GRIP 16
01.03.1997
Experimentalfilm
Von Roland Krüger
Film ist ein Medium der Zeit und des Lichts, Filmemachen besteht aus der Beschäftigung mit Zeit und Geld. Zu Beginn der 80er Jahre habe ich in Frankfurt an der Städelschule zunächst Kunst, später ausschließlich Film bei Peter Kubelka studiert, mit der Perspektive, das Herstellen von Filmen als eigenständige Kunstgattung auszuüben. Etwa so, wie ein Maler ein Bild oder ein Bildhauer eine Skulptur anfertigt - ganz allein und möglichst unabhängig. Das bedeutet, daß jeder Arbeitsschritt in der Hand des Künstlers liegt, angefangen von der Konzeption, dem Buch (falls vorhanden), der Kameraarbeit, Beleuchtung, Regie, Ton, Schnitt, Originalschnitt (und vielleicht gar die Filmentwicklung) bis hin zur Produktion, Finanzierung, Vorführung. Offensichtlich ist hier eine ganze Menge Arbeit zu leisten, die deshalb üblicherweise unter mehreren Personen aufgeteilt wird.
Der Ehrgeiz, Filme ganz allein, mit größtmöglicher Unabhängigkeit von Geld, Mitarbeitern und auch einem möglichen Publikum zu machen, hat bei mir zu einer technisch stark reduzierten, einer auf das für Film absolut Wesentliche beschränkten Arbeitsweise geführt. Dadurch kosten die Filme wenig Geld, wogegen mein Zeitaufwand relativ hoch ist. Zwangsläufig kann man mit diesen Filmen auch kaum Geld verdienen, so daß ich von anderer Arbeit lebe, so wie viele meiner Freunde.
In Frankfurt sind auf diese Weise in den letzten zwei Jahrzehnten viele interessante Arbeiten entstanden, die aber kaum wahrgenommen werden, da offenbar die Vermittlung nicht richtig funktioniert. Bei unserer letzten Veranstaltung, der Filmwoche im Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Uni Frankfurt war fast jede Vorführung ausverkauft - ein offensichtliches Zeichen von Interesse. Andererseits war in der Tagespresse zu der Veranstaltungsreihe überhaupt nichts zu lesen. Es mag sein, daß es schwierig ist, über solche Filme zu schreiben. Aber andere, nicht minder schwer zugängliche Kunstgattungen finden in der Presse regelmäßig Beachtung. Beispielsweise wurde jede der zu der Filmreihe gehörenden Bilderausstellungen - zum Teil von denselben Filmemachern - im Forum der Frankfurter Sparkasse in Zeitungsartikeln besprochen.
Um eine bessere Präsenz in der Öffentlichkeit zu erreichen, haben wir die Initiative Experimentalfilm gegründet. Wir hoffen, daß durch gemeinsame Arbeit sowohl der Informationsaustausch untereinander, als auch die Vermittlung künstlerischer Filme gefördert wird. Hierzu suchen wir interessierte Mitglieder und vor allem auch Leute, die sich aktiv an der Vermittlungsarbeit beteiligen.
Initiative Experimentalfilm:
Roland Krüger, Lenau str. 46, 60318 Frankfurt, Tel. 069-5963911
Kategorie: Gastbeitrag (ehemals Selbstdarstellungen von institutioneneigenen Mitarbeitern / ab GRIP 63)
Schlagworte: Experimentalfilm
