GRIP 16

01.03.1997

Editorial

Von Redaktion

Endlich Frühling in Hessen, Zeit des Neubeginns, auf zu neuen Taten! Daß aber nicht nur die Bäume ausschlagen, sondern auch einzelne Vertreter der viel-zitierten »hessischen Filmszene«, zeigt deutlich: der Winter ist noch nicht für alle vorbei. Es sind nicht Wenige, die der Zukunft der Filmförderung beim Hessischen Rundfunk mit größter Skepsis und warnend erhobenem Zeigefinger entgegensehen. Vielleicht stellt sich ja in ein paar Jahren, nach ein paar Förderterminen, heraus, daß diese Zweifler recht hatten. Andererseits: es ist nicht DIE hessische Filmszene, für die einzelne Vertreter der Filmvereine sprechen. DIE hessische Filmszene ist ein Mythos, der am liebsten dann bemüht wird, wenn es um die Interessen der einen oder anderen Lobby geht. Daher ist immer dann besondere Skepsis angesagt, wenn die Meinung einzelner kurzerhand zur Meinung aller erklärt wird. In dieser Ausgabe der Grip kommen verschiedene Einzelpersonen zu Wort, die ihre persönliche Meinung zum Filmland Hessen und den Entwicklungen der jüngsten Zeit äußern. Neben Zorn, Rat- und Orientierungslosigkeit ist in manchen Texten aber auch durchaus Trotz, Mut und Humor zu erkennen. »Wir sind besser als unser Ruf«, bilanziert z. B. Dieter Brockmeyer in seiner »Bestandsaufnahme einer Medienregion«, und Elfriede Schmitt fallen - zugegeben nach einigem Nachdenken - schließlich doch noch ein paar Hessen-Highlights ein. Christel Brunn zeigt in ihrem Text mit dem provokanten Titel »Fuck Politics«, daß die größten Defizite nicht bei den Machern zu finden sind, deren Erfolge, hintereinander aufgeführt, »eigentlich eine Erfolgsstory« darstellen. Und so ist es »eigentlich schade«, daß das vorhandene Potential so wenig genutzt wird. »Mehr Experimentierfreude« vermutet Otmar Hitzelberger bei den Kölner Kollegen in seiner nicht ganz bierernsten Betrachtung »Hallo Frankfurt oder prost Kölsch«.

Wie geteilt die Meinungen der doch angeblich so homogenen »Szene« sind, erkennt der Leser/die Leserin dieser Grip nicht zuletzt an der sehr unterschiedlichen Einschätzung der Arbeit hessischer Politiker/-innen. Die Äußerungen reichen von »offensivem Desinteresse« (Brunn) bis zu »neuem Elan« (Frickel). Damit sich jede/r selbst ein Bild machen kann, sprach Daniel Güthert mit Christine Hohmann- Dennhardt, der hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst, die an den neuen Richtlinien für die Filmförderung mitgebastelt hat.

Ach ja: gearbeitet wurde auch in Hessen. Von aufregenden Proben und Dreharbeiten mit Jean-Marie Straub und Daniele Huillet im Sendesaal des HR berichtet Karl Erhard Thumm: »Das erste Mal in der Geschichte wird ein Opernfilm ganz und gar live produziert«.

Zu den oben erwähnten Hessen-Highlights gehören erfreulicherweise auch die Seminare und die jour-fixe-Reihe des Filmhauses, über die wir wieder ausführlich berichten.

Der Winter war lang und kalt. Auf einen milden Frühling und einen heißen Sommer freut sich

die Redaktion

Kategorie: Editorial

Schlagworte: GRIP, Filmförderung

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