Filmland Hessen 2/2009

01.11.2009

Mit Glamour und der richtigen Balance

Zwanzig Jahre Hessischer Film- und Kinopreis

Von Bernd Jetschin

Ob Christian Petzold, Romuald Karmakar, Andreas Dresen, Andres Veiel oder Rolf Schübel - eines haben die bekannten Regisseure gemeinsam: sie alle sind Preisträger des Hessischen Filmpreises. Zur 20. Verleihung am 16. Oktober in der Alten Oper waren sie nun beinahe alle anwesend: die bisherigen Preisträger wie die Jurymitglieder. Neben Bayern und Schleswig- Holstein ist Hessen das einzige Bundesland, das einen derartigen Länderkulturpreis für Film vergibt, der insgesamt mit 185.000 Euro dotiert ist. 

Für Maria Wismeth, Geschäftsführerin der Hessischen Filmförderung hat der Preis vor allem in den letzten Jahren an Prestige und Medienwirksamkeit gewonnen und werde heute bundesweit ganz anders wahrgenommen als noch in den Anfangsjahren. Sie erinnert sich noch gut daran, dass Romuald Karmakar 1995 den Hessischen Filmpreis mit dem Film „Der Totmacher" gewann und damit später sogar in Venedig auf dem Lido triumphierte, aber in seiner Dankesrede alles erwähnte - nur nicht den Hessischen Filmpreis. Darüber enttäuscht war damals nicht nur Maria Wismeth, aber sie wusste: „Das lag am Preis selbst, der einfach nicht gegenwärtig war." Heute passiere das nicht mehr, denn der Preis habe deutlich an Strahlkraft gewonnen. 

Profil durch mutige Juryentscheidungen 

Was zunächst mit dem Kinopreis vor 20 Jahren begann, hat sich vor allem seit der Zäsur 1996 bestens weiterentwickelt. 1996 wurden die Richtlinien geändert und für die bis dahin bundesweit verliehenen Preise wurde ein Hessenbezug vorgeschrieben. Und in den Kategorien sind der Drehbuchpreis und die Auszeichnung für den besten Hochschulfilm hinzugekommen. 

Einer der brisanten Höhepunkte in der Liste der Preisträger war der Dokumentarfilm „Blackbox BRD" von Andres Veiel (2001). „Der Film war absolut umstritten", so Maria Wismeth. „Es gab damals hitzige Diskussionen um diesen Film. Aber „Black Box BRD" ist mit so vielen Preisen dekoriert worden bis hin zum Europäischen Filmpreis und wird heute immer wieder genannt, wenn es um die Highlights des Hessischen Film- und Kinopreises geht." 

Mehr Medienaufmerksamkeit dank starker Partner 

Überhaupt: dass so häufig Dokumentarfilmer auf die Bühne kommen und Preise abräumen, kann nicht überraschen. Die Projektvergabemittel der Landes- und Rundfunkförderung sind auch zusammen noch viel zu gering, um im Land Spielfilmproduktionen im größeren Stil zu unterstützen. Und die Dokumentarfilmer sind in Hessen stets mit offenen Armen empfangen worden. „Dennoch haben wir in vielen Jahren auch zwei bis drei Spielfilme für den Preis Vorschlägen können", erklärt Wismeth, die im nächsten Jahr fest mit gleich mehreren Spielfilmeinreichungen rechnet; denn durch den Filmfonds Hessenlnvest konnten zuletzt viele attraktive Spielfilmproduktionen ins Land geholt werden. 

In der Entwicklung der Hessischen Film- und Kinopreise zur großen Galashow, ausgestrahlt auch vom hr-Fernsehen, sieht Verena Metze-Mangold von der Hessischen Rundfunkförderung und Co-Geschäftsführerin der Hessischen Filmförderung einen schönen Erfolg: „Vor allem die Kooperation mit der Buchmesse eröffnet die großartige Chance, im größeren Rahmen und mit noch mehr Medienaufmerksamkeit die Arbeit und Ergebnisse der letzten Jahre öffentlichkeitswirksam nach außen zu stellen." 

Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)

Schlagworte: Auszeichnung, Filmförderung, Filmemacher*in, Dokumentarfilm, Spielfilm, TV/Rundfunk

Artikel im PDF aufrufen