GRIP 16

01.03.1997

Hessische Filmförderung

Etwas Bewegung ist in die Film- und Medienszenerie Hessens gekommen: Neue Richtlinien der Hessischen Filmförderung sind verabschiedet, der Hessische Rundfunk bietet die neue HR-Filmförderung aus dem Kabelgroschen an, und schließlich wird derzeit ein Programm zur Förderung des Medienstandortes Hessen aufgelegt. Andererseits: gerade mal 1, 8 Millionen Mark stehen an Fördergeldern heuer zur Verfügung - rund 10 Prozentweniger als in den beiden Vorjahren. Wo also soll der Zug hingehen? Kann man mit diesen spärlichen Etatansätzen überhaupt wirkungsvolle Filmpolitik betreiben? Ein Gespräch mit der Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Christine Hohmann-Dennhardt. Die Fragen stellte Daniel Güthert

Von Daniel Güthert

Grip: Vor Jahresfrist sind die neuen Richtlinien der Hessischen Filmförderung verabschiedet worden. Was sind die wesentlichen Eckpunkte?

HD: Wir haben versucht, mit den neuen Richtlinien, die wir auf einer ganz breiten Basis erstellt haben, deutlich zu machen, daß es für uns hier in Hessen drei Säulen der Filmförderung gibt. Das ist einmal die Produktionsförderung inklusive der Verleiharbeit an ganz wesentlicher Stelle, zum zweiten die Abspielförderung und als dritte Säule dann die Hessische Filmpreisvergabe, die wir wesentlich verstärkt haben. Soweit also zur Struktur, die auch haushaltstechnisch umgesetzt ist, indem die vorhandenen Fördermittel gleichwertig auf die drei Bereiche verteilt werden.

Grip: In welcher Größenordnung bewegen sich die 1997 in den Haushalt eingestellten Zuwendungssummen?

HD: Grob kann gesagt werden, daß wir zwischen 650.000 und 700.000 Mark sowohl für den produktionsfördernden Bereich als auch für den Abspielbereich zur Verfügung stellen - mit den jeweiligen Unterkategorien. Der Rest bezieht sich auf die Preise mit einer Kalkulationsgröße von rund 340.000 Mark plus Verwaltungskosten. Hinzurechnen müssen Sie dann noch, und das ist ein besonders erfreulicher Akzent, die Förderung des Hessischen Rundfunks für den Produktionsbereich mit der Zusage, mindestens 1 Million Mark im Jahr dafür bereitzustellen.

Grip: Insgesamt beläuft sich also die Pauschalzuweisung auf 1, 8 Millionen Mark. Sind darin die knapp 180.000 Mark für das Deutsche Institut für Filmkunde (DIF) eingeschlossen?

HD: Ja richtig. Die müssen daraus bedient werden, genauso wie das Sekretariat für die Filmförderung, das beim Filmbüro Hessen angeschlossen ist und derzeit 230. 000 Mark erhält. Weswegen ja mein Bestreben war - bei aller Autonomie dieses Sekretariats - die verwaltenden Kosten so niedrig wie möglich zu halten, damit wir mehr Geld aus dem Gesamttopf haben für die Produktions- und Abspielförderung.

Grip: Wie wird die Finanzlage für 1998 ausschauen?

HD: Ich gehe davon aus, daß auch 1998 die Mittel in dieser Größenordnung zur Verfügung stehen werden.

Grip: Nun sind diese Summen, verglichen mit etlichen anderen Bundesländern wirklich nicht üppig. Kann denn aus Ihrer Sicht gleichwohl wirkungsvolle Filmpolitik gemacht werden und wo sehen Sie die Schwerpunkte?

HD: Sicherlich kann man auch mit bescheidenen Mitteln Standortförderung betreiben. Ich bin nicht so vermessen bin zu behaupten, wir hätten viele Mittel. Der entscheidende Unterschied aber zu anderen Bundesländern ist, daß wir keine Vermischung vornehmen zwischen dem künstlerisch-kulturellen Anspruch und einer Wirtschaftszuordnung. Deshalb die deutliche Akzentuierung. Wir machen kulturelle Filmförderung und stützen das kreative Potential Hessens. Zweitens bestand in den Diskussionen am runden Tisch Einigkeit, daß der Hessenbezug verdeutlicht werden soll, bei gleichzeitiger Öffnung für andere Ländermodelle, und drittens haben wir gesagt, wir wollen uns inhaltlich auf unsere Stärken hier in Hessen konzentrieren, das heißt wir wollen insbesondere junge Filmschaffende unterstützen, deren Erstlingswerke sowie den Dokumentar- und Experimentalfilm. Demgemäß haben wir die neuen Richtlinien akzentuiert, was sich zum Beispiel in den Hochschul- und Drehbuchpreisen niederschlägt.

Grip: Tatsache aber ist und bleibt, daß die Mittel eher gering sind. Wäre es von daher nicht naheliegend, die Mittel zu bündeln anstatt im Gießkannenprinzip zu verteilen?

HD: Es war einhellige Auffassung aller Beteiligten am runden Tisch, das nicht zu tun, sondern Film- und Abspielförderung als gleichgewichtige Säulen zu betrachten. Angesichts der Multiplexe und des ungeheuren Wettbewerbs im Abspielbereich war uns gerade auch an einem klaren Bekenntnis zur Abspielseite gelegen, während die Produktionsförderung parallel einen deutlichen Schub durch die HR-Mittel erfahren hat. Insofern war es sicherlich ein gutes Ergebnis der Gespräche insgesamt.

