Filmland Hessen 1 / 2014
01.05.2014
Mit gängigen Klischees aufräumen
ln Kassel fand zum zweiten Mal das „Festival der Autorenspiele" statt
Von Daniel Güthert
Dass Computerspiel nicht gleich Computerspiel ist, dass PC-Games nicht nur laut, actionreich und martialisch zu sein brauchen, das hat sich der „Spielsalon" auf die Fahnen geschrieben. Ein Festival der Autorenspiele, das von der Kunsthochschule Kassel in Verbindung mit der hessischen Film- und Medienakademie (hFMA) angeboten wird. Die Werkschau der alternativen Spielkonzepte fand Ende 2013 nun zum zweiten Mal in Kassel statt und war im März zudem auf der Cebit, der Informationstechnikmesse in Hannover vertreten. „Mittlerweile haben sich Computerspiele zunehmend auch als kreative Ausdrucksform etabliert", erläutert hFMA-Geschäftsführerin Anja Henningsmeyer. Deswegen sei es ihr ein Anliegen, die Ausstellung in ihrem Netzwerk der Hochschulen zu unterstützen.
Gezeigt wurden 30 Spielmodelle von Absolventen verschiedener Kunsthochschulen aus Hessen und aus dem Ausland, die deutlich machen, inwieweit Künstler das Medium für sich entdeckt haben und mit innovativen, genreübergreifenden Ausdrucksweisen aufwarten. Dabei werden die gängigen Klischees der Gamesbranche bewusst unterlaufen, zum Teil gar ironisch kommentiert. Auch der Aspekt Interaktivität wird variiert eingesetzt, um eine intensivere Kommunikation zum Anwender herzustellen. Dabei zeichne die Spiele jeweils die sehr persönliche Handschrift der Autoren aus, das sei der zentrale Punkt, wie Thomas Meyer-Hermann, Professor für Trickfilm in Kassel, betont.
Eines der bemerkenswertesten Beispiele in Kassel war „Perfect Woman" der ehemaligen Kasseler Studentin Lea Schönfelder. Sie baut Spiele, die sich mit Fragen rund um Geschlechterrollen, Alltagserfahrungen und moralischen Konflikten befassen. Bei „Perfect Woman" mussten die Teilnehmer allerhand körperliche Verrenkungen vollführen, um sich in verschiedenen klassischen Frauenrollen zu bewähren. Ein anderes Beispiel punktete mit meditativen Qualitäten; Nicole Brauer setzte in ihrem Spiel „Personal Trip to the Moon" auf einen schwarz-weißen Retro-Stil und erzählte darin eine sehr persönliche Geschichte zum Thema Transidentität. Zwei von 30 Arbeiten, die beim Spielsalon aufgezeigt haben, was in diesem Medium jenseits des Mainstreams an Potential steckt.
Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)
Schlagworte: Diversität, Webformat, Nachwuchs, Animation, Festival
