GRIP 16

01.03.1997

Von E wie EFDO bis M wie Mediengestalter

Januar-Jour Fixe im Filmhaus Frankfurt

Von Dieter Brockmeyer

In der Tat, es war wieder eine spannende Mischung, die sich im Januar den Anwesenden des schon traditionellen Jour Fixe im Filmhaus Frankfurt stellte. Da war zum einen Anne Marburger von der Media Antenne Düsseldorf, die das Media II Programm der Europäischen Kommission präsentierte. Zum anderen stellte Peter Braune von der Frankfurter Industrie- und Handelskammer, IHK, deren Aktivitäten vor, bei den neuen aufstrebenden Medienberufen auch mit ebensolchen Ausbildungsgängen für Schulabgänger aufzuwarten.

Braune stellte gleich zu Anfang seiner Ausführungen fest, zu Medienberufen gelangt man heute im Normalfall als Seiteneinsteiger. Diese Erkenntnis wurde bei ihm zuvor genährt, als es in Anne Marburgers Referat unter anderem auch über die Media Business School ging, einem wesentlichen Baustein europäischer Medienförderung, die die Professionalität der Branche auf grenzüberschreitendem Niveau sichern soll. So lauschte er auch eine ganze Weile der Diskussion, die das sehr komplexe Thema der Produktionsförderung aus Brüssel provoziert hatte.

Kritik an neuem Programm

Dort stehen immerhin für die nächsten vier Jahre rund 620 Millionen DM zur Ausschüttung bereit. Freilich, zieht man Verwaltungs- und ähnliche Fixkosten ab, reduziert sich dieser Betrag auf immerhin noch sehr erkleckliche 120 Millionen DM, die pro Jahr den Produzenten zur Verfügung gestellt werden können. Das Programm ist die Fortführung des Medial-Programms, das in seiner neuen Gestalt durchaus auf Kritik aus der Produktionswirtschaft stieß. Vor allen Dingen, daß die Förderungen nunmehr zentral von einem Gremium in Brüssel vergeben werden und auch vormals erfolgreiche dezentrale Organisationsstrukturen dem neuen Eurozentrismus zum Opfer fielen, erregten den geballten Branchenunmut. Marburger kann den Unmut durchaus verstehen: »Es ist nicht ganz nachvollziebar, daß auch gutgehende Institutionen wie EFDO, die größtenteils ihre Darlehen wieder zurückbekommen haben, jetzt gestrichen werden. Aber das war vor allem eine politische Entscheidung.« Sie verwies aber darauf, daß kein Know How verloren ginge. Die bisherigen Leiter der Institutionen arbeiteten nach wie vor Brüssel zu.

Auch die Diskussion im Frankfurter Filmhaus ließ den Schluß zu, daß Marburger in den vergangenen Monaten schon des öfteren die Kommissionsentscheidung rechtfertigen mußte. Harte Zeiten also für die insgesamt fünf deutschen Büros, genannt Media Antennen, die Produzenten über Fördermöglichkeiten informieren und ihnen bei der Bewerbung zu einer Projektförderung helfen sollen. Das ist auch nötig, sieht ein Antragsteller sich doch einem wahren Dschungel an Regeln der Eurokratie konfrontiert, die es unbedingt einzuhalten gilt, soll sein Projekt nicht schon gleich am Anfang aussortiert werden. So müssen die Drehbücher entweder in englischer oder französischer Sprache vorgelegt werden, Treatments gar in beiden. Das Media II Programm fördert die Produktionsvorbereitung bis zum ersten Drehtag. Maximal 50 Prozent der Kosten bis zu einer Obergrenze von knapp 70.000 D-Mark (35.000 ECU) können in Brüssel in Form eines Darlehens beantragt werden.

Schwerer Stand

Ob dieser Flut an branchenfremder Informationen muß Peter Braune sich in der Tal etwas fremd gefühlt haben. Ist seine Aufgabe bei der IHK doch, darum zu werben, daß Unternehmen jungen Schulabgängern eine anerkannte Berufsausbildung, auch in neuen Berufsfeldern, ermöglichen. Allen anderslautenden kritischen Stimmen zum Trotz, der IHK-Mann ist davon überzeugt, Ausbildung rechnet sich für Unternehmen. Spätestens ab dem zweiten oder dritten Ausbildungsjahr bringe ein Auszubildender dem Unternehmen mehr, als er koste. Vor allen Dingen in den wirtschaftlichen Wachstumsfeldern der elektronischen Medien, in denen immer neue Berufsfelder entstehen, die noch nirgends formal niedergelegt sind, will er neue Ausbildungspotentiale schaffen: »Kommen Sie zu uns, und reden Sie mit uns. Wir können relativ schnell eine Lösung für Ihr Unternehmen finden«, beschwor er die im Auditorium versammelten Freiberufler. Aber auch von Seiten der wenigen anwesenden Vertreter von Produktionsunternehmen bekam er Gegenwind. Für einen Produzenten sei es vielfach bedeutend einfacher und schneller, sich einen Computerfreak etwa für Postproduktionsaufgaben im eigenen Haus aufzubauen, als einen Auszubildenden zum Mediengestalter zu beschäftigen, lautete das Argument aus dem Publikum.

Doch auch Braune versuchte zu kontern. Dauerte es früher im Schnitt bis zu zehn Jahren, bis ein neuer Ausbildungsberuf anerkannt war, hätte man den Prozeß heute erheblich beschleunigt. Schon nach etwa zwei Jahren könne man inzwischen mit einer Anerkennung rechnen. Auch die formalen Kriterien für ein Unternehmen, überhaupt ausbilden zu dürfen, seien erheblich gelockert worden. Heinrich von Pierer, Siemens-Vorstand, war zwar nicht auf dem Jour Fixe des Filmhauses in Frankfurt, aber nur eine Woche später zeichnete er auf einer Veranstaltung der Deutschen Telekom in München ein völlig anderes Bild: »Die Schaffung neuer Ausbildungsberufe dauert in Deutschland noch immer zu lang! «

Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)

Schlagworte: Filmhaus Frankfurt, Ausbildung/Weiterbildung/Studium, Filmförderung

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