GRIP 27
01.08.2002
Editorial GRIP 27
Von Redaktion
Liebe Freundinnen und Freunde,
liebe Leserinnen und Leser,
es hat sich einiges getan in der Film- und Medienbranche in jüngster Vergangenheit, und die meisten Nachrichten waren schlecht. Neben der Kirch-Pleite sind auch andere Unternehmen angeschlagen, sind ins Schlingern geraten oder bereits in der Insolvenz. Von der Misere der Großen liest man in der Presse. Dass auch zahlreiche kleine und mittelständische Betriebe durch die Krise stark betroffen sind, bekommen vor allem deren Mitarbeiter zu spüren. Verunsicherung allenthalben. Da trifft es hessische Filmemacher und Firmen doppelt hart, dass durch die Haushaltssperre der Landesregierung die Mittel der hessischen Filmförderung zunächst eingefroren wurden. Ob und wann die zugesagten Fördergelder ausgezahlt werden, bleibt über Wochen hinweg völlig ungewiss. Die Stimmungslage vor diesem Hintergrund bei den Filmemachern hat Daniel Güthert in einem Beitrag dokumentiert.
Mit dieser Ausgabe der GRIP greifen wir im Forum ein Thema wieder auf, das bereits in Ausgabe Nr. 21 vom Winter 1999/2000 Schwerpunkt war: die Entwicklung der Kinolandschaft. Die Aufbruchstimmung ist der Ernüchterung gewichen. Trotz kontinuierlich steigender Besucherzahlen in Deutschland sind einige der großen Kinoketten in die roten Zahlen gerutscht – eine Entwicklung, die sicherlich einer hausgemachten Krise gleichkommt. Denn dass mit harten Bandagen um Standorte für Kinoneubauten gekämpft wurde, resultierte nicht selten in einem Überangebot an Leinwänden. Der Verdrängungswettbewerb traf in der Anfangszeit vor allem kleine und mittelständische Betreiber, hat aber mittlerweile deutlich auch auf die Marktführer zurückgeschlagen. Wir beleuchten den bundesweiten Status quo, die Entwicklung in Hessen und die spezielle Situation in Frankfurt, wo der Strukturwandel in der Kinobranche zu enormen Veränderungen geführt hat.
Eine Branche vorübergehend in der Krise, das sollte kein Grund sein, die Ausbildung in diesem Bereich zu vernachlässigen. Im Gegenteil: gerade die aktuellen Schwierigkeiten sollten dazu führen, die Ausbildung im Medienbereich stärker zu fördern. Denn das die Medien einer der wichtigsten Wirtschaftsbereiche in Europa sind, wird wohl niemand ernstlich bezweifeln wollen. Wir setzen daher unsere Reihe über Medienausbildung in Hessen mit einem Bericht über den Fachbereich Medienwirtschaft der FH Wiesbaden und einem Plädoyer für eine Aufwertung der Filmausbildung an den Kunsthochschulen fort.
Drei Artikel berichten über Firmen, die trotz aller Probleme Erfolge verbuchen können. So ist Bibo TV aus Bad Homburg Zentrum eines Gesellschafterkonsortiums, das ab 2003 mit Ballungsraumfernsehen für das Rhein-Main-Gebiet an den Start gehen wird. Das Firmenporträt befasst sich mit der MBF, weithin bekannten Provider für Filmtechnik, und dem Regisseur Claudio Malasomma, Inhaber der Frankfurter Bella Vista Film, gilt unser Künstlerporträt.
Im Mittelteil der GRIP findet sich, wie gewohnt, unser Programm, ein Angebot an Seminaren zu allen Bereichen des Filmschaffens.
Viel Vergnügen bei der Lektüre von GRIP 27 wünscht
Ihre GRIP Redaktion
Kategorie: Editorial
Schlagworte: GRIP, Filmförderung, Kino
