GRIP 27
01.08.2002
Grußwort
der Geschäftsführerin der Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e.V. (SPIO), Christiane von Wahlert
Von Christiane von Wahlert
Das Kinojahr 2001 war ein Jahr der Superlative. 177,9 Millionen Kinobesuche, fast 17 % mehr als im Jahr 2000. 2,2 mal gingen die Deutschen letztes Jahr durchschnittlich ins Kino, hier erreichen wir allmählich den europäischen Durchschnittsbesuch – sind aber noch meilenweit von den 5,3 durchschnittlichen jährlichen Kinobesuchen der US-Amerikaner entfernt. 30, 9 Millionen der Besucher haben sich einen deutschen Film angeschaut. Immerhin 9 der 107 im Jahr 2001 gestarteten deutschen Filme haben mehr als 1 Million Besucher angezogen. Das Kinowunder DER SCHUH DES MANITU hat – man glaubt es kaum – mittlerweile über 11 Millionen Besucher und dem deutschen Film im Jahr 2001 den ungewöhnlich hohen Marktanteil von 18,4 % aller Kinobesuche beschert.
Daß die Kinobesuche zunehmen, ist eine gute Sache – auch bitter nötig, denn in den letzten 6 Jahren wurden 2,5 Milliarden Euro in Neubau, Umbau, Renovierung und Modernisierung investiert. Es gibt aber auch bedauerliche Tendenzen zu vermelden. Wir nehmen die Cinematographien unserer Nachbarn, das europäische Kino viel zu wenig wahr. So betrug der Anteil der europäischen Filme am gesamten Verleihumsatz im Jahr 2001 nur 6,5 %. Wenn Europa politisch zusammenwachsen will, so ist hier noch viel zu tun. Und vom Rest der Welt kann man leider fast nur schweigen: neben den 77 % US-Marktanteil entfielen auf alle übrigen Filme dieser Welt gerade mal 0,8 % des Verleihumsatzes.
Das Kino als wunderbarer Spiegel der vielfältigen Kulturen dieser Welt braucht ein Publikum. Filme werden gemacht, um gesehen zu werden. Filmische Bildung, Schule und Kino, Film als Unterrichtsfach, Erschließung neuer Publikumsschichten, Pflege und Förderung des Arthouse-Bereichs – das bleiben wichtige Aufgaben für die Zukunft.
Hier sind Einrichtungen wie das Filmhaus Frankfurt eine unverzichtbare Schnittstelle: filmische Kenntnisse verbreitern, Kontakte zwischen Machern und Publikum fördern, den Nachwuchs animieren, Talente beflügeln.
In diesem Sinne, alles Gute und weiterhin viel Erfolg
Christiane von Wahlert
Kategorie: Grußwort (bis GRIP 62)
Schlagworte: Wirtschaftsförderung, Kino, Filmkultur, Filmpolitik
