GRIP 12
01.09.1995
Filmförderung Hamburg
Die im Filmbüro in der Friedensallee angesiedelte und von Filmemachern selbstverwaltete kulturelle Filmförderung ist in der Filmförderung Hamburg GmbH aufgegangen. In der haben jetzt die großen Fernsehproduktionen das Sagen, während das Filmbüro Filmhaus und Zeise-Hallen verwaltet. Nicolaus Schröder sprach mit dem Filmemacher Thomas Tielsch („Schuß Gegenschuß“), der Mitglied im Vorstand des Filmbüros ist.
Von Nicolaus Schröder
Beschäftigt sich das Filmbüro in Zukunft nur noch mit Immobilienverwaltung?
Wir haben unter Filmförderung immer weit mehr verstanden als das Ausschütten von Geldern an einzelne Projekte. Dieses Selbstverständnis ist der einzige Grund, warum die fraglichen Immobilien überhaupt existieren, warum das Low- BudgetFilm-Forum existiert hat, aus dem dann efdo (das europäische Filmbüro) entstanden ist, warum es mit den Zeise- Kinos in Altona überhaupt Kinos mit Vollprogramm gibt. Wir wollen gute Strukturen in der Stadt. Was dabei von uns verwaltet werden muß, wird dann in drei Teufels Namen eben verwaltet.
Was tut das Filmbüro, nachdem es seine wichtigste Aufgabe, eine selbstverwaltete Filmförderung, verloren hat?
Das Filmbüro ist ja nicht die Dienststelle einer Behörde, sondern besteht aus realen Personen, denen ein Behördenbeschluß kaum ihren Sachverstand und den Spaß am Weiterentwickeln von Ideen rauben wird - allenfalls vorübergehend den Spaß. In diesem Sinne werden wir die Arbeit der neuen Förder GmbH kritisch begleiten. Angesichts des von Fernseh- und Wirtschaftsinteressen dominierten Aufsichtsrats, kann das den Förderern selbst doch nur recht sein.
Wie kann das Filmbüro konkret Einfluß nehmen?
Formell gar nicht. Wir können nur eine öffentliche Diskussion führen. Unsere beiden Aufsichtsratsposten in der Förder GmbH fallen dem Filmbüro nicht über einen Verteilungsschlüssel zu. Sie kommen mir eher wie ein athmosphärisches Zugeständnis vor, und ob die freie Szene in drei Jahren da noch vertreten sein wird, ist zumindest ungewiß.
Was möchte das Filmbüro mit Filmhaus und Zeise-Hallen machen?
Wir reißen uns nicht um die Verwaltung der Zeise-Hallen. Den Mietvertrag soll, wenn das Ehepaar Meyer als Besitzer dem zustimmt, die staatliche HaGG übernehmen. Weil die Zeise-Hallen zu den Werten gehören, die das Filmbüro geschaffen hat, sollen die Gewinne, die so eine rein kommerzielle Nutzung ab wirft, in die Filmförderung fließen und nicht in irgendwelche dunklen Bilanzen. Das Filmhaus selbst ist für uns zentral. Wir arbeiten an einer Neukonzeption der Betreiber- und Nutzerstruktur. Was wird überhaupt in Hamburg gebraucht? Wie soll das organisiert werden? Wir definieren das Haus neu, weil es in der jetzigen Form nichts mehr bewegt und weil überdies ein Gegengewicht zu den Entwicklungen in der Friedensallee dringend nötig sein wird. Denn mit der Erweiterung zu Zeise 2 werden sich Fernsehen und auch Werbewirtschaft hier erst wirklich breit machen.
Das wäre der Auftakt einer inhaltlichen Auseinandersetzung. Diese Diskussion kommt reichlich spät.
Daß Konstrukten wie dem Filmbüro nach dreizehn Jahren Arbeit mal die Luft ausgeht, scheint mir normal. Wir nehmen die momentane Krise als Chance. Nach den Jahren eines zuletzt überbordenden Bürobetriebs haben wir jetzt nicht mal mehr einen Geschäftsführer. Was soll’s: Entscheidend ist jetzt, ob der Versuch gelingt, das Filmhaus nochmal zu einem Kommunikations-Pol zu machen. Anders kann eine inhaltliche Diskussion gar nicht entstehen. Tagesordnungspunkte helfen uns nicht weiter.
