GRIP 13
01.11.1995
Neues aus dem Filmhaus
Von Ernst Szebedits
Der Verein Filmhaus Frankfurt e. V. hat einen neuen Vorstand gewählt: wiedergewählt wurden Leo Poth (Trickfilmerin) und David Ungureit (Autor), neu hinzugekommen ist Siggi Drees (Aufnahme- und Produktionsleiter). Reinhard Oswalt (Redakteur) hat sich nach nunmehr fünfjähriger Vorstandsarbeit nicht mehr zur Wahl gestellt. An dieser Stelle sei deshalb Reinhard Oswalt nochmals ausdrücklich für seine engagierte Arbeit im Vorstand gedankt. Er bleibt uns natürlich als aktives Vereinsmitglied erhalten.
Wie immer können wir neue Mitglieder begrüßen: Timothy Bechtel, Veronika Hass, Fabian Hildenbrand und Tom Holzhauser. Für eine Firmenmitgliedschaft hat sich die Fa. MBF-Filmtechnik entschieden, die in der Vergangenheit schon viele Seminare des Filmhauses unterstützt bzw. mit Technik ausgestattet hat. Als weiteres Firmenmitglied begrüßen wir die K&K-Filmservice, Karin Bartl und Kai Knüttel. Herzlich willkommen!
Unser Veranstaltungsprogramm für die Monate Januar bis April umfaßt einige bekannte und bewährte Seminare. Darüber hinaus sind auch diesesmal neue Projekte hinzugekommen. Henner Drescher, Künstler, Foto- und Filmausstatter, wird ein entsprechendes Seminar - Film-Ausstattung - leiten; Thomas Carle, Autor und Regisseur, leitet ein neues Drehbuchseminar (zwischen Fiction und Dokumentation), Thomas Frickel, Autor, Regisseur und Produzent, vermittelt Kenntnisse zum Dokumentarfilm. Zwei weitere Seminare - Dramaturgie der Filmanfänge, mit dem Autor und Regisseur Klaus Gietinger; Dramaturgie des Kinderfilms, mit Autor und Regisseur Fred Noczynski verstärken unseren Schwerpunkt „Drehbuch“. Die Probleme der „freien Freien“ im Bereich Fernsehen behandelt der Filmemacher Bruno Schneider. Da immer wieder rechtliche und finanzielle Fragen an das Filmhaus herangetragen werden, haben wir unsere Veranstaltung zum Urheberrecht ausgebaut zu einer „Reihe Rechte-Finanzierung-Marketing“. Die Anwälte Wolfgang Brehm und Andreas Schardt, beide mit der nationalen und internationalen Film- und Fernsehbranche beruflich bestens vertraut, informieren über Urheberrechte, Projekt-Development, Koproduktionsverträge usw. Diese Reihe wird im Mai mit weiteren Vorträgen zu Finanzierungs- und Rechtsproblemen fortgesetzt; zusätzlich werden wir das Thema Marketing mit entsprechenden Fachreferenten behandeln. Zum Abschluß dieser Reihe ist eine Diskussion zum Thema Filmfinanzierung u. a. mit Vertretern von Banken, mit Produzenten etc. geplant.
Im Januar findet im Kommunalen Kino Frankfurt zum zweiten Mal eine Woche des afrikanischen Films statt, an der auch das Filmhaus beteiligt ist. Die genauen Termine sind dem Programm des Kommunalen Kinos zu entnehmen. Im Rahmen dieser Filmwoche veranstaltet das Filmhaus am 14.01.96 eine Podiumsdiskussion mit anwesenden Regisseuren.
Hinweisen möchten wir bereits jetzt auf ein Licht-Seminar im Mai. Dieses technisch sehr aufwendige Seminar bereiten wir zur Zeit vor. Gearbeitet wird dabei mit 2 Tänzern und einem Choreographen unter Leitung zweier Beleuchtungs-Spezialisten. Die verschiedenen Übungen werden aufgezeichnet und direkt ausgewertet.
