GRIP 07
01.09.1993
Neues aus dem Filmhaus Frankfurt
Der Sommer ist fast vorüber...
Von Ernst Szebedits und Marlies Emmerich
... und war geprägt von der Diskussion um die gravierenden finanziellen Kürzungen in vielen Bereichen. Die Kultur in dieser Stadt stand und steht besonders heftig im Kreuzfeuer der Streichungsattacken. Der Filmhaus - Etat 1993, ein winziger Posten im gesamten Kulturhaushalt, war von Kürzungen (noch?) nicht betroffen. Eine Kürzung wäre auch kaum nachvollziehbar und begründbar, bedenkt man, wie gering die Mittel für die Filmkultur sind.
Die Überlegungen, "Filmhaus", "Filmbüro" und "Geschäftsstelle Filmförderung" stärker organisatorisch und räumlich zusammenzuschließen, den inhaltlichen Zusammenhang stärker auszubauen, sind u. a auch zu verstehen vor dem Hintergrund knapper finanzieller Mittel. Unabhängig davon, daß es darum gehen muß, in Hessen (und Frankfurt) mehr Mittel für den Film durchzusetzen, bleibt die Notwendigkeit, die jetzt zur Verfügung stehenden Mittel optimal einzusetzen. Auf der Grundlage einer organisatorischen und finanziellen Gesamtstruktur der o. g. Institutionen und verstärkter Zusammenarbeit mit anderen filmkulturellen Institutionen, was in großen Teilen bereits geschieht, aber auch mit der Unterstützung durch Film-und Fernsehproduktionsfirmen (!), muß es darum gehen, die Bedingungen des (hessischen) Films zu verbessern!
Trotz aller finanziellen Probleme freuen wir uns, daß wir ein Veranstaltungsprogramm für Oktober bis Dezember vorstellen können. Und damit sind wir bei unserer Arbeit, fern jeglicher finanzpolitischer Akrobatik.
Neben den Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen im Bereich Licht, Ton, Regie, Kamera etc., gab es immer wieder Überlegungen zu finanzierbaren Formen eines Drehbuchworkshops. Drehbuchwerkstätten in Berlin und München etc. bieten begabtem Nachwuchs, teilweise unterstützt durch Stipendien, mehrmonatige Ausbildungsmöglichkeiten an. Diese sehr intensive Form der Drehbucharbeit für Nachwuchsautoren ist begrenzt auf eine geringe Teilnehmerzahl und verursacht damit hohe Kosten. Gleichwohl ist die Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit einer solchen Ausbildung unbestritten.
Stipendien können wir leider (noch nicht?! ) zur Verfügung stellen. Wir freuen uns dennoch ganz besonders, daß es nun gelungen ist, einen 6-monatigen Drehbuchworkshop anbieten zu können! Trotz der begrenzten Mittel haben wir drei fachkundige und erfahrene Referenten/Referentinnen - Liane Jessen, Inge Fleckenstein und Alfred Behrens - gewonnen. Die Kosten für die Teilnahme konnten in einem realistischen Rahmen gehalten werden.
Diese Veranstaltung ist als kontinuierliche Drehbuchbetreuung konzipiert. Durch die gemeinsame Arbeit von Betreuer(n)/ innen und Teilnehmer(n)/innen an konkreten Drehbuchentwürfen sollen sowohl Kenntnisse und Fähigkeiten entwickelt als auch Unterstützung in der Bearbeitung des eigenen Stoffes gegeben werden. Diese zentrale Veranstaltung, die ein erster Versuch ist und nur eine begrenzte Teilnehmerzahl erlaubt, wird ergänzt durch verschiedene öffentliche Veranstaltungen zum Thema Drehbuch, die ¡e unterschiedliche Aspekte aufgreifen.
Beginnen werden wir mit einem Erfahrungsbericht zum "Frank Daniel Script Workshop" im "European Film College". Zwei Filmhaus - Mitglieder haben an diesem Seminar teilgenommen. Ihre Erfahrungen bzw. Informationen bilden die Grundlage für eine Diskussion zu diesem Thema (s. hierzu auch den Artikel von D. Ungureit in diesem Heft).
In der Reihe "Filmgespräche" wird Wolfgang Kohlhaase, Autor vieler DEFA-Produktionen, einen Vortrag halten, der sich mit dem Drehbuch, mit Dramaturgie, dem filmischen Erzählen befasst. Ein weiteres "Filmgespräch" mit dem Regisseur und Autor Jan Schütte und der Autorin und Regisseurin des Überraschungserfolges "Abgeschminkt", Katja von Garnier (angefragt), wird die unterschiedlichen Sichtweisen, dramaturgischen Möglichkeiten und Umsetzungen des filmischen Erzählens behandeln.
Liane Jessen, Redakteurin der ZDF-Redaktion "Kleines Fernsehspiel", Beraterin und Mitarbeiterin der Drehbuchwerkstatt in Berlin, wird in einer Informationsveranstaltung mit Filmbeispielen das Thema Dramaturgie behandeln. Thema dieser Veranstaltung wird auch sein, welche Entscheidungskriterien die Redaktionen bei der Begutachtung von Drehbüchern zugrunde legen.
Neben den Veranstaltungen zum Thema Drehbuch/Dramaturgie bieten wir in unserer Reihe "Kontakte" wieder die Möglickeit Betriebe, Produktionsbedingungen, technologische Entwicklungen kennenzulernen und Kontakte herzustellen. Die Firmen ECG TV Studios und die Bibo TV Studiobetriebe laden ein.
Die Kurzfilmreihe mit Filmen hessischer Filmemacher/innen im Werkstattkino Mal Seh'n wird fortgesetzt. Die Reihe "Filmanalysen" mit E. Schleifer, "Hommage an.. ", und die Analyse des Films "Der Bienenzüchter" durch die "Olympia Filmanalyse" bieten Möglichkeiten der intensiven Beschäftigung mit Filmen.
Ganz besonders hinweisen möchten wir auf eine Podiumsdiskussion zum The ma "Gewalt im Film", die wir gemeinsam mit dem Verein "Frankfurter Kulturpolitik - Kultur im Dritten e. V. " veranstalten. Der Film "Mann beißt Hund", Film des Monats der Jury der evangelischen Filmarbeit, ist Anlaß für eine Debatte um die Grenzen filmischer Darstellung von Gewalt. Unter der Leitung von Ingrid Scheithauer diskutieren Michael Kötz, Klaus Kreimeier, Dietrich Kuhlbrodt und Werner Schneider.
Das bewährte Lichtseminar (M. Schäfer, N. de Jager) und ein S8 - Kamera - Seminar (R. Krüger) ergänzen die filmpraktischen Aus- und Weiterbildungsveranstaltungen. Uber Drehbedingungen, Voraussetzungen für Dreharbeiten, Probleme und Möglichkeiten an Drehorten usw. informiert HT - Filmservices (O. Hitzelberger, B. Türcke). Und: Die neuen Räume in der Hamburger Allee werden, wie erwartet, bereits rege genutzt und entwickeln sich zu einem "öffentlichen" Ort. Wir freuen uns, daß nun auch der überwiegende Teil unserer Veranstaltungen im "Filmhaus" stattfinden kann und damit dieser Ort noch ausgiebiger genutzt wird.
Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)
Schlagworte: Filmhaus Frankfurt, Ausbildung/Weiterbildung/Studium