Alfred Hürmer ist der Geschäftsführer der Film Förderung Hamburg GmbH, mit der die bisherige Aufteilung in kulturelle und wirtschaftliche Filmförderung abgeschafft wird. Der frischgebackene Geschäftsführer, der als Filmproduzent auch im Vorstand der AG der Spielfilmproduzenten sitzt, ist Mitglied im Verwaltungsrat der Filmförderungsanstalt und im europäischen Filmbüro efdo. Der Berliner hat gerade sein Büro in der Friedensallee bezogen. Nicolaus Schröder sprach mit Alfred Hürmer.
Die Filmförderungsgesellschaft löst eine erfolgreiche Filmförderung ab. Was wollen Sie besser machen?
Ich denke, daß die Zusammenlegung der beiden Hamburger Filmförderungen der Entwicklung der letzten Jahre Rechnung trägt. Film ist immer beides gewesen, Kultur und Wirtschaft. Mit der Zusammenlegung werden die Bedingungen besser: Das Gesamtbudget wird größer, die Regularien einfacher, Entscheidungen fallen schneller und Absprachen mit den Filmförderungen anderer Bundesländer sind einfacher möglich.
Ihnen steht ein Aufsichtsrat zur Seite, der mehrheitlich mit Fernsehleuten besetzt ist. Wie begegnen Sie diesem Ausverkauf an das Fernsehen?
Ich finde nicht, daß der Aufsichtsrat von Fernsehleuten dominiert wird. Was die Fernsehförderung angeht, sind die Eckwerte klar beschrieben. Sie richtet sich an Projekte, die für den internationalen Markt konzipiert sind, damit eine Refinanzierung möglich wird. Grundsätzlich muß die Fernsehförderung der Filmförderung gleichgesetzt werden. Es wäre sonst nicht zu vermitteln, warum der eine Geld bekommt und der andere nicht.
Hat Filmförderung einen kulturellen Auftrag?
Selbstverständlich, sie muß die Produktion kulturell wichti- 5 ger, qualitätsvoller Filme fördern und die haben sehr oft auch einen wirtschaftlichen Aspekt, siehe Kusturicas teurer, in Hamburg geförderter Film „ Underground“.
Sie sind ein vielbeschäftigter Mann, sitzen von der Filmförderungsanstalt, über efdo bis zum Produzentenverband in Führungsgremien und haben eine eigene Produktionsfirma. Geraten Sie da nicht von einem Interessenkonflikt in den nächsten?
Das glaube ich nicht, das sind doch alles Funktionen, die sich ergänzen und die für die Arbeit der Filmförderung hilfreich sind. Was meine Firma angeht, habe ich klare Regelungen getroffen. Laufende Projekte werde ich noch selbst weiterführen, die neuen wird meine Nachfolgerin übernehmen. Für diese Projekte kann meine Firma in Hamburg selbstverständlich keine Filmförderung beantragen. Andererseits kann ich den Laden auch nicht zu machen. Einmal will ich nicht ewig bei der Filmförderung bleiben und dann war ja auch vor meiner Wahl bekannt, daß ich aktiver Produzent bin und das auch bleiben will.
Was ist Ihr erstes Ziel, das Sie mit der Förder GmbH erreichen wollen?
Wir müssen mit den anderen Filmförderungen abgestimmte Richtlinien schaffen. Die Abwicklung von Projekten ist möglicherweise effektiver, wenn eine einzelne Filmförderung die Federführung bei der Förderung übernimmt und die Filmemacher nur noch einen Gesprächspartner haben und einen Antrag stellen müssen. Zuerst möchte ich mich aber mit der Hamburger Filmszene beraten. Für unsere Arbeit ist ein gegenseitiger Austausch unverzichtbar. Wir sitzen nicht im Elfenbeinturm.
Kategorie: Interview
Schlagworte: Filmförderung, Institution, Filmproduktion
