Filmland Hessen 2 / 2013
01.11.2013
Die Dekonstruktion alltäglicher Gegenstände
Sparkassen-Kunstpreis 2013 für Filmemacher Michel Klöfkorn
Von Daniela Fend
Erstmals ist der seit 1972 verliehene Kunstpreis der Frankfurter Sparkasse an einen Filmemacher gegangen: Die diesjährige Auszeichnung - mit 15.000 Euro dotiert - ist dem Frankfurter Experimentalfilmer Michel Klöfkorn zugesprochen worden. „Unser Kunstpreisträger ist ein Allrounder seines Metiers", so Sparkassenchef Hans Grüntker in seiner Begrüßungsrede. Und Lars Hendrik Gass, Festivalleiter der Kurzfilmtage Oberhausen, ehrte den Preisträger in seiner Laudatio als einen der erfolgreichsten Animationsfilmer der letzten Jahre, nicht im kommerziellen, aber im künstlerischen Sinne: „Neben der beeindruckenden Liste von Festival- und Ausstellungserfolgen stehen vor allem zwei Bundesfilmpreise für Kurzfilm - etwas, das keinem anderen Regisseur vor ihm gelungen ist."
An der Hochschule für Gestaltung Offenbach hat Michel Klöfkorn (Jg. 1967) Zeichnung, Malerei und Film studiert und sein Schaffen von Anfang an sehr vielfältig aufgebaut. In seinen filmischen Essays verwendet er alltägliche Gegenstände und Mittel der hiesigen Konsum- und Kulturlandschaft, die er über Collagen oder Demontagen von ihrer eigentlichen Funktionalität loslöst und in Animationstrickfilmen über die filmische Verdichtung von Zeit und Raum entlarvt. Auch um auf diese Weise ein kritisches Reflektieren im Konsumenten anzuregen. Nicht zuletzt thematisiert er durch die Verbindung des handwerklichen Arbeitens mit dem digitalen Film das Immaterielle in diesem Medium und die Relation von Frame zu Frame.
Klöfkorns Filme waren auf zahlreichen internationalen Filmfestivals zu sehen und wurden vielfach mit Preisen bedacht, darunter mit dem Hessischen Hochschulfilmpreis („Hobby Mensch", 1998), dem Hessischen Filmpreis für den Kurzfilm „Winterspruch" (1999) und dem Hauptpreis 2009 bei den Kurzfilmtagen Oberhausen für seinen Beitrag „n.n.". Und 2012 wurde er für seinen Experimentalfilm „Ich fahre mit dem Fahrrad in einer halben Stunde an den Rand der Atmosphäre" mit dem Deutschen Kurzfilmpreis in Gold ausgezeichnet.
Vergeben wird der Sparkassenpreis an herausragende zeitgenössische Künstler aus Frankfurt. Zu den bisherigen Preisträgern zählen beispielsweise die Fotografin Abisag Tüllmann, der Bildhauer Tobias Rehberger oder der Maler Michael Riedel.
Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)
Schlagworte: Auszeichnung, Filmemacher*in, Experimentalfilm, Animation
