GRIP 41
01.11.2009
Die Kunst des Cutters
Mit seiner 12. Ausgabe ist es dem eDIT Filmmaker’s Festival gelungen, sich als internationale Plattform für Filmschaffende zu etablieren.
Von Daniel Güthert
Seit jeher besticht das Programm der eDIT durch herausragende Angebote. Doch die Vielzahl internationaler Film-Organisationen, die die Schirmherrin, die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst Eva Kühne-Hörmann (CDU), bei der Eröffnungsgala begrüßte, dokumentiert, wie wichtig das Festival inzwischen als Networking-Plattform geworden ist. Dabei kommt den Veranstaltern die Partnerschaft mit den internationalen Cutter- und Kameraverbänden ACE und IMAGO zugute, was sich zugleich in der Programmvielfalt niederschlägt.
So zieht Festivalleiter Sebastian Popp auch eine positive Bilanz: „Trotz der Wirtschaftskrise konnten wir die Teilnehmerzahlen des Vorjahres halten. Wir hatten zunächst entsprechende Befürchtungen und tatsächlich sind viele Unternehmen mit weniger Leuten gekommen als früher. Das ist aber über neue Teilnehmer gerade aus den Bereichen Schnitt und Kamera mehr als aufgefangen worden.“ Das bestätigt auch Programmchef Rolf Krämer aus anderer Perspektive: „Formal und inhaltlich anspruchsvolle Präsentationen wie „Editing of Slumdog Millionaire“ mit Oscar-Sieger Chris Dickens oder der Kamerasystemvergleich des britischen Kameraverbandes BSC stehen mittlerweile auf einer Stufe mit den beeindruckenden Visual-Effects-Präsentationen, die die internationale Experten seit Jahren auf der eDIT vortragen.“
Welche Entwicklung das Festival künftig nehmen wird, ist zur Stunde jedoch ungewiss. Grundsätzlich hat die Landesregierung als Hauptträger den Ausbau des Festivals im Koalitionsvertrag fixiert; zunächst allerdings ist die Organisation der Veranstaltung europaweit ausgeschrieben und muß in einem Bieterverfahren vergeben werden. Den Ausschreibungsunterlagen zufolge könnten dabei die Eröffnungsgala und das angedockte Filmprogramm „Best of Filmfestival“ durchaus getrennt vom Festival an unterschiedliche Veranstalter vergeben werden.
„Dabei ist es gerade das vielfältig verquickte Gesamtpaket, das die eDIT so einzigartig macht“, wie Rolf Krämer betont. Schon die Eröffnungsgala mit den Ehrungen herausragender Filmschaffender veranschauliche, was mit „Sachglamour“ gemeint sei. Wenn etwa Regiestar Tim Burton in seinem "chaotisch" geschnittenen Videogruß an den Preisträger, den Hollywood-Cutter Chris Lebenzon, sehr humorvoll klar macht, worin die Kunst des Cutters besteht, so sei das gewolltes Entertainment auf höchstem Niveau. Was auch nur möglich sei, weil das Festival auch internationalen Top-Stars wie Paul McCartney oder Johnny Depp glaubhaft vermittelt, dass es hier nicht um Profite oder Werbung geht, sondern um das Filmemachen, the art of storytelling und die Protagonisten selbst.
Bestens besucht waren nach Bekunden der Organisatoren auch die Nachwuchsveranstaltung „eDIT-eDucation“ und die „eDIT-Film Lectures“ am Sonntag. „Die Workshops in der IHK waren teilweise dreifach überbucht,“ so Festivaldirektor Popp. Neben der Qualität der Veranstaltungen ist von Teilnehmern wie Gästen insgesamt die kreative Atmosphäre des Festivals und vor allem die Nähe zu den großen Filmschaffenden hervorgehoben worden. „Menschen wie Chris Dickens, Paul Docherty oder auch ein Ricardo Aronovich sind für uns Idole“, sagte ein Filmstudent begeistert, „mit Ihnen über das Filmemachen sprechen und von ihnen lernen zu können ist eine einmalige Gelegenheit.“
Man möchte dem Festival und seinen Trägern wünschen, dass sie den bisher demonstrierten langen Atem bei der Entwicklung dieses bewährten Konzepts beibehalten, damit der Filmstandort Frankfurt/Rhein-Main international, aber auch regional davon profitieren kann. Das eDIT Filmmaker’s Festival versammelt internationale Koryphäen und bietet zugleich der heimischen Branche die Gelegenheit, in Veranstaltungen, Workshops und in Filmvorführungen zusammenzukommen und sich auszutauschen.
Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)
Schlagworte: Festival, Postproduktion
