Filmland Hessen 1 / 2010
01.05.2010
Mit 20 Millionen Euro dabei
Hessen setzt sein Forderprogramm HessenlnvestFilm bis 2013 fort
Von Daniel Guthert
„Never change a winning team", oder anders ausgedrückt: nichts ist so erfolgreich wie der Erfolg. Das gilt auch für die Politik. So verkündete die Hessische Kunstministerin Kühne- Hörmann (CDU) bereits anlässlich des Hessischen Filmpreises 2009, dass das wirtschaftliche Förderprogramm HessenlnvestFilm 2010 fortgesetzt werden wird. Denn der Finanzierungsfonds, 2002 erstmals aufgelegt und 2006 um vier Jahre verlängert, ist aus Sicht der Ministerin ein Erfolgskonzept. „Hessen hat sich als eine gute Adresse für den Film etabliert".
Aufgrund organisatorischer Belange konnte die Neuauflage zunächst nicht ganz turnusgemäß ins Jahr starten. Inzwischen aber ist es amtlich: Hessenlnvest III ist verabschiedet, ausgestattet mit einem Etat von 20 Millionen Euro für einen Zeitraum von vier Jahren. Bereitgestellt werden die Mittel durch die landeseigene Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WiBank), die - wie schon zuvor - das Programm administrieren wird. Eine Gefahr des Ausfallrisikos zu Lasten der Bank besteht dabei nicht, denn der Fonds ist, so die Konstruktion, durch eine entsprechende Bürgschaft des Landes abgesichert.
Hochkarätige Prüfungskommission
Besonders glücklich ist Kühne-Hörmann, dass es gelungen ist, die neu gebildete Prüfungskommission hochkarätig zu besetzen. Neben profilierten Persönlichkeiten aus Hessen wie den Regievertretern Rolf Silber und Sung-Hyung Cho, dem Produzenten Carl Schmitt (StarCrest Media) und dem UlP-Verleihchef Paul Steinschulte fällt auf, dass ihr nunmehr auch namhafte auswärtige Juroren angehören wie Michael Schmidt-Ospach, dem früheren Leiter der Filmstiftung NRW, Hubertus Meyer-Burckhardt (Polyphon Hamburg) und Benjamin Herrmann (Majestic-Filmverleih Berlin). „Ich bin sicher, dass wir dank der Einbindung bundesweit anerkannter Filmexperten noch größere nationale und internationale Beachtung des Filmschaffens in Hessen erzielen werden."
Durch den Erfolg des hessischen Modells bestätigt, ist im Grundsatz an den Richtlinien von HessenlnvestFilm nichts geändert worden. So ist auch in Zukunft die Koexistenz von Qualität und Wirtschaftlichkeit eines Vorhabens entscheidend für die Zusage der bedingt rückzahlbaren Darlehen. Aber keinen Zweifel lässt die Ministerin daran, dass es sich bei dem Programm nicht zuletzt um Standortförderung handelt. „Wir wollen, dass die in Hessen ansässigen Medienunternehmen von unserer Förderpolitik profitieren und wir zugleich neue Investoren ins Land holen."
So ist nach offiziellen Angaben des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst die Rechnung allein schon unter diesem Blickwinkel aufgegangen. Obgleich die Richtlinien lediglich einen Hesseneffekt von 100 Prozent vorsehen, sind summa summarum 160 Prozent der Fördersummen im Rahmen der Produktionstätigkeit wieder in Hessen ausgegeben worden; ganz abgesehen von der sogenannten Umwegrendite, die auch die mittelbaren Ausgaben berücksichtigt und damit noch ungleich höher liegen dürfte.
Dezentrale Strukturen verbesserungsfähig
Befriedigt zeigt sich auch die Filmwirtschaft über den Fortbestand des Medienfonds. „Die Richtung stimmt", so Karl-Eberhard Schäfer, Sprecher der Vereinigung der Hessischen Filmwirtschaft. „Die Erfolge sind unübersehbar, wenn man nur mal die Zunahme der Drehs vergleicht. Da hat Hessen spürbar Boden gut gemacht." Wünschen würde er sich aber, wenn endlich auch die von der Branche geforderte Strukturanpassung auf den Weg käme.
In diesem Punkt gilt weiterhin, so die Ministerin, ihre schon zuvor geäußerte Einschätzung, dass „die heutigen dezentralen Strukturen der Film- und Medienförderung verbesserungsfähig sind. Die Lösung muss sein, dass Filmschaffende und potentielle Antragsteller in Hessen einfach, direkt und schnell an ihr Ziel kommen, um insbesondere die qualifizierte Beratung und zügige Förderung ihrer Projekte zu gewährleisten. Es gilt die Kommunikation zu verbessern, Reibungsverluste zu vermeiden und die Effizienz der Filmförderung weiter zu steigern. Deshalb möchte ich eine zentrale Anlaufstelle schaffen, und bedanke mich bei den Filmschaffenden für die bisherigen konstruktiven Vorschläge zu diesem Thema. Ich denke, wir sind auf dem richtigen Weg."
Kategorie: Bericht/Meldung (GRIP INFO + Filmland Hessen-Beiträge)
Schlagworte: Filmförderung, Wirtschaftsförderung, Filmpolitik, Filmwirtschaft
