Filmland Hessen 1 / 2014

01.05.2014

HESSENS FILMFÖRDERUNG WIRD UMGEBAUT

Erste Ankündigungen des neuen Ministers Boris Rhein auf der Berlinale

Von Bernd Jetschin

Das Timing war perfekt, der Coup gelungen. Den Berlinale- Empfang der Hessischen Landesregierung in Berlin nutzte Hessens neuer Minister für Wissenschaft und Kunst Boris Rhein (CDU) als Bühne, um die Gründung einer Film GmbH für 2015 in Aussicht zu stellen Damit hat der Minister kurz nach seinem Amtsantritt den Startschuss gegeben für eine integrierte Förderung in Hessen, wie sie schon länger zwischen Landesregierung und Branche mit großem Engagement erörtert wird. 

„Ich plane, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, die Gründung einer Film GmbH und lade alle Filmschaffenden dazu ein, sich wie bisher auch aktiv an der Umsetzung zu beteiligen," verkündete Rhein in seiner Ansprache. Die Filmförderung solle in Zukunft serviceorientierter strukturiert werden, nach dem Grundsatz „One face to the customer" - ein zentraler Ansprechpartner für alle Bereiche. Damit würde Hessen als einer zunehmend gefragten Adresse im Film- und Medienschaffen zusätzliche Schubkraft verliehen. 

25 Jahre Hessischer Film - und Kinopreis 

Zugleich hob der Minister den Hessischen Film- und Kinopreis hervor, der im Oktober zum 25. Mal vergeben werden wird, dotiert mit insgesamt 185.000 Euro. „Eine Auszeichnung wie der Film- und Kinopreis steht dem Land Hessen gut zu Gesicht. Es macht stolz zu sehen, was in Hessen und mit hessischer Unterstützung und Förderung entsteht", erklärte Rhein weiter und bekräftigte, dass sich die neue Landesregierung dazu bekenne, den Preis sowie die gesamte Filmförderung trotz aller Sparvorgaben im Haushalt weiterzuentwickeln und zu stärken." 

In der anschließend von Knut Eisermann (RBB) moderierten Talkrunde mit Regisseuren und Produzenten, deren Filme in Hessen gefördert wurden, war es vor allem Regisseur Andres Veiel, der auf die Einzigartigkeit und Relevanz der Kulturellen Filmförderung Hessens hinwies, durch deren Hilfe seine Produktionen „Blackbox BRD" und „Wer, wenn nicht wir" erst möglich wurden. „Die Kulturelle Hessische Filmförderung verdient Reservatenschutz", befand Veiel und empfahl, diesen Grundpfeiler in einem künftigen Modell nicht aufzugeben. 

Als weiterer Gast trat Filmregisseur Pepe Danquart auf, dessen jüngster Kinofilm „Lauf, Junge, lauf" in Teilen auch in Hessen produziert worden ist. Danquart lobte den Standort und kündigte den deutschen Kinostart für Mitte April an. Danquarts internationale Koproduktion ist von Hessen Invest Film bezuschusst worden ebenso wie der Kinofilm „Ostwind" von Katja von Garnier. Die Produzentin Eva Karlström von Sam Film schwärmte von der herrlichen Location nördlich von Kassel und dem Reinhardswald, der dem Film eine urwüchsige und wildromantische Kulisse geboten habe. Karlström kündigte ein Sequel zu „Ostwind" an. Die Regie soll erneut Katja von Garnier übernehmen, die mit demselben Team wieder in Hessen Zusammenarbeiten will. 

Edgar Reitz gewinnt epd-Leserpreis für „Die andere Heimat“ 

Einiges zur Produktionsgeschichte des ebenfalls in Hessen inszenierten Filmes „Männerhort" gab der Frankfurter Autor Rainer Ewerrien zum Besten, der gemeinsam mit David Ungureit die Drehbuchfassung zu dem erfolgreichen Bühnenstück geschrieben hat. Gedreht wurde die skurrile Männerfarce in Frankfurt, im Neubaugebiet Riedberg, das ein idealer Schauplatz für diese Geschichte moderner Mittelschichtenpaare gewesen sei. Der traditionell beim Berlinale-Empfang der Hessen verliehene Leserpreis der Zeitschrift epd Film, die ihren Verlagssitz in Frankfurt hat, ging in diesem Jahr an den Regieveteranen Edgar Reitz für sein Epos „Die andere Heimat". Als Chefredakteur Rudolf Worschech die Urkunde und die als Preis gestiftete Nomos- Uhr überreichte, war der Regisseur sichtlich beglückt und verriet, dass er Sohn eines Uhrmachers sei und noch vor seinem Abitur eine Uhrmacherlehre absolviert habe. Sein Fazit: „Somit schließt sich trefflich der Kreis." 

Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)

Schlagworte: Auszeichnung, Filmförderung, Politiker*in, Filmpolitik, Spielfilm, Filmemacher*in

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