeschein vorlegen, was zwar den Regularien anderer Länderförderer entspricht, aber für die hessischen Akteure eine zusätzliche Hürde darstellt.

Bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass substantiell wenig Neues erreicht ist. Selbst kostensparende Synergieeffekte sind nicht in Sicht. Im Gegenteil. Die Verwaltung wird noch ausgebaut, obwohl kein Euro mehr an Fördermitteln bereit steht. Und ebenso klar auf der Hand liegt, dass die wirtschaftliche Akzentuierung auch in Zukunft Vorrang haben wird. Die Mittel der WiBank in Höhe von 5 Millionen sind nach Auskunft Mendigs nicht disponibel, sondern ausschließlich für den Filmfinanzierungsfonds, sprich für die Bezuschussung kommerzieller Vorhaben abrufbar. Die angestrebten kulturellen Zielsetzungen können nur aus den verbleibenden Margen bewerkstelligt werden. Die Spielräume sind demzufolge nicht größer geworden. Aber das hatte vermutlich auch niemand erwartet.

Kategorie: Hintergrundbericht (GRIP FORUM)

Schlagworte: Filmförderung, TV/Rundfunk, Kulturförderung, Nachwuchs, Wirtschaftsförderung

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