Grip: Anders als andere Bundesländer vergibt Hessen die Fördergelder von vornherein als Zuschüsse, nicht als bedingt rückzahlbare Darlehen. Haben Sie den Glauben an eventuelle Rückflüsse schon aufgegeben?

HD: Das basiert auf der wohl realistischen wie anständigen Überlegung: wir wollen mit den ohnehin geringen Mitteln nicht die Macher strangulieren, indem wir im Erfolgsfalle abkassieren. Unsere erklärte Absicht ist, die künstlerische Arbeit mit den zugesprochenen Mitteln zu würdigen, frei jeder weiteren Zweckbindung.

Grip: Ohne nun am Sinn der kulturellen Förderung zu rühren - es wäre doch denkbar, sie seitens des Wirtschaftsministers sinnvoll zu ergänzen. Stichwort Incentive Funding. Warum geschieht in der Hinsicht nichts?

HD: Also man kann nicht sagen, daß es in Hessen keine Wirtschaftsförderung oder keine Existenzgründungsprogramme gäbe. Es sind beispielsweise ganz konkrete Anstrengungen unternommen worden bezogen auf den Umgang mit Risikokapital. Davon können durchaus alle Unternehmen auch der Film- und Kinobranche profitieren. Das ist kein closed shop. Richtig aber ist, daß es keine spezifischen Wirtschaftsförderprogramme für diesen Sektor gibt.

Grip: Aber wie steht es mit der Initiative, ein Programm zur Medienförderung in Hessen aufzulegen?

HD: Richtig. Im Bereich Medien ist jetzt eine Anstoßfinanzierung in Höhe von 3 Millionen Mark bereitgestellt, um die Stärkung des Medienstandortes Hessen voranzubringen. Die Durchführung des Programms liegt federführend in der Staatskanzlei, findet aber in enger Kooperation mit meinem Ministerium statt und dabei ist die Frage Film ein Baustein unter anderen.

Grip: Nochmal zurück zur wirtschaftlichen Filmförderung im Sinne von Incentive Funding, also Bürgschaftserklärungen, Ausfallgarantien oder Zinsvergünstigen - welche Chancen sehen Sie dafür?

HD: Es ist natürlich schwierig, in Zeiten in denen die Finanzrahmen sehr eng und knapp sind, Neues zu kreieren und Spezialtöpfe aufzubauen. Deshalb kann ich hier kaum berechtigte Hoffnungen machen, daß wir ein größeres Programm der Filmförderung unter wirtschaftlichen Aspekten im Lande Hessen auflegen werden.

Grip: Stichwort HR-Filmförderung. 1 Million Mark hat der HR zugesichert jährlich, die aus den Rundfunkgebühren, dem Kabelgroschen, abgezwackt wird. Wie wird das Nebeneinander von zwei Förderprogrammen geregelt sein, inhaltlich und verwaltungstechnisch?

HD: Es gibt jetzt zwei von einander unabhängige Fördertöpfe. Und ich will gar nicht verhehlen, daß ich anfangs durchaus auch die Variante eines gemeinsamen Topfes gesehen habe, was aber die Filmszene erklärtermaßen nicht wollte. Somit hat der HR auch eigene Jurys, die aber über das Vorschlagsrecht der Gruppen und Verbände personell durchaus miteinader sinnvoll verzahnt sind.

Grip: Wie sieht die administrative Struktur aus?

HD: Allein schon aus Gründen der Kosten war klar, sollte die Koordination der beiden Förderwege unter einem Dach erfolgen. Vom HR kam das Angebot, sich an den Verwaltungskosten durch die Bereitstellung von Sachmitteln, d. h. Räumlichkeiten, Infrastruktur etc., zu beteiligen. Dagegen wurde Skepsis aus Teilen der Filmszene laut, die eine Vereinnahmung durch den HR und ein Auseinanderbrechen der gewachsenen Strukturen fürchtete. Mit einem erweitertem Angebot vom HR sind diese Befürchtungen weitestgehend ausgeräumt. Es zeichnet sich ab, daß nach langen und durchaus kontroversen Beratungen der maßgeblichen Institutionen die gemeinsame Konstruktion gefunden ist und den Segen des Hessischen Filmbüros, das im übrigen bereits auch die ersten Einreichtermine der HR-Förderung abgewickelt hat, erhalten wird.

Grip: Letzte Frage. Die Verleihung des Hessischen Filmpreises war in der Vergangenheit bisweilen eine peinliche Veranstaltung. Nach den neuen Richtlinien soll das in Zukunft anders werden.

HD: Jahr für Jahr gab es, so zumindest habe ich mir berichten lassen, eine Diskussion darüber, ob die Form der Darstellung wirklich die geeignete ist, um ein helles Spotlight auf die Szene zu werfen. Denn so ein einmaliger Anlaß im Jahr ist auch Börse und Kommunikationsort und geeignet, ein Wir-Gefühl entstehen zu lassen. Von daher wollten wir das auf andere Füße stellen und haben im letzten Jahr das Wagnis unternommen, den Rahmen in enger Zusammenarbeit mit der »Taunus Film« und dem Geschäftsführer des HDF, Herrn von Verschuer, nach unseren spezifischen Akzenten zu gestalten. Die Resonanz war insgesamt überaus positiv, so daß wir den Weg in dieser Richtung fortsetzen werden. Auch in diesem Jahr werden wir uns an die »Taunus-Film« « wenden und zugleich in konkrete Verhandlungen mit dem HR hinsichtlich einer Übertragung der Preisverleihung eintreten. Darin sehe ich ein deutliches Signal und eine erfreuliche Symbolik, anzuknüpfen an die Tradition der Stadt Wiesbaden.

Kategorie: Interview

Schlagworte: Filmförderung, Filmpolitik, Politiker*in

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