Den bewährten jour fixe werden wir auch im neuen Jahr fortsetzen. Hierzu werden wir jeweils gesondert einladen. 1995 geht zu Ende und der 100. Geburtstag des Films hat viele Feiern gebracht, aber wenig Neues, was dem Film weiterhilft. Ein „Runder Tisch“ im Ministerium für Wissenschaft und Kunst, einberufen von der neuen Ministerin Frau Hohmann-Dennhardt, hat zu einer ersten Bestandsaufnahme der hessischen Situation in der Filmarbeit geführt. Ein zweites Treffen fand am 19.12. statt (zu spät für diese Ausgabe, wir berichten im nächsten Heft). Erfreulich ist, daß die Ministerin den Dialog mit den Vertretern der Filmszene aufgenommen hat. Man wird sehen, wohin er führt. Zu hoffen bleibt, daß ein Ende der Mittelkürzungen eintritt. In den vergangenen beiden Jahren gab es nicht nur Streichungen bei den Zuschüssen der Stadt Frankfurt zum Etat des Filmhauses und Kürzungen bei den Mitteln der Filmförderung durch das Land Hessen; ohne große Aufregung wurde auch die finanzielle Ausstattung des Film- und Kinopreises reduziert.
Die diesjährige Verleihung des Filmpreises, die vielen Filmleuten entgangen ist, da sie keine Einladung erhielten, war genauso schlicht wie im vergangenen Jahr. Man kann über den hessischen Filmpreis denken, wie man will. Wenn man ihn vergibt, muß man ein inhaltliches (Vergabe-)Konzept haben und dazu ein Veranstaltungskonzept, welches diese Inhalte auch vermittelt. Lust- und freudlos, schlecht organisiert, ohne Dramaturgie und Konzept wurden aber auch dieses Jahr Urkunden und Schecks weitergereicht. Daß die Preisverleihung für das anwesende Publikum mangels Mikrofonen weitgehend als „Stummfilm“ ablief, machte fast schon wieder den Reiz aus - eine unfreiwillige Verbeugung vor den Anfängen der (stummen) Filmgeschichte.
Die Filmschau, auch eine Veranstaltung, die mehr Öffentlichkeit verdient hätte, sollte, so unser Vorschlag, mit der Filmpreisvergabe verbunden werden, um beiden Veranstaltungen etwas mehr Licht, Ton und Aufmerksamkeit zu verschaffen. Legt man beiden Veranstaltungen ein (gemeinsames) Konzept zugrunde, könnte etwas entstehen, was Lust auf Film und auf Kino macht und zugleich die hessische Filmszene (re-)präsentiert. Wie geht es weiter mit der hessischen Filmförderung? Nach vielen Diskussionsrunden im Hessischen Rundfunk liegen sie nun vor: die Richtlinien für die Vergabe der „hr- Filmförderung (hr-FF)“, die die bisherige Hessische Filmförderung ergänzen wird. Drei Jury-Mitglieder (ein Mitglied wird vom hr bestimmt) werden künftig zusätzlich Fördermittel in Höhe von mindestens 1 Mio. DM an hessische Produktionen (bzw. Produktionen in Hessen) aller Genres und Längen vergeben. Die Förderung erstreckt sich auf die „Herstellung von Filmen, auch als Koproduktionen, einschließlich Drehbuchförderung und produktionsvorbereitende Maßnahmen“ bis zu max. 50% der Gesamtkosten; für besondere Projekte filmkultureller oder filmwirtschaftlicher Art können in Ausnahmefällen bis zu 10% der Mittel vergeben werden.
Ab sofort können ausführliche Informationen zur hr-Filmförderung im Filmhaus Frankfurt und der Geschäftsstelle der Hessischen Filmförderung abgefragt werden. Förderungsanträge sind bei der Geschäftsstelle der Hessischen Filmförderung einzureichen.
