GRIP 16
01.03.1997
Fuck politics
Von Christel Brunn
Was es in Hessen gibt
- Goldene Palmen, silberne und bronzene Löwen. Grimmepreise.
- Millionenumsätze, Hunderte von Arbeitsplätzen. Potential: enorm.
- Erste Ränge unter den besten deutschen Werbefilmproduktionen.
- Den weltweit renommiertesten Spielfilmkunstverleih.
- Die ersten deutschen Adressen für Postproduction und Special Effects.
- (Film-)Musikproduktionen und Betriebe für Filmperipherie, gefragt von Produzenten aus der ganzen Republik.
- Einige der besten Dokumentarfilmköpfe im deutschsprachigen Raum.
- Internationale Co-Produktionen - ob Fernsehspiel oder Dokumentarfilm - von Amerika bis Pakistan.
Europa? - Selbstredend.
- Eine wachsende ambitionierte Szene von Multimedia- und Online-Produzenten.
- Regisseure von Kinofilmen, die das Publikum mag.
- Kluge Köpfe, Vernetzer.
- Ein verblüffendes Potential von kreativen Querdenkern: wirtschaftlich und künstlerisch.
- Die letzten 15 Jahre in Hessen: eigentlich eine Erfolgsstory in Sachen Film und Medien.
Was es in Hessen aber nicht gibt
- Engagierte und informierte Medienpolitiker, die diesen Namen auch verdienen.
- Für die Medienpolitik mehr als politische Proporzsicherung ist.
- Und mehr als die Frage, ob Al Bundy das deutsche Kulturgut zerstört.
- Bei keiner Partei.
- Offensive Standortpolitik.
- Im besten Sinn und ganz ohne Subventionsgemauschel.
- Wirtschaftsförderung, die Hessen auch nur ansatzweise konkurrenzfähig mit anderen Bundesländern macht. Im Gefolge: positive Effekte in vielen anderen Branchen. Gastronomie, Handwerk, Hi-Tech.
- Eine Lobby der hessischen Film- und Medienschaffenden, die die wirtschaftliche und künstlerische Leistung und das Wachstumspotential ALLER angemessen kommuniziert und produktiv organisiert.
Stattdessen
- Eine winzige, aber lärmende Pseudo-Lobby, deren künstlerischer und wirtschaftlicher Horizont über den eigenen Stammtisch nicht hinausreicht.
- 20 Jahre vertane Standort-Chancen, die in anderen Bundesländern geschickt genutzt wurden.
- Politikerdamen und -herren, die ihr Desinteresse in Sachen Film und Neue Medien auch noch offensiv vor sich hertragen.
- Sonntagsreden und Schnittchen.
Was es in Hessen wohl geben wird
- Strategische Bündnisse der eingesessenen hessischen Produzenten mit Produzenten und Medienschaffenden in anderen Bundesländern, um die politischen Standortnachteile notdürftig zu kompensieren.
- Viele Filme aus allen Genres, die nicht in Hessen hergestellt werden.
- Viel Geld- in Hessen generiert - das in anderen Bundesländern ausgegeben wird.
- Viele neue Arbeitsplätze: in Nordrhein-Westfalen, in Baden- Württemberg, in Bayern, Berlin und in Hamburg.
- Weiterhin aufwendige Informationsbeschaffung für hessische Produzenten.
- Schwaches Image der hessischen Standorte.
- Zu hohe Produktionskosten.
- Abwandernder Nachwuchs.
- Auf Dauer die vier größten Probleme.
- Weiterhin hohe Auszeichnungen und gute Umsätze.
- Für die, die schon da sind.
- Immer dünnere Luft für die nächste Generation in Hessen.
- Hessen als Medienstandort zunehmend bedeutungslos.
- Schade eigentlich.
Kategorie: Hintergrundbericht (GRIP FORUM)
Schlagworte: Filmpolitik, Filmproduktion
GRIP 16
Editorial
IMPRESSUM
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Ein Blick von außen - Filmland Hessen
Fuck politics
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