GRIP 12

01.09.1995

Erster unter gleichen

Berlin Brandenburg versucht einen neuen Weg der Filmförderung. Wie es scheint mit Erfolg.

Von Dieter Brockmeyer

Tradition hat sie ja, die ehrwürdige Region rund um Berlin. Ufa und Babelsberg sind noch immer das Synonym für den deutschen Vorkriegsfilm, wo Namen wie Marlene Dietrich oder Fritz Lang weltweit für Aufsehen sorgten. „So sollte es wieder sein", waren sich die Lokalpolitiker gleich nach der Wiedervereinigung einig. Doch dann geschah erst einmal nichts. Zu groß waren die Altlasten aus 45 Jahren DDR und zu groß die Unterschiede im Denken, die sich in dieser langen Zeit herausgebildet hatten. Erst ganz langsam arbeitete sich in den letzten Jahren eine Struktur heraus, aus der sich etwas entwickeln kann. Das Filmboard Berlin-Brandenburg gehört da sicherlich zu den Hoffnungsträgern.

Diese gemeinsame Filmfördereinrichtung beider Bundesländer erblickte just das Licht der Welt, als im Westen die Frage vor allem nach der Finanzierbarkeit einer solchen kulturellen Arbeit immer lauter wurde. Überschuldete Kommunen und Länder suchten händeringend nach Möglichkeiten von Einsparungen, und, wie so oft, die Kultur schien den geringsten Widerstand zu bieten. Selbst so „ehrwürdige" Institutionen wie das Filmbüro in Hamburg gerieten in Existenznot. Allein da, wo standortpolitisches Kalkül, wie etwa in NRW, regierte, blieb die Förderwelt heil. Standortpolitisches Kalkül führte freilich auch zur Gründung des Filmboard; gleichzeitig beschritt man aber auch neue Wege, die zumindest der leidigen Diskussion um Sinn oder Unsinn der Förderung handfeste Argumente entgegensetzt. So gewährt die Form der GmbH der Board eine nicht unerhebliche Unabhängigkeit und Flexibilität. Das Intendantenmodell kann durchaus eine wirkungsvolle Waffe gegen Gremienfilz sein.

Bleibt allein die finanzielle Ausstattung. Die soll mit am Ende 40 Millionen D-Mark in der Tat sehr üppig ausfallen. So lange der politische Wille da ist, dieses Geld in die regionale Filmwirtschaft zu pumpen, kann die Filmboard auch weiterhin die Effizienz ihrer Arbeit unter Beweis stellen. Allerdings, sollte dieser Wille einmal schwinden, wird auch dort - allen Erfolgen zum Trotz - die Frage nach Sinn oder Unsinn aufflackern. Da aber der audio-visuelle Wirtschaftsfaktor immer weiter an Bedeutung gewinnt, ist das wohl nicht zu befürchten. Die Mannschaft um Intendant Prof. Klaus Keil kann also vorerst ungestört an ihrem Ziel arbeiten, zumindest ein stückweit den alten Vorkriegsglanz wiederzubeleben. Erster unter gleichen, so wünscht man sich im Wettstreit der deutschen Medienzentren zu plazieren.

Kategorie: Hintergrundbericht (GRIP FORUM)

Schlagworte: Filmförderung

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