Filmland Hessen 2 / 2013

01.11.2013

Praunheim über Praunheim

Rosa von Praunheim filmt Erinnerungen an seine Frankfurter Zeit

Von Claudia Prinz

Auf den Spuren der eigenen Kindheit und Jugend. Anfang Mai war der Filmemacher Rosa von Praunheim („Unsere Leichen leben noch", „Überleben in New York") aus Berlin angereist, um in Frankfurt und Umgebung für mehrere Monate seinen neuen Film „Praunheim Memoirs" zu drehen. „Es wird ein Film über die Erinnerungen an mein Leben in dem seltsamen Frankfurter Vorort Praunheim als einsamer Jugendlicher, Lyriker und Maler und an mein Studium an der HfG, wo ich zum ersten Mal spürte, dass das Leben einen Sinn hat". 

Rosa von Praunheim, damals noch Holger Mischwitzky, kam 1953 im Alter von elf Jahren mit seinen Adoptiveltern aus Lettland über Umwege nach Frankfurt, in den Stadtteil, der später zu seinem Pseudonym und Markenzeichen werden sollte: Praunheim. Das Goethe-Gymnasium verließ er noch vor der mittleren Reife, schaffte im zweiten Anlauf 1959 dann doch die Aufnahme an die Offenbacher Hochschule für Gestaltung (HfG), wo er zwei Jahre Malerei studierte, bis es ihn nach Berlin an die Hochschule für Bildende Künste zog. 

Diesem Frankfurter Lebensabschnitt ist das neue Projekt gewidmet, das in Koproduktion mit dem Hessischen Rundfunk (hr) und mit Unterstützung der Hessischen Filmförderung (30.000 Euro) entsteht. Gefilmt hat Praunheim Interviews mit früheren Lehrern, mit Weggefährten, aber auch mit Prominenten wie Eva Demski, Hilmar Hoffmann oder dem Journalisten Samuel Schirmbeck. 

Und aufgezeichnet hat er zudem die Bühnenshow der Performance- Gruppe „Baby of Control", einer Formation von elf jungen Schauspielern, Tänzern, bildenden Künstlern und Musikern, die - wie er einst - im Umkreis der HfG arbeiten und deren Auftritt ihn kolossal begeisterte. Für ihn muss es wie ein Dejä-vu gewesen sein: junge Künstler, die mit der gleichen Energie und dem Esprit arbeiten, mit dem er selbst an der HfG begonnen hatte und den er heute noch verkörpert. 

Die „Memoirs" sind inzwischen abgedreht. Rosa von Praunheims nächstes Projekt aber steht wohl schon. Es wird den Titel tragen: „Baby of Control - eine proletarische Oper". 

Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)

Schlagworte: Filmemacher*in, Dokumentarfilm, Filmförderung

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