GRIP 41
01.11.2009
Full Media Service aus einer Hand
Eine der ersten Adressen für Postproduction und Synchronisation in Rhein-Main: die Offenbacher Metz-Neun-Synchron GmbH
Von Daniel Güthert
Was Standortpolitik heißt, kann man am Beispiel der Offenbacher Synchronfirma Metz-Neun studieren. Als das Unternehmen Mitte der 90er Jahre enorm expandierte und neue Räumlichkeiten suchte, war auch ein Wechsel nach Frankfurt im Gespräch. Selbst eine Kooperation mit der Frankfurter Topadresse in Sachen Postproduction, dem Werk, stand im Raum. Doch welches Projekt eines Medienzentrums auch immer, es stieß auf wenig Resonanz bei der Politik. "Für Frankfurt war das wohl zu klein", so vermutet die Firmeninhaberin Ingrid Metz-Neun heute.
Dagegen habe sich die Offenbacher Wirtschaftsförderung unter Amtsleiter Jürgen Amberger kolossal ins Zeug gelegt, um den Betrieb am Standort zu halten. "Sogar Oberbürgermeister Grandke hat sich damals eingeschaltet," wie sich Metz-Neun erinnert. So fiel ihr die Entscheidung nicht schwer, in Offenbach zu bleiben, zumal sie ein Objekt erwerben konnte, das voll und ganz den wirtschaftlichen Erfordernissen entsprach. So residiert das kleine Firmenimperium seit 1998 in einem prächtigen Klinkerbau der Jahrhundertwende, einer ehemaligen Lederfabrik, auf über 900 Quadratmetern, mit drei Tonstudios, einem Dutzend digitaler Schnittplätze, eigenem Kinosaal und 14 festen Mitarbeitern derzeit.
Etwa 50 bis 60 Spielfilme jährlich werden in Offenbach synchronisiert, in erster Linie für das Fernsehen und die DVD-Auswertung, für Firmen wie beispielweise die Frankfurter Century Fox, Euro-Video, VCL oder National Geographics, für die 60 Dokumentarfilme betreut worden sind. Zu den Auftragsarbeiten gehören vielfach Genrereihen wie die populären Bollywoodfilme, auch türkische Titel, aber auch Kinderfilme oder Serien, wie jüngst die derb-anzügliche, kanadische Comic-Reihe "Tripping the Rift" für den TV-Sender DMax mit 26 Halbstunden-Folgen. Und die nächste Staffel stehe nach Aussage der Firmenchefin auch schon in Aussicht.
Gegründet hat die gelernte Schauspielerin und Sprecherin ihren Betrieb 1988, in Dietzenbach, an ihrem Wohnort damals, bis sie 1990 nach Offenbach wechselte. Der Boom der privaten Sender hatte ihr eine florierende Auftragslage gesichert. Inzwischen tritt die Chefin, die zumeist auch die Dialogbücher schreibt und die Synchron-Regie übernimmt, kürzer. Aufträge hätte sie nach wie vor genug, aber der Preisverfall auf dem DVD-Sektor beeinträchtige das Geschäft spürbar. 20.000 bis 40.000 Euro für die Synchronisation eines Filmes, das sei weniger als vor zehn Jahren, beklagt Metz-Neun.
So erwirtschaftet der Bereich Media, Sound & Pictures heute doppelt soviel Umsatz wie der eigentliche Synchronbetrieb. 1995 war das zweite Standbein der digitalen Bildbearbeitung hinzugekommen, das seither von Gunnar Ohlenschläger, dem Sohn der Firmengründerin, geleitet wird. Etwa 200 Image-, Industrie- oder Werbefilme entstehen hier im Jahr, werden am Computer generiert, geschnitten, vertont und endbearbeitet. Viele hunderttausend Euro sind in den vergangenen Jahren gezielt in die Modernisierung der Technik geflossen. So verfügt das Haus heute über ein gutes Dutzend neuester Bildbearbeitungs- und Grafikplätze, darunter die Hälfte in aktueller HD-Technologie von Quantel, Apple und Autodesk, womit das Offenbacher Medienunternehmen führend im HD-Bereich ist.
So stellt das Synchronstudio nur ein Teilsegment im Angebot dieser Full-Service-Firma dar, wozu schließlich auch noch eine Schule für Synchronausbildung ("Voice-Feeling") und ein Hörbuchlabel ("Voice-Art) zählen, gemanagt alles von der umtriebigen Firmeninhaberin, deren Markenzeichen ihre Stimme ist. Eine Stimme im übrigen, die jeder kennt. Jeder zumindest, der Bahn oder Bus fährt: Für über 40 Verkehrsgesellschaften in Deutschland – so auch in Frankfurt am Main – macht sie die Fahrzielansagen. Und seit neuestem nimmt sie akustisch auch die Autofahrer an die Hand: durch ihre Anweisungen im Navigationsgerät. In einer Stimme, die einen umschmeichelt, jugendlich-apart, mit einem erotischen Timbre im Tonfall. Das machte sie so erfolgreich als Sprecherin für unzählige Werbespots und Filme, bereits in den 70er Jahren, als ihre Karriere begann. Und womit überhaupt alles anfing. Aber das wiederum ist eine andere Geschichte.
Kategorie: Hintergrundbericht (GRIP FORUM)
Schlagworte: Postproduktion, Werbefilm, Imagefilm, Filmpolitik, Wirtschaftsförderung
