GRIP 07
01.09.1993
Die Frankfurter Filmschau wird 1993 wieder das Forum sein
Die 8. Frankfurter Filmschau findet vom 8. - 12. Dezember 1993 statt. Abspielorte sind wieder das AKI- Kino-Center im Frankfurter Hauptbahnhof, das Werkstattkino mal seh'n und das Kommunale Kino im Deutschen Filmmuseum.
Von Karola Gramann
Auch in diesem Jahr wird die umfassende Werkschau der geförderten Filme den Überblick über das Spektrum regionaler Filmproduktionen wie auch ihrer überregionalen Einbindung bieten. Viele Filme werden inzwischen in Erstaufführung gezeigt.
Aus der erfahrungsgemäß großen Zahl frei eingereichter Arbeiten wählt eine Jury 6 bis 7 abendfüllende Programme aus. Diese Jury wird im Benehmen mit dem Vorstand des Filmbüros benannt und eingeladen; sie besteht aus Filmkritikerinnen, Kinomacherinnen, Regisseurinnen und anderen Fachpersönlichkeiten. Sie tritt im Oktober zur Sichtung der eingereichten Arbeiten zusammen und wird ihre Auswahlentscheidung unabhängig von den Organisatorinnen der Filmschau treffen. Auf der Filmschau werden nicht nur die Filme zu sehen sein, sondern es besteht wieder die Möglichkeit zum Gespräch zwischen Publikum und Filmemacherinnen ins Gespräch zu kommen. Wir hoffen, daß möglichst alle Filmemacherinnen zur Filmschau kommen können, da die Kommunikation zwischen Produzenten und Publikum ein wesentlicher Bestandteil jeder Filmschau ist.
"In Kassel begann die Auseinandersetzung um eine Filmausbildung Anfang 1968. Der Unmut darüber, als Student die eigenen filmischen Erfahrungen nicht durch Ausbildung erweitern zu können, motivierte uns in der Phase der allgemeinen Aufbruchstimmung zum Kampf gegen traditionelle Darstellungsformen. Wir rannten - von heute aus betrachtet - offene Türen ein. Es sollte aber mehrere Jahre dauern, bis Manfred Vosz als erster eine Professur für Film erhalten sollte. '', schreibt Professor Kurt Johnen, einer der Initiatoren, in Archäologie einer Filmklasse.
Wir nehmen das 25 jährige Bestehen der Filmklasse zum Anlaß, anhand der dort entstandenen Filme, deren Geschichte und Entwicklung darzustellen. Mit zwei bis drei frei produzierten Filmen jährlich, kommt ein beachtliches Konvolut zustande, obwohl die Hochschule die Filme der Studentinnen nicht finanzierte, entstanden viele politische und soziale Dokumentarfilme, in den letzten Jahren, dann auch zunehmend Spiel- und Experimentalfilme, darunter Arbeiten von Diana Hutchinson, Franz Lehmkuhl, Ulrich Leineweber, Sabine Stange, Klaus Weller, Joachim Bode, Davouid Kanani, Raymond Ley, Tilmann Kohlhaase, Tuncay Baturay, Gordian Maugg.
Die Einrichtung der Trickfilmklasse 1982, zunächst unter der Leitung von Jan Lenica, brachte neue Impulse, die auch für die Filmklasse innovative Ansätze in der Verbindung von Stilen und Filmformen bedeutete. Fotofilmdokumentationen und andere Mischformen mit Trickfilm entstanden und existieren noch heute. Stellvertretend für viele andere seien die Arbeiten von Michael Zamjatnins, Ariel Guzmann, Christine Schindler, Christine Garben und Ptr Vrana genannt. Die Brüder Lauenstein gewannen mit "Balance" im Jahr 1990 sogar einen Oscar.
Neben der Filmproduktion hat die Kinoarbeit an der HBK eine lange Tradition. Beginnend mit den ersten Veranstaltungen 1967 im "Esplanada", den Aktivitäten des "Arbeitskreises Film und Fernsehen" 1968, bis zur Initiative "kino" 1969. Nach der Gründung der Gesamthochschule 1971, dann die Projektgruppe "Kommunales Kino", deren Arbeit 1974 mit der Gründung des Kommunalen Kinos weitergeführt werden konnte. Studenten der HBK riefen im Sommersemester 1976 das Asta-Kino ins Leben, bis schließlich der "Filmladen Kassel " eröffnet wurde. Die Arbeit des "Filmladens" ist Forum für die Kassler Filme und ihre Macherinnen. Die Geschichte, Probleme und Zukunftsperspektiven der Filmarbeit an der HBK in Verbindung mit der Diskussion um Stand und Möglichkeiten der Filmausbildung heute wird Thema eines Podiumsgespräches sein.
Zur Retrospektive soll ein Reader erscheinen.
"Als Ideenträger ist er subversiv" "Und auf die Frage, ob es eine Rolle gebe, die er abgelehnt habe, sagte er kürzlich ein schlichtes Nein. Was sollte einer, der keine Anliegen vermitteln will, sondern eine Kunst daraus gemacht hat, sich auf Erfahrungen, neue Erfahrungen, auch Abenteuer einzulassen, anderes sagen? " Der Titel des Textes von Dietrich Kuhlbrodt, dem dieses Zitat entnommen ist, beschreibt zeitlich und inhaltlich die Grundzüge der Karriere der Darstellerpersönlichkeit Alfred Edel: "Querblicke. Vom anderen Kino zum jüngsten deutschen Film" (in Abschied vom Gestern). Fast 30 Jahre lang war Alfred Edel der "geheime Höhepunkt" einer stattlichen Reihe von Filmen: ABSCHIED VON GESTERN, JEDER FÜR SICH UND GOTT GEGEN ALLE, STROSZEK, DIE ARTISTEN IN DER ZIRKUSKUPPEL: RATLOS, in fast allen Filmen Alexander Kluges, KLASSENVERHÄLTNISSE, CasanovaProjekt... er spielte mit Profiregisseuren und Laien. Intensiv arbeitete er in letzter Zeit mit Christoph Schlingensief und auch Monika Treut zusammen, Regisseure des "jüngsten" deutschen Films.
Mit der Hommage an Alfred Edel wollen wir seinen Beitrag zum Kino der Bundesrepublik würdigen und an einen Freund und Förderer des Frankfurter Kinolebens - nicht zuletzt auch der Frankfurter Filmschau - erinnern.
Die Retrospektive entsteht in Zusammenarbeit mit der Filmprofessur der Johann Wolfgang-Goethe-Universität. Es wird eine Broschüre mit Orginalbeiträgen, Dokumenten und Fotos erscheinen.
Zu einer Abendveranstaltung In memoriam Alfred Edel haben bereits Christoph Schlingensief, Dietrich Kuhlbrodt und Heide Schlüpmann ihre Teilnahme zugesagt.
Die 8. Frankfurter Filmschau ist eine Veranstaltung des Filmbüros Hessen e. V. mit Unterstützung der Hessischen Filmförderung, des Amtes für Wissenschaft und Kunst der Stadt Frankfurt, des Deutschen Filmmuseums und des Filmhaus Frankfurt e. V.
Sie findet statt unter der Leitung von Marita Gruber und Karola Gramann.
Kategorie: Gastbeitrag (ehemals Selbstdarstellungen von institutioneneigenen Mitarbeitern / ab GRIP 63)
Schlagworte: Festival
