GRIP 41

01.11.2009

Frankfurt als Filmstadt profilieren

Eine Podiumsdiskussion mit dem neuen Frankfurter Wirtschaftsdezernenten Markus Frank (CDU) über den Stellenwert der Filmwirtschaft am Standort Frankfurt am Main

Von Daniel Güthert

Der neue Wirtschaftsdezernent der Stadt Frankfurt am Main, Markus Frank (CDU), seit Mai 2009 im Amt, möchte, daß die Kreativwirtschaft der Mainmetropole an Bedeutung gewinnt und dabei namentlich die Filmwirtschaft weiter nach vorne kommt. Mit diesem Bekenntnis zur Filmbranche eröffnete Frank eine Podiumsdiskussion, zu der der Medienmittwoch in seiner Juli-Veranstaltung ins Museum für Kommunikation geladen hatte. Frank machte damit auch seine Absicht klar, das dezidierte Engagement seiner Amtsvorgängers Boris Rhein (CDU) in dieser Hinsicht fortsetzen zu wollen.

In seinem etwas trocken geratenen Impulsreferat listete Frank zunächst schematisch altbekannte Zahlen und Erfolge auf, die den Anspruch der Stadt als bedeutendem Medienstandort unterstreichen sollten. Viele prominente Institutionen und Firmen hätten ihren Sitz in Frankfurt; unzählige Festivals schmückten den Kulturkalender der Stadt. Über 1000 Drehgenehmigungen habe die Verwaltung 2008 ausgestellt, was wiederum die Attraktivität der Bankenmetropole als Filmkulisse belege. Und mit circa 440 Unternehmen und annähernd 3.500 Mitarbeitern im Kammerbezirk habe die Branche 2006 einen Umsatz von über 210 Millionen Euro generiert. Doch nicht nur als Wirtschaftsfaktor wolle er die Branche verstanden wissen, sondern vor allem auch als Imageträger: "Jeder Film, der in Frankfurt gedreht wird, ist zugleich Werbung für die Stadt." Insofern sei es die erklärte Absicht der Politik, sich auch künftig als Partner der Kreativsparte zu empfehlen, indem sie verdienstvolle Projekte, wie etwa die Postproduction-Messe eDIT, weiterhin finanziell mitträgt.

Daß Wunschdenken und Realität allerdings zwei ungleiche Schwestern sind, mußte der CDU-Politker dann in der anschließenden Diskussionsrunde zur Kenntnis nehmen. Die Vertreter der Branche, die aufs Podium geladen waren, kreideten überwiegend Defizite an. Natürlich schien die Gelegenheit willkommen, dem zuständigen Dezernenten Ansatzpunkte für etwaigen Handlungsbedarf aufzuzeigen. So beklagte Guido Hettinger, Medienanwalt (Brehm & v.Moers), daß seine Kanzlei in den vergangenen Jahren fast alle wirtschaftlich nennenswerten Klienten aus der Branche durch Wegzug nach Berlin, München oder NRW verloren habe. Rolf Silber, Regisseur und Autor, sei, so sehr er das Flair der Stadt schätze, nur noch seiner Frau wegen am Main tätig. Und Ralf Schipper, Chef der Tempomedia Filmproduktion, der drittgrößten Werbefilmfirma in Deutschland, mußte einräumen, daß man in Frankfurt zwar den Firmensitz unterhalte, die Dreharbeiten aber zu 90 Prozent am zweiten Standort erfolgten, nämlich in Hamburg.

Einhelligkeit aber bestand darin, daß die Strukturprobleme nicht auf Stadt-, sondern nur auf Landesebene zu beheben seien, sprich durch den Ausbau der Förderetats. "Das Medium Film ist nun mal ein sehr teures Geschäft;" so Filmproduzent Karl-Eberhard Schäfer (U5-Filmproduktion). "Da muß sich ein Filmproduzent zwangsläufig in Richtung der Standorte orientieren, die das Geld haben, wie Berlin, München oder NRW."

Immerhin sei, so Schäfer weiter, mit dem Förderprogramm Hessen Invest Film, das seit 2002 aufgelegt wird, ein Anfang gemacht. Derzeit stehe eine Neuordnung der hessischen Filmförderung im Raum, wobei sich, so die Empfehlung Schäfers an den Wirtschaftsdezernenten, die Stadt als Gesellschafter einer geplanten Film- und Medien-GmbH gut einbringen könnte: "Das würde auch dem Image der Finanzmetropole helfen."

So mag der Abend aus Sicht des CDU-Politikers Frank eine gewisse Ernüchterung ausgelöst haben, aber umsonst war er sicherlich nicht.

Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)

Schlagworte: Filmwirtschaft, Politiker*in, Filmförderung, Filmpolitik

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