GRIP 13
01.11.1995
Editorial
Von Redaktion
Beim ersten Durchlesen dieser dritten Ausgabe der GRIP in neuer Gestalt blieben besonders zwei Aussagen in Erinnerung, die miteinander zu korrespondieren scheinen. Die erste stammt aus einem Interview mit Dieter Kosslick, dem Geschäftsführer der Filmstiftung NRW: „Die Konkurrenzsituation besteht darin, daß jeder natürlich den besten Medienstandort haben möchte, weil hier die größten Zuwachsraten locken - und das ist ein Industriezweig, der weitgehend ohne Umweltverschmutzung auskommt. " Die zweite Äußerung stammt aus dem Munde des Frankfurter Autors und Regisseurs Rolf Silber, der ebenfalls für diese GRIP interviewt wurde: „Frankfurt hätte Anfang/Mitte der 80er Jahre Filmstadt werden können, aber sowohl die Stadt, wie auch das Land haben den Anschluß verschlafen und nicht erkannt, was für ein Wirtschaftsfaktor dahinter steht - in den USA zählen Medienprodukte zu den wichtigsten Exportartikeln. "
„Advent, Advent, ein Lichtlein brennt. Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier, und wenn das fünfte Lichtlein brennt, dann hast Du Weihnachten verpennt", möchte man, passend zur Jahreszeit, ergänzen. Übertragen auf die Filmlandschaft feiert man allüberall schon den vierten Advent, während wir hier noch nicht mal die Kerzen haben, geschwiegen denn das dafür nötige Feuer.
Dennoch ist das Film-Neanderthal Hessen kein reines Jammertal. Belege dafür sind die Berichte über das Kino „Traumstern“ und über den Erfolg der Frankfurter Firma „Silver Haze". Auch die Rubrik „Neues aus dem Filmhaus" nimmt von Ausgabe zu Ausgabe an Umfang zu - ein Zeichen dafür, daß sich doch etwas bewegt.
Ein Gespräch mit Peter Zingler setzt unsere Interview-Reihe mit Drehbuchautoren fort. Ebenfalls in der Rubrik „GRIP-Script" findet sich ein erfreulich offener Erfahrungsbericht, von einem der auszog, um in Babelsberg das Drehbuchschreiben zu erlernen.
Natürlich fehlen auch diesmal nicht die Festivalberichte, Buchtips und Filmempfehlungen, mit denen die GRIP in gewohnter Weise umfassend informiert.
Nach 100 Jahren Film bleibt zu hoffen, daß dieses Medium endlich auch hierzulande als das gesehen wird, was es ist: Die Kunstform des ausgehenden Jahrhunderts und der boomende Wirtschaftszweig - und das auch noch umweltfreundlich!
Was will man eigentlich mehr?
Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch wünscht die Redaktion
Kategorie: Editorial
Schlagworte: GRIP
