Filmland Hessen 1 / 2014
01.05.2014
EINE MODERNE FÖRDERSTRUKTUR MUSS HER
Hessens neuer Kunst- und Kulturminister Boris Rhein (CDU) im Gespräch mit Daniel Güthert
Von Daniel Güthert
Herr Minister, die Hessische Filmförderung ist 1985 als eine der ersten Ländereinrichtungen in Deutschland überhaupt entstanden und der Hessische Filmpreis wird heuer bereits zum 25. Mal vergeben. Sind das nicht erfreuliche Entwicklungen?
Ja, darauf sind wir auch stolz. Das sehen Sie gerade daran, dass wir das Jubiläum ins Zentrum unseres diesjährigen Berlinale- Empfangs gestellt haben. Und wir werden den 25. Hessischen Film- und Kinopreis auch gebührend feiern.
Als Frankfurter Wirtschaftsdezernent haben Sie 2008 als Erstes dafür gesorgt, dass sich die Stadt wieder an der Edit, dem Filmmaker’s Festival, beteiligt. Wie wichtig ist Ihnen die Kreativwirtschaft?
Die Kreativwirtschaft ist die (!) Zukunftsbranche, und das Filmemachen steht für mich im Zentrum des kreativen Schaffens. Filmförderung ist deshalb Förderung der Kreativwirtschaft par excellence. Daher unterstützen wir die Kreativen mit unserem Programm Hessen Invest Film, mit der kulturellen Filmförderung und nicht zuletzt durch die Ausrichtung der Biennale des bewegten Bildes - B3 als Weiterentwicklung der damaligen Edit.
Nach Ihrem ersten Eindruck: wie steht der Film- und Medienstandort Hessen da?
Hessen ist ein mittlerer und dennoch sehr profilierter und vor allem ein zentraler und gut erreichbarer Film- und Medienstandort. Mein Ziel ist es, darauf aufbauend, eine moderne Filmförderstruktur in Hessen zu etablieren und den Standort noch attraktiver zu machen.
Was heißt das konkret? Zielt das auf die Einrichtung einer Medien GmbH ab?
Ja. Die Einrichtung einer Film- und Medien GmbH ist erklärtes Ziel der neuen Landesregierung. Das können Sie auch dem Koalitionsvertrag entnehmen. Ich werde - in Zusammenarbeit mit den Filmschaffenden und Fördereinrichtungen in Hessen - für eine Umsetzung dieser Vereinbarung sorgen.
Welche wesentlichen Hürden wären dafür zu nehmen?
Ich möchte eine moderne Filmförderstruktur in Hessen etablieren, die uns die Mitgliedschaft in „Focus Germany" ermöglicht, und dabei die vorhandenen Fördereinrichtungen organisatorisch verbinden. Zugleich möchte ich auf der bisher guten Kooperation der Filmschaffenden und Kreativen in Hessen aufbauen. Eine Herausforderung ist dabei sicherlich die Integration der höchst unterschiedlichen Einrichtungen unter einem gemeinsamen Dach - aber keine wesentliche Hürde. Ich bin sicher, dass uns das bei gutem Willen aller Beteiligten auch gelingt.
Dem Vernehmen nach wollen Sie dazu ein Gutachten, also Expertise von außen einholen. Was versprechen Sie sich davon?
Die endgültige Entscheidung hierüber ist noch nicht getroffen.
Welches Tempo schwebt Ihnen bei der Umsetzung vor? Ist 2014 noch damit zu rechnen? Hessen Invest Film ist ja nur für dieses Jahr verlängert.
Die Neuorganisation der Filmförderung sowie die weitere Ausgestaltung von Hessen Invest Film sind Gegenstand der aktuellen Haushaltsberatungen. Ich bitte um Verständnis, wenn ich hier noch keine Details nennen kann. Aber Sie können sicher sein, dass wir das bisher Erreichte - immerhin befinden wir uns mittlerweile in der vierten Förderperiode des Programms - nicht auf's Spiel setzen werden.
Kommen wir noch zum Geld. Grob gerechnet werden derzeit zehn Mio. Euro in Hessen für Filmförderung und Filmstrukturmaßnahmen ausgegeben. Reicht das, um im Konzert der Filmländer mitspielen zu können? Die Filmwirtschaft hatte diesbezüglich mal die Verdoppelung der Mittel gefordert.
Die Hessische Filmförderung und Hessen Invest Film sind bundesweit anerkannt und zunehmend erfolgreich. Die Steigerung der Förderungen ist zwar wünschenswert, sollte aber mit Augenmaß erfolgen. Eine Verdoppelung der Fördermittel halte ich aktuell für nicht machbar und nicht erforderlich.
Sehr erfolgreich war Schweighöfers „Schlussmacher“, der sein Förderdarlehen - 600.000 Euro - komplett zurückgeführt hat. Würden Sie sich mehr solcher Produktionen wünschen?
Ja, in der Tat. Mit Hessen Invest Film sind wir damit auf einem sehr guten Weg. Dabei gilt es bei allem Anspruch, nicht zu vergessen, dass Filmförderung gleichzeitig immer auch Kulturförderung ist, bei der die monetäre Rendite nicht immer im Fokus stehen darf.
Kategorie: Interview
Schlagworte: Politiker*in, Filmförderung, Filmpolitik, Auszeichnung, Filmwirtschaft
