Filmland Hessen 2 / 2013

01.11.2013

Viel Konfetti und gute Laune

Ein Abend, der nur Gewinner kannte: der 24. Hessische Film- und Kinopreis*

Von Daniel Güthert

Die Verleihung des Hessischen Film- und Kinopreises, der von der Landesregierung und der Hessischen Filmförderung zusammen mit dem Hessischen Rundfunk (HR) und der Buchmesse veranstaltet wird, ist der Höhepunkt im Terminkalender der heimischen Film- und Fernsehgemeinde, wie die Kunstministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) in ihrem Grußwort annoncierte. Ein Festakt, bei dem sich die Branche einmal im Jahr ihrer selbst vergewissert. Kein Wunder, dass die Stimmung in der Alten Oper Frankfurt gelöst war wie selten angesichts der positiven Bilanz erfolgreicher Produktionen aus Hessen zuletzt. Die nominierten Titel und Darsteller versprachen einen ausnehmend guten Jahrgang. 

So setzte sich, wenig überraschend, die schon vielfach preisgekrönte HR-Koproduktion „Am Himmel der Tag" von Pola Beck als bester Spielfilm durch. Ein ergreifendes Drama, das mit einer ungebremsten emotionalen Wucht daherkomme, wie Moderator Jörg Thadeusz anmerkte: „Viele Männer sollen geweint haben." Was die Regisseurin fast ein wenig verlegen machte. „Ich hatte anfangs gar nicht geahnt, dass der Film so traurig würde. Aber es hat mich dann auch wieder gefreut", bekannte sie. Etwas unerwarteter dagegen war der Sieg in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm" des gebürtigen Hessen Inigo Westmeier, der sich mit seiner faszinierenden Studie über die Kung- Fu-Ausbildung in China „Drachenmädchen" auch gegen den hoch gehandelten Film „Das radikal Böse" von Oscar-Preisträger Stefan Ruzowitzky („Die Fälscher") behaupten konnte. 

Die Filmtrophäe und der Teppich 

Überhaupt stand der diesjährige Festakt unter einem besonders guten Stern. Nicht nur der Stars und Prominenten wegen, sondern weil höhere Mächte mit im Spiel waren. Zwei Abgesandte himmlischer Sphären, die, stürmisch bejubelt, für Witz und gute Laune sorgten. Niemandem im Saal wäre es eingefallen, den „Göttern wie wir" den „Sonderpreis der Jury" absprechen zu wollen, den das wunderbare Regie- und Schauspielerduo Carsten Strauch und Rainer Ewerrien entgegennahm. Und charmant überreichte Laudatorin Lisa Marie Potthoff neben der Trophäe noch einen kleinen Läufer: „Damit ihr bei allem Erfolg eurer ZDF-Serie ja auf dem Teppich bleibt." 

Gelungen, amüsant verlief der Abend insgesamt. Es war, als hätten die Gastgeber, Regierungschef Volker Bouffier (CDU) und Ministerin Kühne-Hörmann, eine Charme-Offensive ausgegeben, verbunden mit energischen Bekenntnissen zu Kultur und Film. Film sei untrennbar Teil der Kultur und Kultur untrennbar Teil der Gesellschaft, so Bouffier. Dewegen werde man die Anstrengungen für die Filmförderung auch nicht zurückfahren. Und dann folgte ein spontaner Ausruf, der Sonderbeifall erntete: „Auch die zehn Kinos werden wir noch hinbekommen!" Es war die lässig aufgenommene Steilvorlage der Kinoleiterin Antje Witte (Orfeo's Erben), die als Sprecherin der Kinopreisträger, daran erinnert hatte, dass die Digitalisierung einiger Kriterienkinos in Hessen noch ausstehe. 

Ehrenpreis für Hannelore Hoger 

Ins Schwärmen kam der Landeschef, als er Hannelore Hoger den Ehrenpreis des Ministerpräsidenten überreichte. Sie habe mit ihren unendlich vielen Rollen, insbesondere als Kommissarin Bella Block ein Millionenpublikum in den Bann gezogen. „Wer es schafft, über Jahrzehnte als Fixstern zu leuchten, muss schon eine ganz besondere Ausdruckskraft haben." 

In einer sehr persönlich gehaltenen Laudatio ehrte Rudolf Kowalski, der in vielen Folgen „Bella Block" an ihrer Seite gespielt hat, die Kollegin, deren „Spiellust geradezu ansteckend sei." Sichtlich gerührt nahm die Aktrice den Preis entgegen und schloss ihre Dankesrede mit dem Aufruf an alle Künstler, Schauspieler, Dichter, Philosophen, Clowns und Filmemacher: „Lasst uns in einer kalten, verhärteten Gesellschaft tanzen - wenn es sein muss, auf dem Drahtseil." 

Die Auszeichnung schließlich für die beste Literaturverfilmung, die der libanesische Regisseur Ziad Doueiri zusammen mit seiner Frau Joelle Touma für die Romanadaption „The Attack" (Yasmina Khadra) erhielt, war ein weiterer Höhepunkt einer Galaveranstaltung, die wohl alle zufriedenstellte. Schade nur, dass die beiden Sieger der Kategorie beste darstellerische Leistung, Thomas Thieme und Lisa Wagner, aufgrund von Dreharbeiten verhindert waren. 

* Die Liste aller Preisträger siehe Seite 11

Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)

Schlagworte: Auszeichnung, Schauspiel, Spielfilm, Dokumentarfilm, Filmförderung, TV/Rundfunk

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