Die Hessische Filmförderung und die hr-Filmförderung werden in nächster Zeit Anlaß zu massiven Diskussionen geben. Wir werden sowohl in GRIP als auch in den Diskussionen des jour fixe dieses Thema weiter behandeln.
Übrigens: für diejenigen, die es immer noch nicht wissen - die Geschäftsstelle der Hessischen Filmförderung wird nicht mehr von Jürgen Karg geleitet. Kommissarisch verwaltet Raimond Göbel, Fachmann aus NRW, die Geschäftsstelle. Eine Neuausschreibung der Stelle, soll, wie es heißt, im Januar erfolgen. Der/Die neue Geschäftsführer/in wird wohl beide Filmförderungen betreuen. Also, bewerben...!
Zurück zum Filmhaus: Im November hatten wir die Möglichkeit, im Kulturausschuß der Stadt Frankfurt die Arbeit des Filmhauses zu präsentieren. Eine sehr positive Resonanz aller Parteien (SPD, GRÜNE, CDU) auf den Vortrag läßt für das neue Jahr hoffen. Wir denken, daß wir deutlich machen konnten, daß unsere dort sehr gelobte Arbeit (wir bedanken uns!) nach den vielen Kürzungen nur unter größten Anstrengungen aufrechtzuerhalten ist, und eine weitere Kürzung das nahe Ende des Filmhauses bedeuten würde. Von hier nochmals vielen Dank an die Mitglieder im Kulturausschuß: Wir bauen auf ihre Unterstützung.
Die 3. Ausgabe von GRIP im neuen outfit und mit neuer Struktur liegt nun vor. Die Reaktionen auf die beiden vorhergehenden Ausgaben waren sehr positiv, was uns darin bestärkt, trotz der damit verbundenen erhöhten Kosten, diesen Weg weiter zu verfolgen. Gestaltung, Druck und die Honorare für Autoren sind hierfür die Ursache, zugleich auch die Garantie für mehr formale und inhaltliche Qualität. Wir werden versuchen, über eine steigende Auflage vermehrt Anzeigenkunden zu gewinnen. Gleichwohl geht kein Weg daran vorbei, GRIP künftig zu verkaufen. Was heißt das? Für Filmhaus-Mitglieder wird auch 1996 der Bezug von GRIP kostenlos sein. Alle anderen Bezieher von GRIP werden die nächsten Ausgaben nur noch im Abonnement erhalten. Ohne diese zusätzliche Finanzierung ist es uns nicht möglich, GRIP weiter zu produzieren. Wir bitten hierfür um Verständnis.
Wir freuen uns selbstverständlich auch weiterhin über Vorschläge und Anregungen zur Auswahl der Themen. Und es besteht auch weiterhin die Möglichkeit, eigene Artikel unterzubringen. In den nächsten Ausgaben werden wir die Förderungsdiskussion zwar nicht ganz verlassen, dazu ist dieses Dauerthema viel zu wichtig, gleichwohl hier eine kleine Vorschau auf geplante Schwerpunkte: Wir werden uns mit der Situation des Kinderfilms beschäftigen, mit der Ausbildungssituation in Deutschland (Filmhochschulen, Filmhäuser, Werkstätten etc. ) und verstärkt auch mit der Situation der Drehbuchschulen und -Werkstätten. So weit zu GRIP! Natürlich hoffen wir jetzt auf massenhafte Abonnementbestellungen - nur dann kann es GRIP weiterhin geben.
Bleibt uns zum Schluß nur noch, Ihnen/Euch allen ein erfolgreiches neues Jahr zu wünschen. Es gilt, die nächsten 100 Jahre „Film und Kino“ zu gestalten. Neben Online-Euphorie, Multimedia-Rausch und TV-Fluten wünschen wir Ihnen/Euch und uns auch in Zukunft eine bunte und vielfältige Film- und Kinokultur!
Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)
Schlagworte: Filmhaus Frankfurt
