Filmland Hessen 2/2009
01.11.2009
Eine filmhistorische Sensation
Der Stummfilmklassiker „Metropolis" wird mit wiedergefundenen Originalszenen restauriert
Von Dieter Brockmeyer
Es war eine regelrechte Sensation, als im vergangenen Jahr in Argentinien eine Filmrolle mit verschollen geglaubten Szenen aus Fritz Längs Monumentalfilm „Metropolis" auftauchten. Auf direktem Weg ist das Material dann nach Wiesbaden zur Friedrich- Wilhelm Murnau Stiftung gelangt, wo man mit der Restaurierung einer möglichst ursprünglichen Fassung begonnen hat. Schon zu Anfang des kommenden Jahres soll sie vorliegen, so das ehrgeizige Ziel nach Aussage von Anke Wilkening, zuständig für die Filmrestaurierung in der Murnau-Stiftung.
Ohnehin ist die kulturhistorische Bedeutung dieses einzigartigen Stummfilmklassikers nicht zu unterschätzen. Metropolis wurde als bislang einziger Film in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen. Mit den rund 30 Minuten, die jetzt in die bestehende Fassung eingearbeitet werden, wird der Film annähernd wieder die Ursprungslänge haben, die er hatte, als er 1926 in die Kinos kam. Allerdings kam die Originalfassung damals beim Publikum nicht sonderlich an, so dass sich die Produktionsfirma Ufa schon bald entschloss, eine deutlich kürzere Schnittversion herauszubringen, um die enormen Produktionskosten, die das Studio fast an den Rande des Ruins gebracht hatten, doch noch einzuspielen. Seitdem galten die Szenen der Urfassung als verschollen. Kenntnis von ihnen hatte man nur noch aus dem Drehbuch und der Zensurkarte. Angesichts der schlechten Qualität des wiederentdeckten Bildmaterials gestaltet sich die Restaurierung freilich kompliziert. „Die Szenen liegen auf einem 16 mm Dub Negativ vor, das in den 70er Jahren von einer alten Kinokopie gezogen wurde, die offensichtlich in keinem sehr guten Zustand war", erläutert Anke Wilkening. Inzwischen aber ist das Material bei Arri München mit der Kinoauflösung von 2K eingescannt und von dem auf Filmrestaurierungen spezialisierten Bildbearbeiter Alpha-Omega digital retuschiert worden. Der fertige Film wird auf einer 35-Millimeter-Kopie und für eine digitale Abspielung vorliegen. Vorgesehen ist die Premiere des Original-Metropolis-Films am 12. Februar 2010 in der Alten Oper Frankfurt und danach bei den 60. Internationalen Filmfestspielen in Berlin.
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Schlagworte: Filmkultur, Filmtheorie/Filmwissenschaft, Filmemacher*in, Spielfilm
