Filmland Hessen 1 / 2014

01.05.2014

DREI MÄNNER AUF DEM RIEDBERG

Oder: Wie bekommt man eine Million Euro von Hessen Invest Film?

Von Ursula Vossen*

Die Frankfurter Autoren Rainer Ewerrien und David Ungureit hatten von Anfang an den richtigen Riecher: Das markante Neubauviertel auf dem Frankfurter Riedberg war für sie das ideale Setting für ihre Adaptation des Kult-Theaterstücks „Männerhort" von Kristof Magnusson. Zuerst schwebte der Produktionsfirma die film GmbH jedoch ein anderer Drehort außerhalb Hessens vor. Doch das 4,3 Millionen Euro teure Projekt war nicht so leicht zu finanzieren, wie sich Produzent Uli Aselmann das gewünscht hatte. Schnell war klar, dass das Projekt - neben Filmförderungsanstalt (FFA) und dem Deutschen Filmförderfonds (DFFF) - die Unterstützung einer engagierten Länderförderung brauchte, die sich mit einer hohen Summe an der Finanzierung beteiligt und zudem über geeignete, markante Drehorte verfügt. 

Im Vorgespräch zur Antragstellung bei Hessen Invest Film in der Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WIBank) zeigte sich, dass das Projekt nur Aussicht auf die benötigte Höchstfördersumme von einer Million Euro hatte, wenn der Film komplett in der Rhein-Main-Region gedreht würde, um einen entsprechend hohen Imageeffekt für Hessen zu erzeugen. So bekam der Riedberg seine Chance. 

Der Riedberg und das Einkaufszentrum MyZeil dienten als perfekte Kulisse 

Für Aselmann erwies sich das letztendlich auch als Vorteil: „Denn die Stadt Frankfurt ist noch nicht so abfotografiert", so der Produzent. Zudem konnte er mit Bernhard Jasper einen hervorragenden Kameramann für das Projekt gewinnen, der die Mainmetropole bereits für „What a Man" und „Schlussmacher" in sensationellen Bildern auf die große Leinwand gebracht hatte. 

Für die Außenaufnahmen bekam zur Freude der Autoren der Riedberg den Zuschlag, dort befand sich auch das Hauptmotiv, die Reihenhaussiedlung der drei geplagten Protagonisten Eroll, Lars und Helmut. Das Innenstadt-Einkaufszentrum MyZeil wurde schnell als perfekte Location für die Shopping Mall des Films gebucht. 

Auch die langen labyrinthischen Gänge zum titelgebenden Männerhort, dem Zentralheizungskeller eines Einkaufszentrums, fand die Produktion in unmittelbarer Nähe zu ihrem Hauptmotiv auf dem Uni Campus Riedberg. Dorthin ziehen sich Eroll, Lars und Helmut auf der Flucht vor ihren konsumfreudigen Ehefrauen zurück und richten sich dort eine letzte Männer- Enklave ein. Als Aykut, der Facility-Manager des Einkaufszentrums, sie dort entdeckt, müssen sie um ihr Versteck kämpfen - bis Aykut selbst die Vorzüge des Rückzugsortes zu schätzen lernt, weil er sich ebenfalls vor seiner Frau verstecken will. 

Ein Hessen-Effekt besonderer Art: Werbung für die Frankfurter Eintracht 

Zwei wichtige Voraussetzungen brachte das Projekt bereits bei Antragstellung mit: Neben dem überzeugenden Drehbuch von Ewerrien und Ungureit hatte mit Elyas M'Barek, Christoph Maria Herbst und Detlev Buck eine beeindruckende Starbesetzung unter der Regie der im Komödienfach sehr erfahrenen Franziska Meyer Price für das Projekt zugesagt. Im Lauf der Drehvorbereitung wurde das Männertrio durch Cosma Shiva Hagen, Lisa Maria Potthoff und Jasmin Schwiers sowie Michael Gwisdek und Serkan Cetinkaya komplettiert. Mit dem Constantin Filmverleih war zudem ein starker Auswertungspartner mit an Bord, der den Film am 2. Oktober bundesweit in die Kinos bringen will. 

Auch für Teammitglieder und Dienstleister hat sich der „Männerhort" gelohnt. Denn Produzent Uli Aselmann gibt für jeden geförderten Euro fast zwei Euro in Hessen aus. Alle diese Aspekte zusammen überzeugten in der Fördersitzung im Juni 2013 die Kommissionsmitglieder von Hessen Invest Film, dem Projekt die beantragte Höchstfördersumme von einer Million Euro zuzusprechen. Elyas M'Barek steuerte übrigens einen ganz besonderen Part zum Hessen-Effekt bei: Im Film trägt der eingefleischte Bayern-München-Fan permanent den Eintracht- Adler auf der Brust, spielt er doch einen begeisterten Eintracht Frankfurt-Anhänger. 

Weitere Informationen unterwww.hessen-invest-film.de

* Die Autorin ist Förderreferentin von Hessen Invest Film 

Kategorie: Gastbeitrag (ehemals Selbstdarstellungen von institutioneneigenen Mitarbeitern / ab GRIP 63)

Schlagworte: Filmförderung, Wirtschaftsförderung, Filmproduktion, Filmwirtschaft, Drehbuch, Schauspiel

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